NEU: "Das Konvolut" ist fertig
(letzte Aktualisierung 17. 02. 2012)
Foto: R. Podlesny
Geboren 1958 in
München. Lebt seit 1981 in Berlin.
Seit 1976 kontinuierliche kompositorische
Arbeit, die gelegentlich von Theaterarbeit unterbrochen wird:
z.B. Regie-Assistenz bei Achim Freyer am
Burgtheater in Wien. Gelegentliche Regietätigkeit.
Mitglied des "Freyer-Ensembles" und der "Maulwerker".
Zusammenarbeit mit Dieter Schnebel, Josef Anton
Riedl, Helmut Lachenmann u.a.
Die Kompositionen wurden unter anderem bei
verschiedenen internationalen Festivals aufgeführt:
z.B. Donaueschinger Musiktage ,Wittener Tage
für neue Kammermusik, "Klangaktionen", "Musica
Viva"(München), "Berlin in Moskau", "XIII Cigle de musica
del segle XX, Barcelona", Dresdner Tage für
zeitgenössische Musik, MaerzMusik (Berliner
Festspiele), Musik-Biennale Berlin u.v.a.
Der wichtigste Arbeitsschwerpunkt der letzten
Jahre war die Komposition für Oper und Musiktheater:
Abendfüllende Oper "Das
stille
Zimmer" für die Oper Bielefeld
(Uraufführung 5. Mai 2000).
2003/2004 entstand die Kurzoper "La
Didone
abbandonata" für die "Dresdner Tage
für zeitgenössische Musik".
Im Jahr 2005 wurde das Musiktheaterwerk "Schatten"
im Auftrag der "Musica Viva" München, die Kammeroper "Eines
schönen Tages" im Auftrag der Staatsoper Hannover,
sowie die Kammeroper "Die
Klage
des Pleberio" in Berlin uraufgeführt.
2006 enstand eine weitere Kurzoper für die
"Dresdner Tage für zeitgenössische Musik": "Celestina
im
Gespräch mit sich selbst".
2007 folgte die Oper "Stationendrama"
für die Stuttgarter Staatsoper.
Kompositionsstipendium der Stadt München
1986.
Elisabeth-Schneider-Preis für Komposition
2001, Busoni-Kompositionspreis 2005.
2008 Aufenthaltsstipendium in der Villa
Serpentara in Olevano Romano / Italien.
Das Gesamtwerk ist exklusiv verlegt bei
edition
juliane
klein
Chodowieckistr.15/1 in 10405 berlin
http://www.editionjulianeklein.de
Werkverzeichnis
Neue
Stücke
ab 2003 Kommentare
zu
älteren Stücken
Kommentare
zu neueren Stücken (ab 2003)
Perioden für ein beliebiges Melodieinstrument (1976)
Und das Summen der Käfer wie gesprungene
Glocken
Büchner-Studie für 2
Vokalisten,Flöte,Klavier und Schlagzeug (1979)
Libro de las preguntas Neruda-Studie
für variable Besetzung (1979)
Uraufführung (Solo-Version mit Live-Elektronik):Bayreuth 1979
(Michael Hirsch, Stimme und Live-Elektronik)
Bühnenmusiken zu Ibsens Gespenster
und
Büchners Woyzeck
(1978/80) Neue
Stücke ab 2003
Aufführungen 1979-81
Die Sehnsucht des Klaviers ein Orchester zu
werden
11 Szenen für Klavier (1982) (zurückgezogen)
(Ist auch Bestandteil von „Il Viaggio“. Zum Teil eingearbeitet in
„Memoiren, 2.Buch“)
Tristan-Momente (Bearbeitungen) für
Streichquartett (1983)
Uraufführung: Bayreuth
1983
(Florin Voicu,Violine
1, Dana Voicu, Violine 2,
Jean Christophe
Michallek,Viola,Guillaume Boulay,Violoncello)
Il Viaggio Musikdramatisches
Projekt für Schauspieler,Sänger,
Musiker und Installationen (1982-83) (zurückgezogen)
Auftragswerk der Stadt Bonn. Uraufführung: Bonn 1983
(Darsteller:Sabine Dornbluth,Thomas Hailer,Angelika Rebhan,
Gudrun Schlager, ein Kammerorchester der Folkwangschule
Essen. Musikalische Leitung:Michael Alexander Richter,
Regie:Michael Hirsch)
...Fenster... Isorhythmische Motette in 72 Atemzügen (1983)
Berühren Atmen Berühren Suchen Berühren für Streichduo (1984)
Das Fünfte Kapitel Szenisches
Hörspiel (1984) (zurückgezogen)
Uraufführung: München 1984
Memoiren,1. Buch , ein Streichquartett
(1983-85)
-Atmen
-Lied/Erinnern
(1984)
-Berühren
-Und Fuge
(1985)
-Suchen
Memoiren, 2.Buch , eine
Klaviersonate(1983-86)
Uraufführung
zweier
Sätze als Bühnenmusiken:
-2.Satz:
Köln 1986 (simultan mit "Prometheus 21")(Thomas Kleine,
Klavier)
-4.Satz:Bonn
1986 (Thomas Kleine,Klavier)
Prometheus 21 Klanginstallation mit
Schauspielern (1985/86)(zurückgezogen)
Uraufführung: Köln 1986 (Studiobühne)
In den Städten gibt es keine Dunkelheit
Installation (1987/88)(zurückgezogen)
Uraufführung: Berlin 1988 ("Telefunken-Haus")
In Form von Formen für Orchester (1988)(zurückgezogen)
Memoiren 3.Buch , Ein Konzert
für 6 Instrumente (1986-91)
-Gespräche
für Flöte und Es-Klarinette (1986)
-Varianten
für Klavier(1989)
-Holzstück
I für einen Schlagzeuger(1990)
Uraufführung: München 27.11.1997, Gasteig
Festival
"Klangaktionen"
(Christian
Dierstein, Schlagzeug)
-Metallteile
für Celesta und Schlagzeug (1991)
Beschreibung
eines
Kampfes Musikdramatisches Projekt
nach Franz Kafka (1986-92)
Uraufführungen
einzelner
Teile:
-Raum
für ungezähmte Träume
(München
1988, Gasteig)
(Michael
Hirsch,Sprecher, Zuspielband produziert im
Elektronischen
Studio der TU Berlin, Ltg.:Folkmar Hein
-Zeichenlandschaft/Inventar
(München
1990, Gasteig)
(Stefan
Gabanyi,Cornelius Hirsch,Michael Hirsch , Objekte)
-Ansprache/Versuch
(Berlin 1990 Akademie
der Künste -Ost)
(Michael Hirsch,
Leser,Objekte)
-Reaktion
/Kommentar
(München
1992,Gasteig)
(Michael
Hirsch,Performance)
-Basler Version
"Bruchstücke aus 'Beschreibung eines Kampfes' "
(Basel 1995,
Kunsthalle)(Aniara Amos,Michael Hirsch, Robert
Podlesny, Sprache
und
Objekte) zurück
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Der Schlaf. Eine nächtliche Szene (Hörspiel,
WDR
1993)
Neue
Stücke
ab 2003
Produziert im "Studio Akustische Kunst"(Ltg. Klaus Schöning)
"Acustica International" 1993
Improvisation für Celesta (1993)
Uraufführung: Glasgow 1996 (Version für Klavier)
(Ariane Jeßulat, Klavier)
26 Listen. Ein Vorrat für Musiktheater (1993)
Tagesreste. Ein Stummes Spiel (1994)
Uraufführung: München 1994 (Gasteig)
Simultan mit Live-Zuspielung des Hörspiels "Der Schlaf"
(Michael Hirsch,Performance)
DisTanzen Komposition für 7 Stimmen
(1994)
Uraufführung: Bonn 1994 (Oper der Stadt
Bonn,Bundeskunsthalle)
( "Freyer-Ensemble", Regie: Achim Freyer)
Zu 14 Händen für 7 Pianisten an
einem Klavier (1995)
Uraufführung: Berlin 1995 ("Die Maulwerker", Klavier)
Zwei Liederzyklen für einen Sprecher
(1992-95)
-Lieder
nach Texten aus dem täglichen Leben für 1
Sprecher(1992-93/95)
Uraufführung
1.Fassung :Berlin 1994
Uraufführung 2.Fassung: Donaueschingen 1995
(Michael
Hirsch,Sprecher)
-Reiterin-Variationen für 1 Sprecher
(1995)
Uraufführung: Rümlingen 1995 ("Neue Musik in
Rümlingen")
(Michael
Hirsch,Sprecher)
Mouvement à 5(pour A.G.)
für Klavier,Harfe oder Gitarre,
Glockenspiel, Sprache und Geräusche (1995)
Uraufführung: Rümlingen 1995("Neue Musik in
Rümlingen")
(Aniara Amos,Klavier, Christian Kesten, Gitarre,Michael Hirsch,
Glockenspiel, Robert Podlesny, Geräuschemacher)
Hirngespinste.
Eine nächtliche Szene für 2
Spieler mit Akkordeon
(1996)
Uraufführung:München 1996 ("Musica Viva")
(Teodoro Anzellotti, Akkordeon, Robert Podlesny,Akkordeon
und Sprache)
Kopfecke, Wunderhöhle. Musik
für 3 Sprecher,3 Kassettenrecorder,
1 Geräuschemacher,Klavier und Holztrommeln
(1996)
UA: 5.4.2002, Berlin
Odradek. Ein Roman für Ensemble
(1994-97)
(Flöte ( auch Piccolo
),Klarinette,Alt-Saxophon,Konrafagott,Trompete, Posaune,Tuba.
Schlagzeug,Klavier,Violine 1,Violine 2, Viola,
Violoncello,Kontrabaß .)
Auftragskomposition für die "Musikfabrik NRW"
(1998 revidiert )
Dialog
für 2 Sprecher,Klänge und
Gegenstände (1997)
Auftragskomposition des WDR
Uraufführung : Wittener Tage für neue Kammermusik 1997
(Robert Podlesny, Michael Hirsch, Sprache und Objekte) zurück
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Das graue Buch Radiophone Komposition (SR
1997)
Produziert beim Saarländischen Rundfunk (Redaktion:Wolfgang
Korb)
mit Robert Podlesny und Michael Hirsch.
Septembersommer für mittlere
Singstimme und Klavier nach F.C.Delius (1997)
Auftragskomposition für Deutschlandradio
Uraufführung: Ludwigslust 1997 ("Stimmen im Sommer")
(Markus Köhler,Bariton, Vladimir Stoupel,Klavier)
Holzstück
II musique
concrète (1997)
Produziert im Elektronischen Studio der TU Berlin
(Ltg. Folkmar Hein)
Uraufführung(Version für 2 x 5 Lautsprecher): Berlin
1997
Passagen/Szenen
für Flöte, Klarinette, Klavier, Violine,
Viola und Violoncello (1997)
Auftragskomposition für das Ensemble Musica Temporale
Uraufführung: Dresden 6.10.1998 "Dresdner Tage für
zeitgenössische Musik" (Ensemble Musica Temporale)
Tischszene für 2 Spieler an einem
Holztisch (1997-98)
Uraufführung: Berlin 25.4. 1998
(Robert Podlesny und Michael Hirsch)
Le
carnet d'esquissefür Kammerensemble(1997-98)
(Baßflöte/Piccoloflöte,
Klarinette, Klavier, Schlagzeug, Viola und Violoncello)
komponiert für das Ensemble "TrioLOG"
-Quartettversion
für Klarinette, Violoncello,Klavier und Schlagzeug
Uraufführung:Barcelona ("XIII Cigle de m·sica del
segle XX" ) 15.6.1998
(Jörg
Widmann, Klarinette, Yves Savary, Violoncello,
Jan Philip
Schulze, Klavier , Stefan Blum, Schlagzeug)
-Sextettversion
für Flöte, Klarinette, Violine, Violoncello, Klavier
und Schlagzeug
Uraufführung: München
25.11.1998 zurück
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Bastard
für Klavier (1997-98)
Uraufführung: Bielefeld 20.November 1999
(Renata Helmich, Klavier)
Die Worte, die Mauern(1998)
produziert im elektronischen Studio der TU Berlin (Ltg.Folkmar
Hein)
Uraufführung: Berlin 11.September 1998
Starren Träumen Wittern Zögern
Musikalische Szene mit Texten von Ernst Herbeck
(für Ensemble) (1998)
für das Ensemble "Zwischentöne" (Ltg. Peter Ablinger)
Uraufführung: Berlin 8.November 1998
Duette aus "Le carnet d'esquisse" (1998)
-Folge 1 für
Klarinette und Violoncello
-Folge 2 für
Piccolo-Flöte und Violine
(beide Folgen auch simultan aufführbar)
Holzstück III für 2 Spieler (1999)
Holzstück
IV musique
concrète (1999)
Uraufführung (Holzstück III und IV): Bad Wildbad
11.7.19999
("Ars nova"- Konzert des Südwestrundfunks im Rahmen des
Festivals "Rossini in Wildbad",
mit Robert Podlesny und Michael Hirsch)
...Kleinigkeit etwas mehr Meer...
für 2 Sprecher, 2 Schlagzeuger, Posaune,
Tuba, Akkordeon und Tonband.(1998/99)
Kompositionsauftrag des Südwestrundfunk
Uraufführung : 15.10.1999 Donaueschinger Musiktage
(Anna Clementi, RobertPodlesny, Teodoro Anzellotti, Christian
Dierstein,
Werner Hofmeister, Stefan Froleyks, Werner Puntigam)
Winterkampagne nach einem Text von
Ursula Krechel
für Tenor, Klavier und 3 Kassettenrecorder
(1999)
Auftragskomposition für Deutschlandradio
Uraufführung: Ludwigslust 1999 ("Stimmen im Winter")
(Seongju Oh,Tenor und Moritz Eggert, Klavier )
Das
stille Zimmer
Oper nach Texten von Ernst Herbeck (1998/99)
Kompositionsauftrag des Theater Bielefeld
Uraufführung :5.5.2000 Theater Bielefeld, Grosses Haus
(mit Deborah Lynn Cole, Cornelie Isenbürger, Annina Papazian,
Mojca Vedernjak , Vera Ilieva (Sängerinnen),
Robert Podlesny, Rainer Homann, Michael Günther, Helmut
Westhausser, Johannes R. Voelkel (Schauspieler),
die Bielefelder Philharmoniker , musikalische Leitung: Geoffrey
Moull,
Regie: Michael Hirsch.)
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Zwei
Stücke für Dieter Schnebel
-Trio 1
(1999)
für
Klarinette, Violine und Violoncello
Uraufführung :
8.4.2000 Berlin, Akademie der Künste
(ensemble recherche)
-Duo
für 2 Spieler und Tonband (2000)
Uraufführung :
11.3.2000 Berlin, Podewil
Robert Podlesny und
Michael Hirsch
anlaufen aufschwingen abstürzen
Monolog für 5 E-Gitarren (2000)
(Komponiert für das Ensemble Go Guitars)
Uraufführung : 29.10.2001 München, Gasteig
Monolog für Piccolo-Flöte
(Komponiert für Carin Levine)
Uraufführung : 29.10.2001 München, Gasteig
Carin Levine, Piccolo-Flöte
Monolog für Klavier
Uraufführung : 18.9.2007, Berlin, BKA,
Andreas Staffel, Klavier
Chronik
in Augenblicken
Ein Konzert für Ensemble(2000/2001)
(Flöte, Klarinette,Fagott, Posaune, Harfe, Klavier,
Schlagzeug, Viola, Violoncello und Kontrabaß)
Uraufführung 30.Juni 2001, Freiburg
(Ensemble Aventure)
Trio 2 (2001)für Flöte, Klavier
und Schlagzeug
(komponiert für Carin Levine, Tomas Bächli und Claudia
Sgarbi)
UA: 29.11.2001, Berlin
Das
Konvolut, Vol.1(2001)(für Sängerin,
Piccolo-Flöte,Klarinette,Tuba,Streich-Trio und
CD-Zuspielungen)
Kompositionsauftrag der Berliner Festspiele
für das Festival MaerzMusik 2002 in Berlin
UA: 9.3.2002 (Kammerensemble Neue Musik Berlin und Anna Clementi,
Stimme)
daraus einzeln aufführbar:
-Opera für
eine
Sängerin mit CD-Zuspielung
UA:
16.4.2002, Boras (Schweden)(Anna Clementi, Stimme)
-Improvisation für große Trommel und CD-Zuspielung
UA:
3.10.2002, München (Stefan Blum, große Trommel)
Das
Konvolut, Vol.2(2002)(für 7
Darsteller/Sprecher, Flöte, Violine, Klavier, 2
Schlagzeuger und 2 CD-Player)
daraus einzeln aufführbar:
-Studie 1
(für 5 Darsteller und CD-Zuspielung)
UA:
5.4.2002, Berlin("Die Maulwerker")
-Studie 2
(für 1 Sprecher, 1 Sprecherin, Flöte,
Violine, Klavier 2 Schlagzeuger und CD-Zuspielung)
UA:
15.6.2002, Berlin("Ensemble Zwischentöne")
-Studie 3
(für 5 Darsteller/Sprecher und CD-Zuspielung)
Drei Episoden aus "Das Konvolut, Vol.3 " (musique concrète)(2002)
Eine
Handvoll
Skizzen zurück
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für 4 Klarinetten (2002)
Uraufführung: Berliner Klarinettenquartett,
„Randspiele“ Zepernik, 2002
Skizzen Monolog Begleitung
(aus Das Konvolut, Vol.4-6 )
für Sprecher, Schlagzeuger und CD
(2003)
Uraufführung: Michael Hirsch, Stefan Blum, München 2003
50 Gestalten Episoden Figuren
für Ensemble, Sprecher und
CD-Zuspielung (2003)
Uraufführung: Berlin 2005
La
Didone abbandonata
Dramma per musica nach einem Libretto von Pietro
Metastasio (2003/2004)(auch konzertant aufführbar) zurück
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Kompositionsauftrag des Dresdner Zentrums für
zeitgenössische Musik
Besetzung: Didone (Mezzosopran), Enea (Bariton)
Kammerensemble: Piccolo-Flöte, Klarinette (auch Bass-Kl.),
Posaune, Akkordeon,
2 Schlagzeuger, 2 Violinen, Viola, Violoncello, 2 CD-Player.
Uraufführung: Dresden (Festspielhaus Hellerau) 1.10.2004
Didone: Claudia Neubert, Sopran,
Enea: Daniel Ochoa, Bariton
Ensemble Courage
Regie: Rainer Holzapfel
Musikalische Leitung: Titus Engel
Notizen am Rande
für Streichquartett und
Saxophonquartett (2004)
Uraufführung: Berlin 23.10. 2004
Bastard 2 ("La Didone")
für Klavier (2004)
Rezitativ und Arie
für 2 Theremine, Violine,Violoncello, Klavier
und Schlagzeug (2004)
Uraufführung: Barbara Buchholz, Lydia Kavina,
Kammerensemble Neue Musik Berlin
Weimar 30.3.2005
Schatten
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Musiktheater für 5 Vokalisten und
Kammerensemble (2004/2005)
Kompositionsauftrag des Bayrischen Rundfunks
Uraufführung: Kammerensemble Neue Musik Berlin + Die
Maulwerker
München 15.4.2005 („Musica Viva“)
Eines schönen Tages (2004/2005)
Oper für ein Hotel (nach einem Libretto
von Alexander Weil)
Auftrag der Staatsoper Hannover,
Uraufführung: Hannover 27.4.2005
Ulrike Spengler, Sopran, Christoph Rosenbaum, Tenor,
Frank Schneiders, Bariton
Orchester-Solisten der Staatsoper Hannover
Musikalische Leitung: Bernhard Epstein
Regie: Lars Franke
Dramaturgie: Xavier Zuber
Symposion
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für Baßklarinette, Akkordeon, Violine,
Violoncello, Klavier, Posaune, Tuba und CD (2004/2005)
(auch Version für Baßklarinette, Akkordeon, Violine,
Violoncello, Klavier und CD)
Uraufführung: Modern Art Sextett, Berlin (Akademie der
Künste) 7.6. 2005
daraus: Quartett
für Baßklarinette, Akkordeon, Violine,
Violoncello (2004/2005)
Spuren einer Oper
für Klarinette, Akkordeon, Violoncello
und Celesta (2005)
Uraufführung: Modern Art Sextett, Berlin (Akademie der
Künste) 7.6. 2005
Casino
für 3 Gruppen von Spielern (2005)
Uraufführung: München 17.11.2005
Arbeitsgemeinschaft Klangexperimente Gymnasium Brandis
Ltg.: Erwin Stache, Benjamin Stache
Die
Klage des Pleberio
Oper nach einem Text von Fernando de Rojas
(2005) (auch konzertant aufführbar)
Besetzung: Pleberio:Bariton
Kammerensemble: Flöte, Klarinette, Trompete,
Akkordeon,
Harfe, E-Gitarre, Klavier, Vibraphon,
2 Violinen, 2 Violoncelli, CD-Zuspielung.
Uraufführung: Berlin (Klangwerkstatt) 11.11.2005
Pleberio: Simon Berg, Bariton
Ensemble Experimente, Ltg.: Gerhard Scherer
Regie: Antje Kaiser
Dauer: 30 Minuten
Spiel
für 4 Spieler und CD-Zuspielung (2006)
UA: 1.5. 2006 München "Fussball Globus"
Die Maulwerker
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Dauer: 5 Minuten
Celestina
im
Gespräch mit sich selbst (auch
konzertant aufführbar)
nach einem Text von Fernando de Rojas (2006)
Besetzung: Celestina (Tenor)
Kammerensemble: Flöte, Klarinette, Bassklarinette
Trompete, Horn, Posaune,
Akkordeon, Harfe, Schlagzeug,
2 Violinen, Viola, Violoncello, Kontrabass.
Uraufführung: Dresdner Tage für zeitgenössische
Musik 3.10.2006
Celestina: Clemens C. Löschmann, Tenor
Leipzig Sinfonietta, Ltg.: Arturo Tamayo
Dauer: 17 Minuten
Prosa
für Akkordeon und Marimbaphon (2006)
Uraufführung: München 14.10.2006
Konstatin Ischenko, Akkordeon,
Wolfram Winkel, Marimbaphon
Dauer: 13
Minuten zurück
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Stationendrama
Oper in einer U-Bahn (2007)
Text: Paul Brodowsky und Johanna Schweizer
nach der Erzählung "Rachel" von Paul Brodowsky
Kompositionsauftrag der Staatsoper Stuttgart.
Uraufführung: Stuttgart 15.3.2007
Sänger: Anna Escala, Barbara Friebel, Anna Escala, Heinz
Göhrig
Kammerensemble: Milo Machover (Fl..), Nicole Krüger (Klar.),
Teddy Ezra (Bass-Kl.), Joe Steele (Pos.), Anne-Maria Hölscher
(Akk.)
Regie: Lars Franke, Ausstattung: Ima E. Thume,
Dramaturgie: Barbara Tacchini, Tonregie: Niko Lazarakopoulos
Dauer: 60 Minuten
"aufgestaut
angespannt abgebrüht"
für Piccolo-Flöte, Klavier und Marimbaphon (2007)
UA:27.09.07 Berlin, Festival "Interface" (Ballhaus Naunynstr.)
Trio Nexus: Erik Drescher, Tomas Bächli, Claudia Sgarbi
Dauer: 15 Minuten
"Würgeengel-Fragment"
für CD, Oboe, Viola und Horn (2007)
UA: 13.10.07 Berlin, "Pyramidale"
Simon Strasser (Ob.), Karen Lorenz (Va.), Noam Yogev (Hrn.)
Dauer: 6 Minuten
"mit
einem gewissen Pathos"
für Akkordeon, Klavier und 2 Theremine (2007)
UA: 4.11.07 Berlin "Klangwerkstatt" (Ballhaus Naunynstr.)
Nancy Laufer, Heather O' Donell, Lydia Kavina, Barbara Buchholz
Dauer: 17 Minuten
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Worte
Steine (fragmentarische Fassung)
für Bariton-Solo, Chor und Orchester
Orchester-Besetzung:
3 Fl. (auch Picc.), 3 Kl. (auch Bass-kl.), 3 Fg. (auch Kontra-Fg.)
3 Trpt., 4 Hrn., 4 Pos.
2 Schlgzg., Hrf., Klavier, Celesta
Streicher
Voraufführungen der fragmentarischen Fassung:
04.06.08. / 05.06.08 Stralsund
12.06.08 Greifswald zur Eröffnung der Greifswalder Bachtage
Benno Remling, Bass-Bariton,
Opernchor des Theaters Vorpommern
Philharmonisches Orchester Vorpommern
Einstudierung des Chores: Thomas Riefle
Ltg.: Prof. Mathias Husmann
Dauer: ca. 30 Minuten
Celestina im Gespräch mit sich selbst (2. Fassung für kleineres Ensemble)
nach einem Text von Fernando de Rojas
Besetzung: Celestina (Tenor)
Kammerensemble: 1 Klarinette (auch Bassklarinette),
Posaune, Akkordeon, Schlagzeug,
2 Violinen, Viola, Violoncello.
Dauer: 17
Minuten zurück
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Tragicomedia
nach Fernando de Rojas "Celestina"
für 6 Gesangs-Solisten
UA: 7.2. 2009 Stuttgart Festival "Eclat"
Neue Vocalsolisten Stuttgart
Regie Matthias Rebstock
Video Steffi Weismann
Raum und Kostüme Sabine Hilscher
Dauer: 30 Minuten
Streichquartett (2008)
UA bei den Randspielen Zepernick 4.7.2010)
Sonar-Quartett
Dauer: 15 Minuten
Buñuel für
Streichtrio und Zuspielung (2006, rev.2009)
UA 18.3.2009, Bremen
Mitglieder der Deutschen Kammerphilharmonie Bremen
Dauer: 11 Minuten
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Worte
Steine
für Bass-Bariton-Solo, Chor und Orchester
Orchester-Besetzung:
3 Fl. (auch Picc.), 3 Kl. (auch Bass-kl.), 3 Fg. (auch Kontra-Fg.)
3 Trpt., 4 Hrn., 4 Pos.
2 Schlgzg., Hrf., Klavier, Celesta
Streicher
UA der vollständigen Fassung: 9.6.2009 Greifswald (8.
Philharmonisches Komzert)
weitere Aufführungen 10.6. Greifswald, 17.6./18.6.2009
Stralsund (8. Philharmonisches Komzert)
Benno Remling, Bass-Bariton,
Opernchor des Theaters Vorpommern
Philharmonisches Orchester Vorpommern
Einstudierung des Chores: Thomas Riefle
Ltg.: Prof. Mathias Husmann
Dauer: ca. 45 Minuten
Das
Konvolut, Vol.4 (Holzstücke I-IV)
(für variable Besetzung: Schlagzeuger,
Geräuschemacher und Zuspielungen (1990/97/99, rev.
2009)
(Neufassung
der Holzstücke I-IV und Integration in das
"Konvolut"-Projekt)
UA der vollständigen Fassung: Randspiele Zepernick 10.7.
2009
(percusemble berlin)
Dauer: ca. 10 Minuten
Uraufführung: 8.11.2009, Festival Klangwerkstatt Berlin
Ensemble Junge Musik
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Dauer: 14 Minuten
Masken für Schlagzeuger und Streichtrio
(2010)
Uraufführung: 11.6.2010, Winterthur
Matthias Würsch, quatuor antipodes
Dauer: 7 Minuten
Rezitativ und Arie für Claves und 12
Streicher (2010)
Uraufführung: 10.10.2010 Dresden-Hellerau (Festival
"Tonlagen")
Dirk Rothbrust, Claves
Ensemble Resonanz
Dauer: 11 Minuten
Umbau 2
(aus: "Das Konvolut, Vol. 3") musique
concrète (2010)
Uraufführung: 28.11..2010 Berlin, Festkonzert der Berliner
Gesellschaft für Neue Musik
Dauer: 6 Minuten
...irgendwie eine Art Erzählung... für
Orchester
Besetzung: 3 Fl. (auch Picc.), 3 Kl. , 1 Bass-Kl., 3 Fg. (auch
Kontra-Fg.)
4 Trpt., 4 Hrn., 3 Pos., 1Tb.
4 Schlgzg., 2 Hrf., Klavier, Celesta, Akkordeon
9 Vln.I, 9 Vln.II, 6 Va., 6 Vc., 4 Kb.
Dauer: 15 Minuten
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Das
Konvolut, Vol.2(für 1 Sängerin, 1
Sänger, 1 Sprecherin, 2 Sprecher, Flöte, Violine,
Klavier, 2 Schlagzeuger und Zuspielungen)
(2002/2011)
(Es handelt
sich hier um eine vollständige Neukomposition (ausser
2.Studie) des gleichnamigen Werkes von 2002)
bestehend aus:
-1.Studie (musique concrète begleitet
von Flöte, Violine und Klavier)
-2.Studie
(für 1 Sprecher, 1 Sprecherin, Flöte,
Violine, Klavier 2 Schlagzeuger und Zuspielung)
UA:
15.6.2002, Berlin("Ensemble Zwischentöne")
-3.Studie
(für 1 Sängerin, 1 Sänger, 1 Sprecherin, 2 Sprecher
und Zuspielung)
-4.Studie
(für einen Sprecher)
-5.Studie (musique concrète)
Dauer: 16 Minuten
Das
Konvolut, Vol.3 (La Didone abbandonata) (für
Mezzosopran, Bariton, Sprecherin, 2 Sprecher, Kammerensemble* und
Zuspielungen)
"Konvolut"-Trailer auf YouTube
bestehend aus:
-Umbau 2 (musique concrète)
-La Didone abbandonata (Dramma per musica) (für Mezzosopran, Bariton, Kammerensemble* und Zuspielungen)
-3 Episoden (Ein Hörspiel für 1 Sprecherin, 2 Sprecher und Zuspielung)
Dauer: 20 Minuten
*Kammerensemble in "La Didone abbandonata": Piccolo-Flöte, Klarinette (auch
Bass-Kl.), Posaune, Akkordeon, 2 Schlagzeuger, 2 Violinen, Viola, Violoncello und Dirigent.
(Damit ist das Konvolut-Projekt mit den Volumina 1-4 abgeschlossen)
Es handelt sich um ein formal offen angelegtes
Musiktheater-Projektes, das Kafkas Text "Beschreibung eines
Kampfes" zur Grundlage hat. Dabei handelt es sich freilich
nicht um eine Dramatisierung der Erzählung, sondern um eine
freie musikdramatische Reaktion auf die Lektüre des Textes -
wie ein Spaziergang nach der Lektüre, bei dem das Klima des
Textes sowie einzelne Bilder und sprachliche Klänge im Kopf
des Lesers zu wuchern beginnen. Das Projekt als Ganzes
besteht nicht aus einer in sich geschlossenen Partitur, sondern
aus einem Konvolut verschiedener Aufzeichnungsformen. Die Form des
Konvoluts ermöglicht die Koexistenz in sich geschlossener und
konventionell notierter Kompositionen mit Konzept-Stücken,
Verbalpartituren, Tonbandmusik, Sprachkomposition und theatralen
Improvisationsansätzen. Neben der Möglichkeit einer
musiktheatralen Gesamtaufführung kann man die
verschiedensten Materialien auch in kleinerer Auswahl zu
Aufführungsversionen mit dem Titel "Bruchstücke
aus 'Beschreibung eines Kampfes' nach Franz Kafka"
montieren. Außerdem enthält das Konvolut in sich
geschlossene Kompositionen, die auch einzeln aufführbar sind,
wie zum Beispiel Tonbandkompositionen, Solo-Stücke
und diverse Mischformen.
Spieler A ist Akkordeonspieler, sein Part wurde
für Teodoro Anzellotti geschrieben, und Spieler B ist
Schauspieler, sein Part entstand für Robert Podlesny.
Die beiden Parts sind bis auf wenige Koordinationspunkte nicht
miteinander synchronisiert. In getrennten Stimmen entspricht
die Notation der jeweiligen Profession des Spielers: Der
Musikerpart ist in traditioneller Notenschrift fixiert,
während der Part des Schauspielers aus einer kleinen Sammlung
von verbalen Regieanweisungen und Texten besteht.
Durch die Besetzung der beiden Spielerparts mit einem Musiker und
einem Schauspieler werden die Elemente von Theater und Musik
voneinander getrennt miteinander konfrontiert.
Dementsprechend unterschiedlich ist die Funktion des Akkordeons
für die beiden Spieler. Der Musiker benützt es
ausschließlich als Musikinstrument, während der
Schauspieler durch die Übersetzung seiner eigenen
Atemvorgänge mit dem Blasebalg des Akkordeons das Instrument
zur Verlängerung und Vergrößerung des Körpers
benützt. Im Zusammenspiel beider Ausführender entsteht
so eine musikalische Szene, die zwar kein ausgesprochenes
Musiktheater ist, da eine dezidiert optische Komponente fehlt, die
aber über die Ausdrucksbereiche reiner Instrumentalmusik
hinausgeht. Auch die quasi szenische Konstellation(die Spieler
sitzen Rücken an Rücken) bewirkt, daß die Parts
gewissermaßen ihre Charaktere aufeinander abfärben.
"Hirngespinste" hat als poetischen Ausgangspunkt eine
Art Schlafsituation. Dies ist freilich nur ein vager Bezugspunkt,
von dem aus sich ein Gespinst von musikalischen Assoziationsketten
entwickelt. Dem Prinzip der Assoziationskette entsprechend
verzichtet die Komposition auf ein stringentes, logisch
geschlossenes Material. Der Kornpositionsprozeß
ähnelte zeitweise dem auf dem Gebiet der Literatur von den
Surrealisten betriebenen "automatischen Schreiben".
Darüberhinaus entstand die Kompositon gewissermaßen in
mehreren Anläufen, indem die zuerst geschriebenen Fragmente
fotokopiert, als Versatzstücke neu zusammengesetzt und
schließlich mit weiterem Material überschrieben wurden.
Das sprachliche Material des Schauspielers entstand in einem
ähnlichen Prozeß einer Verdichtung in mehreren
Anläufen.
So unterschiedlich, ja geradezu gegensätzlich die Parts der
beiden Spieler in Struktur und Material auch sind, könnten
sie zu einer einzigen szenischen Figur zusammenwachsen, die sie
gewissermaßen in verschiedenen Schichten darstellen.
"Hirngespinste" wurde von der internationalen Jury für
die Weltmusiktage in Manchester 1998 ausgewählt.
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In "Dialog für 2 Sprecher,Klänge und
Gegenstände" (1997) mischen sich Elemente von
Sprachkomposition, musique concrète, Klanginstallation und
Performance. Allerdings laufen diese Ebenen nicht unabhängig
nebeneinanderher, sondern sind in das Beziehungsgeflecht der
übergeordneten musikalischen Komposition eingebunden.
Die Parts der beiden Sprecher in "Dialog" etablieren
keine Sprache, die inhaltlich entschlüsselt werden will.
Andererseits handelt es sich aber auch genausowenig um eine von
Semantik freie abstrakte Lautpoesie.Sie ist eine
Sprach-Klanglandschaft voller gleichsam frei schwebender
semantischer Felder in einem nicht semantischen
phonetisch-musikalischen Zusammenhang. Die Assoziationsräume,
die auf der semantischen Ebene erschlossen werden, werden nicht
nur durch einige Wortsplitter, Worte und Satzteile erzeugt,
die man momentan versteht,oder auch nur zu verstehen glaubt,
sondern es entstehen punktuell auch Splitter konkreter
Gesprächssituationen, sowie Sprechweisen, die psychische
Befindlichkeiten suggerieren und somit eine semantische Ebene
unterhalb der Wortbedeutungen etablieren.
Die im Untertitel - "für 2 Sprecher,Klänge und
Gegenstände" - lapidar mit "Klänge" bezeichnete
Ebene besteht aus einer Installation von drei kleinen
Kassettenrecordern und einem Luftmikrophon. Für die
Klänge auf den Kassetten gilt im Grunde das Gleiche wie
für die Sprache: Sie schwanken zwischen konkreter
Erkennbarkeit (und damit einer latenten Semantik) und einer rein
musikalisch-strukturellen Erscheinung. Das Klanggeflecht der
Kassettenrecorder bildet ein quasi "orchestrales" Netz, in das
sich die Solostimmen der Sprecher verweben.
"Passagen /Szenen" entstand 1997 im Auftrag des Ensembles
Musica Temporale und wurde bei den Dresdner Tagen für
zeitgenössische Musik 1998 uraufgeführt. Der
kompositorische Prozeß glich in etwa einer
Assoziationskette. Es existierte zu Beginn der Komposition
keinerlei (etwa im Sinne serieller Prinzipien)
präkomponiertes Material, das dem ganzen Stück zugrunde
liegen würde. Vielmehr entstand das Material beim Komponieren
fast wie bei einer Improvisation. Für kurze Zeit wurden
gewisse formale Richtlinien festgelegt, die dann aber wenige
Seiten später wieder aufgegeben und durch andere ersetzt
wurden. So spiegelt der Verlauf des Stückes den
Kompositionsprozeß selbst wieder . Innerhalb der
traditionell notierten Partitur gibt es immer wieder die mit
Szene überschriebenen Blätter, welche die
tradtionell ausnotierten Passagen immer wieder unterbrechen. Die
Szenen enthalten kurze verbale Spielanweisungen, die
musikalische Einheiten evozieren, die in ihrer Bildhaftigkeit,
oder in ihren psychologischen oder quasi naturalistischen
Assoziationsfeldern über die Möglichkeiten der
traditionellen Notation hinausgehen.
Es handelt sich dabei keineswegs um Improvisationen. Die knappen
verbalen Anweisungen sollen in möglichst präzise
umrissene musikalische Bilder übersetzt werden. So kann die
paradoxe Wirkung entstehen, daß die streng und
traditionell notierten Passagen zuweilen einen quasi
improvisatorischen Eindruck vermitteln, während den nur
verbal definierten Szenen eine gewisse Strenge eignet.
Der Titel "Le carnet d'esquisse" hat einen anekdotischen
und einen strukturellen Hintergrund. Er entstand, nachdem ich auf
der Suche nach einem Notizbuch für meine konzeptionellen
Gedanken und Entwürfe zu dem Stück auf eines
gestoßen bin, das ich ein paar Jahre zuvor gekauft
hatte: Auf seinem Cover waren die Worte "Le carnet
d'esquisse" gedruckt. Interessant wurde für mich dies
freilich nur dadurch, daß ich mir bis dahin tatsächlich
die Struktur des Stückes als eine Art Skizzenbuch vorstellte.
Diese Koinzidenz ersparte mir diesmal die sonst manchmal etwas
quälende Titelsuche schon im Vorfeld der Komposition.
Es existiert keine den zeitlichen Verlauf des Stückes
synchronisierende Partitur, sondern eine Sammlung von Skizzen ,
das sind kurze Soli und Duos, für jeden Instrumentalisten.
Diese Skizzen laufen aber nicht gänzlich isoliert
nebeneinander her, sondern es gibt ein System von
Verknüpfungspunkten, nach welchem die Musiker sich durch das
gegenseitige Geben von Einsätzen den Ablauf regeln.
Zu Beginn jeder Skizze ist angegeben, von welchem Spieler
der Einsatz dafür kommt. Innerhalb der Skizzen sind die
Stellen markiert, an denen der Spieler einem anderen Spieler einen
Einsatz geben muß.
Für jedes Instrument gibt es ferner ein Blatt mit dem Titel
"tabula rasa", das kurze verbale Anweisungen enthält."Tabula
rasa" bezeichnet eine minimale musikalische Aktivität,
die der Spieler immer dann ausführen kann, wenn er gerade
nicht mit dem Spielen seiner Skizzen beschäftigt ist .
Sie ist gewissermaßen der musikalische Ruhezustand des
Spielers. Ihre musikalische Funktion innerhalb des Stückes
ist es, die unterschiedlichen Skizzen in ein gemeinsames
"Klima" einzubinden.
Die für das Ensemble "TrioLog" geschriebene Komposition
entstand in zwei Anläufen: Für die Uraufführung in
Barcelona schrieb ich eine Quartettversion für
Klarinette, Cello, Klavier und Schlagzeug. Die in München
uraufgeführte Sextettversion enthält ferner ein
Duo für Piccoloflöte und Violine, das seinerseits aus
fünf Skizzen besteht.
Im Jahr 1996 wurde meine "Improvisation für Celesta"
in
Glasgow in einer von mir damals autorisierten Version für
Klavier uraufgeführt. Außer einer grundsätzlichen
Nivellierung der dynamischen Werte und ihre Reduzierung auf den
p-ppp- Bereich, um den massiven Klavierklang dem Charakter der
Celesta ein wenig anzugleichen, blieb die Komposition in jener
"Version für Klavier" unverändert. Im Nachhinein
erschien mir freilich die Autorisierung der Klavierversion als
leichtfertig, da die Klanglichkeit des Stückes ganz auf die
der Celesta bei der Komposition "ausgehört" war und somit die
Wirkung des Stückes unter einer Aufführung mit Klavier
deutlichen Schaden nimmt. Dennoch erschienen mir eine ganze Reihe
von Passagen dieser Komposition als durchaus "klaviertauglich",
und so geisterten diese durch die Klavierparts zweier
Kammermusikstücke, dem im Auftrag des Deutschlandradios
komponierten Klavierlied "Septembersommer" und der
Ensemblekomposition "Passagen/Szenen".
Der Wunsch diese Bruchstücke aus dem Celestastück
schließlich einmal auch in einem veritablen
Klavierstück zu verwenden, war indes weiterhin immer
wieder präsent. Gleichzeitig fiel mir auf, daß es auch
eine Reihe "klaviertauglicher" Stellen in meinem
Akkordeonstück "Hirngespinste" gibt, sowie
Passagen in den Klavierparts größer besetzter
Kammermusikstücke, die ihrerseits auch solistisch gespielt
werden könnten. So komponierte ich aus Elementen aller dieser
unterschiedlichen Quellen schließlich das Klavierstück
"Bastard" .
"Bastard" ist also - salopp formuliert - gewissermassen aus
meinen eigenen Stücken "zusammengeklaut". Dennoch ist
keine "Collage" aus verschiedenen Versatzstücken
entstanden, sondern eine vollkommen eigenständige
Komposition , mit einer durch die Neu-Komposition der diversen
Elemente ganz autonomen musikalischen Dramaturgie, die den
kontrastierenden Kräften des Stückes eine
Geschlossenheit verleiht.
Der Kompositionsprozeß an "Bastard" ist
möglicherweise nicht abgeschlossen. Er kann jederzeit
weiterwuchern bis zu einem großformatigem Klavierwerk. Auch
in diesem Fall würde dann die vorliegende Fassung nicht
verworfen werden, sondern als ein erstes Stadium der Arbeit,
gewissermaßen als "Urfassung" weiterexistieren.
Schließlich wuchert "Bastard" auch noch
in andere Arbeiten hinein. Durch die Neuverwertung und
Transformation von Elementen vorhandener Stücke in anderen
Kompositionen hat sich allmählich zwischen fast allen
Instrumentalkompositionen der letzten Jahre ein dichtes Netz von
Beziehungen und Querverweisen entwickelt, das über das
Element des Selbstzitats hinausgeht. So finden sich vereinzelte
Materialien aus "Bastard" in transformierter und
orchestrierter Form auch in meiner Oper "Das stille
Zimmer" wieder.
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Stücke ab 2003
Trio 1
für Klarinette, Violine und Violoncello (1999)
Wichtiger Ausgangspunkt für das "Trio" war das
Material des Sextetts "Le carnet d'esquisse" , welches aus
"Skizzen" besteht, die von vorneherein so angelegt waren,
daß sie Materialbasis für weitere Kompositionen werden
können. Auch die Oper "Das stille Zimmer"
bedient sich gelegentlich aus diesem Pool.
Das "Trio" selbst ist eine etwa 8
minütige Komposition mit einer schlichten antiphonischen
Struktur, die sich aus der Konfrontation dreier kontrastierender
Satztypen ergibt, denen jeweils deutlich voneinander getrennte
Ausdrucksbereiche und formale Funktionen zugeordnet sind . Durch
die Konfrontation der Elemente dieser drei Ebenen
entstehen verschiedene innere Entwicklungen, Konflikte und
Spannungsverläufe in einem offenen musikalischen
Feld - wie in einer Art
"Gesprächssituation" zwischen drei musikalischen Subjekten.
Duo
für 2 Spieler und Tonband (2000)
Rezitativ und Arie für Claves und 12
Streicher (2010)
Uraufführung: 10.10.2010 Dresden-Hellerau (Festival
"Tonlagen")
Dirk Rothbrust, Claves
Ensemble Resonanz
Dauer: 11 Minuten
”Rezitativ und Arie” basiert auf einer Komposition gleichen Titels für zwei Theremine, Klavier, Violine, Cello und Claves aus dem Jahr 2006. Dennoch handelt es sich bei der vorliegenden Komposition für Claves und 12 Streicher keineswegs nur um eine Bearbeitung im Sinne eines Arrangements für eine andere Besetzung. Auch wenn Grundzüge, Motive und Abläufe aus dem alten Stück deutlich wiedererkennbar bleiben, so handelt es sich doch um eine grundlegende Neukonzeption des Stückes in ästhetischer, struktureller, klanglicher und auch dramaturgischer Hinsicht. Am augenscheinlichsten offenbart sich diese Neukonzeption in der Tatsache, das die ursprünglich etwa 7 minütige Komposition zu einer Dauer von ca. 11 Minuten angewachsen ist. Die deutlich grössere Besetzung schien mir eine größere strukturelle Vielfalt, die Einführung neuer motivischer Elemente und damit auch zeitlich mehr Raum zu erfordern.
Anders als es der Titel "Rezitativ und Arie" suggeriert, besteht das Stück nicht aus zwei separaten Teilen - einem rezitativischen und einem ariosen - sondern es ist gewissermaßen Rezitativ und Arie gleichzeitig. Rezitativisch gedachte Instrumentalgesten und arios-melodische Strukturen durchdringen sich in mosaikartigen Fragmentierungen, so daß die Elemente stets in der Schwebe bleiben zwischen ihrer Zugehörigkeit zu Rezitativ, Arie, oder auch zu deren Begleitung. Außerdem wird das Format "Rezitativ und Arie" dadurch verschleiert, daß es unter den Streichern keinen Solisten gibt, sondern die melodiösen Strukturen in quasi "durchbrochener Arbeit" zum Teil sehr punktuell auf das ganze Solisten-Ensemble verteilt werden. So ergibt sich trotz eines über weite Strecken monodisch gedachten Grundmaterials ein unterschiedlich dichtes Gewebe aus punktuellen Gesten, Echos, Verräumlichungen und Fragmentierungen, das den musikalischen Satz häufig in einem fragilen Zustand zwischen Monodie und Polyphonie schwanken lässt.
Eine Sonderstellung nimmt der Claves-Part ein, dessen solistische Position konterkariert wird durch die in der Natur seines Instrumentes liegende extreme Reduktion des ihm zur Verfügung stehenden klanglichen Materials. Dennoch gibt es auch in seinem Part quasi “melodiös gedachte” Passagen, hinter denen teils ariose, teils rezitativische Gesten stehen. Zudem kann der Claves-Spieler auch noch Dirigentenfunktionen übernehmen.
Eine Oper nach, über und für Ernst Herbeck
Es geht hier nicht um die Darstellung eines klinischen
Befundes ("Schizophrenie") und schon gar nicht um die Darstellung
der Psychiatrie oder um Kritik an ihr. Der schizophrene Dichter
soll hier stellvertretend stehen für die menschliche Existenz
in einer unbewältigten und entfremdeten Welt. Die Welt wird
in nicht mehr vereinbaren Trümmern und Splittern wahrgenommen
und dargestellt. So ist auch die "Handlung" dieser Oper
nicht diskursiv, sondern ein breites Assoziationsfeld, das in
seiner Bildhaftigkeit und Struktur der Logik des Traumes
ähnelt. Ein Ereignisfeld in Assoziationsketten mit dem
Bilder- und Figureninventar aus Herbecks Texten, welches
häufig das Inventar der Märchen und Kinderlieder
ist, aber auch zeitgenössische Angst- und Sehnsuchtmetaphern
enthält. Die Oper als die Kunstform mit dem
größten Reservoir sinnlich-emotionaler Mittel vermag
reicher und umfassender als andere Kunstformen Innenwelten
abzubilden und neu zu schaffen. So versucht sie hier das ungeheure
assoziative Potential der scheinbar kargen Lyrik eines Ernst
Herbeck zu einem gleichermaßen subjektiven wie allgemeinen
Bild von der Welt umformen.
Dieses assoziative Ereignisfeld wird kontrastiert durch ein immer
wiederkehrendes Bild -"Das stille Zimmer" : Ein einfacher
Holztisch in der Mitte der ansonsten verdunkelten Bühne. Zwei
Männer sitzen sich gegenüber. Eine
Sprach/Klanglandschaft aus ihren Worten, sparsamen konkreten
Klängen vom Tonband . Es ist ein auf zwei Bühnenfiguren
aufgespaltener innerer Monolog , ein Bild des Dichtens als
existentieller Vorgang.
Der Wechsel der beiden Ebenen ("Das stille Zimmer" einerseits und
die "opernhaft" großformatigen assoziativen Szenen
andererseits) ist ein Perspektivenwechsel: Einmal blicken wir
auf einen Menschen im Zustand eines speziellen gedanklichen
Prozesses , das andere Mal sehen wir in ihn herein, sehen seinen
Blick auf die Welt mit unseren Augen.
Die Männer (Schauspieler):
Der Partzifall
Der Blindgänger
Der Pfadfinder
Der mit der Wunde
Der Zwergk
Die Frauen( Sängerinnen):
(in den Ensemble-Szenen nur mit
1 - 5 bezeichnet)
Das stille Kind - Hoher Sopran
Die Braut - Sopran
Die Sphinx - Sopran
Der Engel - Mezzosopran
Die Mutter - Alt
Das Orchester:
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zur Oper
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Stücke ab 2003
1.Bild : Der Morgen - die
wilden Küsse der Bubenjugend.
(Die Männer, die Frauen, Orchester)
-Der Zaubergarten
-Der morgengraue Tag
-Das Leben ist schön
-In einer Stadt Trumau
-Der Tod in der Schule als Mädel
-Aufruhr
-Weltuntergang 1
2.Bild : Das stille Zimmer - die
Worte, die Mauern.
(Sprecher 1 , Sprecher 2, Tonband )
3.Bild : Der Mittag - der
Vulkan, das Leben der Berge.
(Die Männer, die Frauen, Orchester)
-Verlautbarungen und Pegelstände
-Dort in dem dunklen Wald
-Gespräch über Farben
-Fröhliche Wörter (Ein gedämpftes Saitenspiel)
-Der Einzellne ist auch ein Elefant.
-Die Männer weisen das Leben ab.
-Weltuntergang 2
4.Bild : Das stille Zimmer - der
Abgrund.
(Sprecher 1 , Sprecher 2, Tonband )
5.Bild : Der Abend - die Welt
geht unter, der Arzt geht heim.
(Die Männer, die Frauen, Orchester)
-Lied an den Mond
-Ein Anflug von Traurigkeit
-Schwarz ist auch dunkel
-Eine Danksagung
-Weltuntergang 3
Epilog: Das stille Zimmer - die
Nacht.
(Sprecher 1 , Sprecher 2, Tonband )
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Neue
Stücke ab 2003
Die Anfrage von Roland Quitt, ob ich für das Theater
Bielefeld eine Oper schreiben wolle, erreichte mich in einem
dafür denkbar günstigen Moment: Meine kompositorische
Arbeit war seit jeher stark geprägt von
grenzüberschreitenden Elementen, die Sprache und Szene in die
kompositorische Arbeit zu integrieren suchten.Es war für mich
daher fast schon höchste Zeit, mich auch einmal dieser
Großform zuzuwenden, zumal auch die traditionelle Oper
auf mich schon seit meiner Kindheit eine außerordentliche
Faszination ausgeübt hatte. Mir fehlte bis dahin allerdings
sowohl der Mut als auch der Anlaß , die Kluft zwischen
meiner privaten Opernbegeisterung und den avancierteren
Mitteln meiner kompositorischen Entwicklung zu
überbrücken. Den Auftrag aus Bielefeld deutete ich als
Aufforderung, mich um diese Aufgabe nicht mehr länger
herumzudrücken. So stand für mich auch von Anfang an
fest, daß die formale und ästhetische Perspektive
für das neue Werk so ausgerichtet sein muß, das es sich
nicht mit der unverbindlicheren Begriff eines "experimentellen
Musiktheaters" definieren lässt, sondern den Gattungsbegriff
"Oper" in durchaus emphatischen Sinn annimmt.
Dabei war es für mich aber gleichzeitig
selbstverständlich, daß das explizite Bekenntnis zur
Gattungstradition der Oper nicht bedeuten konnte, sich nur der
traditionellen Mittel der Oper zu bedienen, sondern im Gegenteil:
daß auch die Erfahrungen grenzüberschreitender
Musiktheaterformen, die meine bisherige Arbeiten mitgeprägt
hatten, gleichberechtigt neben traditionellen Elementen in die
Oper integriert werden. So sind Gattungselemente von
Hörspiel, Schauspiel, musique concrète,
Sprachkomposition, Performance und Installation kontrapunktierend
zur Komposition für Singstimmen und Orchester in die
Großform der Oper "Das stille Zimmer"
eingewoben.
Dieser formalen Konzeption entsprechend entschied ich mich, bei
der Wahl des Stoffes nicht von einer geschlossenen dramatischen
Vorlage auszugehen, sondern das Libretto als lockeres Gerüst
anzulegen, das im Lauf der Arbeit daran und mit seiner
Konkretisierung durch Komposition und Inszenierung zu einem immer
dichteren Geflecht von Bezügen und
Bedeutungszusammenhängen zusammenwachsen sollte. So
wählte ich Texte (vorwiegend Gedichte) des "schizophrenen"
österreichischen Dichters Ernst Herbeck als alleiniges
Material zur Kompilation des Librettos aus.
Der schizophrene Dichter soll hier stellvertretend stehen für die menschliche Existenz in einer unbewältigten und entfremdeten Welt. Die Welt wird in nicht mehr vereinbaren Trümmern und Splittern wahrgenommen und dargestellt. So ist auch die "Handlung" dieser Oper nicht diskursiv, sondern ein breites Assoziationsfeld, das in seiner Bildhaftigkeit und Struktur der Logik des Traumes ähnelt. Ein Ereignisfeld in Assoziationsketten mit dem Bilder- und Figureninventar aus Herbecks Texten, welches häufig das Inventar der Märchen und Kinderlieder ist, aber auch zeitgenössische Angst- und Sehnsuchtmetaphern enthält. Die Oper als die Kunstform mit dem größten Reservoir sinnlich-emotionaler Mittel vermag reicher und umfassender als andere Kunstformen Innenwelten abzubilden und neu zu schaffen. So versucht sie hier das ungeheure assoziative Potential der scheinbar kargen Lyrik eines Ernst Herbeck zu einem gleichermaßen subjektiven wie allgemeinen Bild von der Welt umformen.
Dieses assoziative Ereignisfeld wird kontrastiert durch ein immer
wiederkehrendes Bild -"Das stille Zimmer" : Ein einfacher
Holztisch, zwei Männer sitzen sich gegenüber. Eine
Sprach/Klanglandschaft aus ihren Worten, sparsamen konkreten
Klängen vom Tonband . Eine Person spricht mit sich selbst: es
ist keine biographische Darstellung Ernst Herbecks als
Bühnenfigur, auch wenn die Assoziation dieser beiden
Männer am Tisch mit Herbeck und seinem Arzt Navratil
nahezuliegen scheint. Es ist vielmehr ein auf zwei
Bühnenfiguren aufgespaltener innerer Monolog , ein Bild des
Dichtens als existentieller Vorgang.
Der Wechsel der beiden Ebenen ("Das stille Zimmer" einerseits und
die "opernhaft" großformatigen assoziativen Szenen
andererseits) ist ein Perspektivenwechsel: Einmal blicken wir
auf einen Menschen im Zustand eines speziellen gedanklichen
Prozesses , das andere Mal sehen wir in ihn herein, sehen seinen
Blick auf die Welt mit unseren Augen.
Ich ordnete die Texte als Folgen von Assoziationsketten an, sodaß sich grobe thematische Felder ergaben, die den Nukleus für die später zu entwickelnde Bühnenhandlung bilden. Dann verteilte ich die Texte auf ein Ensemble von fünf Männern und fünf Frauen. Die Rollennamen der fünf Männer -Der Blindgänger , der Pfadfinder , der Partzifall , der mit der Wunde und der Zwergk - und der fünf Frauen - Das stille Kind , die Braut , der Engel , die Sphinx und die Mutter - entstammen ebenfalls dem Wortinventar von Herbecks Texten. Nach der Textmontage wurden die Texte auf die Rollen so verteilt, daß sich durch die Zuordnung schon gewisse charakteristische Züge für jede Rolle ergaben.
Die unterschiedliche Herkunft der ästhetischen Mittel
zeitigte eine etwas ungewöhnliche kompositorische Anlage, die
durch die Koexistenz von drei grundsätzlich verschiedenen und
weitgehend voneinander unabhängigen Ebenen der Notation
gekennzeichnet ist:
Da gibt es zum Einen die in der Partitur traditionell notierte
Ebene der Komposition für die Singstimmen und das Orchester.
Dem steht zum Zweiten eine fast autonom existierende
"Hörspiel-Ebene" gegenüber, die in der Partitur nur in
Form von Einsätzen einzelner Takes erscheint, die als
vorproduzierte Tonbandkomposition aber in akustischer Form
vollkommen determiniert ist.
Die dritte Ebene schließlich besteht aus den
musikalisch-sprachlichen und szenischen Aktivitäten der
fünf Schauspieler, die in der Partitur nur durch den Wortlaut
ihrer Texte dokumentiert sind. Sie wird im Rahmen der
Uraufführungsinszenierung während der Proben in Form
diverser Musikalisierungen der Sprache, sowie zusätzlicher
akustischer Aktivitäten als Teil der Inszenierung
weiterentwickelt.
Die Kunstform Oper wird hier also sowohl in ihrer eigenen
Gattungstradition begriffen, wie auch als ein offenes Feld
behandelt, das Elemente aller möglichen Gattungen und Formen
in sich bergen kann. Sie ist darin in gewisser Weise dem Roman
verwandt, der seinerseits die verschiedensten literarischen Formen
(z.B. Gedichte, Briefe, Binnenerzählungen usw.) in seine
Großform integrieren kann.
Innerhalb der in der Partitur fixierten Ebene der Komposition
für Singstimmen und Orchester sind ebenfalls verschiedene
Bezüge zu anderen musikalischen Gattungen eingearbeitet. Die
Tatsache, daß es sich bei dem Libretto weitgehend um eine
Montage von Gedichten handelt, führte zu der naheliegenden
Etablierung einer fragmentarischen, durchbrochenen Schicht eines
imaginären Liederzyklus. Die Bezüge zur Gattung des
Klavierliedes finden dabei in verschiedenen Graden der
Verfremdung, der Aufspaltung oder Wucherung statt. So gibt
es etwa in der Mitte der Oper, wenn Herbecks Paraphrase des
"Heideröslein" zitiert wird - sozusagen als Klavierlied in
Reinkultur - eine Komposition für eine Singstimme und
Klavier. An anderer Stelle gibt es als einfachste Form der
"Wucherung" zwei Singstimmen mit vierhändig gespieltem
Klavier. An wieder anderen Stellen wird die Klangfarbe des
Klaviers aufgespalten in die klanglich verwandten Farben Harfe,
Celesta und Klavier , oder auch in alle Saiteninstrumente des
Orchesters. Die Singstimme erfährt dabei verschiedene
Aufspaltungen bis zur Verfünffachung und bis zur
Kombination mit den Sprechstimmen.
Diese Schicht wiederum sorgt zwangsläufig für eine
Sonderstellung des Klaviers innerhalb des Orchestersatzes bis hin
zu solistischer Dominanz. Dadurch wird in einer Art
kompositorischer Kettenreaktion die Assoziation zu einer weiteren
Gattungstradition hergestellt, - der des Instrumentalkonzerts: So
bricht an verschiedenen Stellen der Oper die gleichsam
verschüttete Schicht eines imaginären Klavierkonzertes
durch, in das sich die Oper für Momente zu verwandeln
scheint.
Hieraus wird deutlich, daß die Orchesterbehandlung in der
Oper "Das stille Zimmer" keineswegs homogen ist. Das Orchester
wird nicht so sehr als massenhafter "Klangkörper" behandelt,
sondern vielmehr als ein Pool von Möglichkeiten für
verschiedenste Besetzungskombinationen , die einerseits eine
Vielfalt von Bezügen zu verschiedenen Gattungen und Formen
(von der großen Oper bis zur solistischen Kammermusik)
herstellen, deren Disposition andererseits die formale Architektur
transparent zu machen hilft.
Diese Architektur wiederum hat die Aufgabe, die Disparatheit des zugrundeliegenden Textmaterials und das Chaos der verschiedenen Gattungselemente formal zu bändigen und inhaltlich zu ordnen. In der Großform der Oper waltet schlichte Symmetrie:
Auch die Besetzung der zehn Solisten ist durch ein besonders
auffälliges Mittel der Formalisierung gekennzeichnet:
Alle Männerpartien sind Sprechrollen , alle Frauenstimmen
werden als Gesangspartien ausgeführt.
Auf der inhaltlichen Ebene manifestiert diese markante Trennung
der Besetzung das höchst ambivalente Verhältnis
Ernst Herbecks zu Frauen, das aus vielen seiner Texte spricht.
Eine seiner zentrale Wahnvorstellung war, daß ein
Mädchen oder eine Frau, die in ihn verliebt sei, ihn
"fernlenkt" und durch ihre Stimme und andere Zeichen Befehle
erteilt.
Die fünf Männer tragen den Großteil der Textebene
. Durch sie dringen sowohl Anteile des traditionellen
Sprechtheaters, als auch experimentelle Formen der
Sprachkomposition in die Oper ein.
Die fünf Frauen sind merkwürdig distanzierte
archetypische Projektionen und damit typische
Operngestalten, die mehr als alle anderen Elemente dieses
Stückes die Gattungstradition der Oper repräsentieren.
Es wird allenthalben - zum Teil mit Verwunderung - festgestellt,
daß bei der jüngeren Komponistengeneration "wieder" ein
größeres Interesse an der Oper besteht, da so viele
neue Opern entstehen, wie schon lange nicht mehr. Ich denke,
daß die verstärkte Produktion neuer Oper in erster
Linie mit der wachsenden Bereitschaft der Opernhäuser zu tun
hat, Kompositionsaufträge zu erteilen, ohne die die
Komponisten sich an solche Großprojekte kaum heranwagen
könnten. Das künstlerische Interesse war sicherlich
immer latent vorhanden, stellt die Oper doch nach wie vor die
größte Herausforderung für einen Komponisten dar:
Die Oper ist die umfassenste Kunstform überhaupt. Sie hat die
Möglichkeit, sämtliche Künste in einem Projekt zu
integrieren und ist mit ihrem kaum auszuschöpfenden Potential
sinnlich-ästhetischer und formaler Mittel in kompositorischer
Hinsicht die Großform schlechthin . Daher wird sie sich den
diversen kompositionsästhetischen Wandlungen entsprechend in
immer neuen Formen und Ausprägungen weiterentwickeln
und damit ihre künstlerische Legitimation bewahren.
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Stücke ab 2003
Foto: M.Stutte
Sprecher 1: Robert Podlesny
Sprecher 2: Rainer Homann
Der Partzifall : Robert Podlesny
Der Blindgänger: Michael Günther
Der Pfadfinder: Helmuth Westhausser
Der mit der Wunde: Johannes R. Voelkel
Der Zwergk: Rainer Homann
Das stille Kind: Deborah Lynn Cole
Die Braut: Cornelie Isenbürger
Die Sphinx: Annina Papazian
Der Engel: Moijca Vedernjak
Die Mutter: Vera Ilieva
Die Bielefelder Philharmoniker. Musikalische
Leitung: Geoffrey Moull
Inszenierung: Michael Hirsch
Dramaturgie: Roland Quitt
Bühne und Kostüme: Sandra Meurer
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Neue
Stücke ab 2003
Michael Hirschs Oper "Das stille Zimmer", das als
Auftragswerk des Theaters Bielefeld seine überaus
beeindruckende Uraufführung in der Regie des Komponisten
erlebte, vereinigte die Widersprüchlichkeiten zwischen
Herbecks zarter Lyrik (...) und der Brutalität seines
Scheiterns im normalen Leben in geradezu genialer Weise.(...) Der
bedrückend skurillen Sprachlosigkeit steht eine reiche
Phantasiewelt des Kranken gegenüber. Sie entfaltet sich - von
fünf Schauspielern in schwarz und fünf
Sängerinnen in weiß in Szene gesetzt - auf einer
Drehbühne mit fünf Schrägen, die durch vier schmale
Gassen voneinander getrennt sind. Alle und alles scheinen
ständig in Bewegung in diesen Erinnerungen an Kinderspiele
des "Pfadfinders", "Blindgängers", "Zwergks" und des
"Partzifalls" mit seinem Spielzeugschwan - dem reinen Toren, der
sich als Fremdkörper empfindet in der schrillen Realität
von Mutter, Schwester, Braut.
Hirsch ist mit seinen hochsensiblen Kompositionen auf den
wichtigen Festivals Neuer Musik zwischen Donaueschingen und Witten
bekannt geworden (...). Die Dialogszenen untermalt er mit
Geräuschen und Klängen vom Tonband, stattet die
Phantasieszenen mit ausdrucksstarker, dissonanter Orchestermusik
aus, in der er Lyrismen von Harfe, Flöten und Streichern mit
einem großen Schlagwerkapparat konterkariert.(...)
Marieluise Jeischko, "Klassik
keute" ,Juli 2000
Wo der Alltag sich dem Abgrund nähert.
Fünf sprechende Männer in schwarz, fünf singende
Frauen in Weiß, ein imposantes Bühnenbild, eine
Ansammlung hübscher Requisiten - und eine "Musik" aus dem
Grenzbereich von Sprache, Geräuschen und instrumentellen
Tönen.
Das alles kann eine spannungsreiche moderne Oper ergeben, wie "Das
stille
Zimmer" von Michael Hirsch zeigt. Die Uraufführung des
Auftragswerks in der inszenierung des Komponisten fand jetzt im
Bielefelder Theater gebannte Aufmerksamkeit und viel freundlichen
Beifall.
Ein geglücktes Experiment, denn der Münchener
Komponist, Regisseur, Darsteller und Interpret experimenteller
Musik hat als Sujet seiner ersten Oper eine schwierige
Herausforderung gewählt.(...)Er stellte die meist kurzen
Texte zu Assoziationsketten allgemeingültiger innerer
Befindlichkeiten zusammen und gliederte sie zum Spannungsbogen
eines Tages- und Lebenslaufs.(...)
Die Klangvariation von der Bühne, aus den Lautsprechern und
aus dem Orchestergraben (Geoffrey Moull leitete das
Philharmonische Orchester) fügen sich tatsächlich
zu einem akustisch-musikalischen Ganzen zusammen, das angenehm zu
hören ist und - in Verbindung mit dem Bühnengeschehen -
den eigenen Assoziationen freien Lauf lässt.(...)Das homogene
Ensemble und die einfallsreiche Regie sorgten für eine
faszinierende Produktion.
Heidi Wiese ,Westfälische Rundschau, 15.Mai 2000
Wo kein Dichter-Ich sein eigenes Inneres äußert, muss
die Musik nicht die Worte im anderen Medium "interpretieren". Und
das versucht Hirsch auch gar nicht, sondern er führt
Zuschauer und Zuhörer durch das stille Zimmer in die
fantastische Innenwelt einer gespaltenen Persönlichkeit, die
sich selbst fremd ist. Und dieser zweite Eingang in das Stück
ist auch musikalisch gezeichnet: Nachdem die erste Szene schon
angelaufen ist, tönt vom Band ein sich einspielendes
Orchester. Und der Einsatz des wirklichen Orchesters danach ist
wie ein neuer Anfang.
Eine richtige "Oper" ist "Das stille Zimmer" nicht, und das
nicht nur, weil die Textvorlage anti-dramatisch ist. Die fünf
Frauen singen über weite Strecken im Chor; expressive Soli
sind selten. (...) Die Stärke von Michael Hirsch liegt im
klangspielerischen Detail, in der feinen Kommentierung von
gesprochenen Worten durch Geräusche, und vor allem: in der
szenischen Aktion. Schon seit langem arbeitet der 40-Jährige
als Schauspieler und Sprecher im experimentellen Musiktheater.
Außerdem hat er kompositorische Erfahrung mit Kammermusiken,
experimentellen Sprachwerken und Tonbandkompositionen. (...)
Gerne möchte Hirsch nach dem gelungenen Erstling eine weitere
Oper schreiben, dann aber "mit mehr vorgegebener Handlung
arbeiten, mit mehr dramatischem Stoff".
Friedemann Kawohl , "Neue Musikzeitung" 6/2000
(...)Herbecks Texte werden als betretbare Sprachräume
inszeniert. Hörspielhafte Szenen wechseln mit komponierter
Sprache, die bis an die Grenzen ihrer semantischen Belastbarkeit
zerlegt wird. Das Bühnengeschehen ist reduziert auf Tableaus
mit symbolträchtigen Accessoires, wie Hirsch es nicht zuletzt
im Ensemble von Achim Freyer kennengelernt hat. Und doch setzen
sich diese Zutaten im Bielefelder Stadttheater auf ganz neue Weise
zusammen, denn den Auftrag, eine Oper zu schreiben, hat der
Komponist auf heitere Art ernst genommen.(...)Der opernhafte
Gesang gehört der Frau als fernem Wesen in Herbecks Welt, der
sich als junger Mann von einem Mädchen ferngesteuert
fühlte. Die Schauspieler sprechen seine Texte, lauschen dem
Knistern der Kofferradios, preisen Wolken und erwägen ein
Lied an den Mond.(...)Tonbandeinspielungen mischen sich in die
Stimmen, die sich sprunghaft erregen und schweigen: Es tropft,
Silben tropfen, und die Stille perlt. Die Welt - ein stiller
Ozean. 'Die öde Einsamkeit', so wollte Ernst Herbeck einst
ein Kriminalstück überschreiben. Michael Hirsch ist der
Spur seiner Verse gefolgt. Seine Recherche erinnert daran, wie
reich das Musiktheater eigentlich ist. Eine Liebeserklärung,
keine Frage.
Ulrich Amling Der
Tagesspiegel vom 11. Mai
2000 (vollständige
Kritik)
(...)Punktuelle Klänge, kurze, abgerissene Linien und
Schlagzeugimpulse werden neben die gebrochene Sprache gestellt. Zu
einer Integration kommt es nicht. Sie gelingt, unter
Anstrengungen, allein den fünf Frauen in Weiß. Als
Alter Ego des Dichters durchbrechen sie die Sprach- und
Geräuschschicht und stellen ihr dichte, konsistente und
durchaus emphatische Ensemble- und Solo-Lieder gegenüber -
Sinnbild der psychotischen Ambivalenz, Erinnerung daran, dass
keine Psychose total ist, und schließlich wohl auch eine
Metapher für die Hoffnung auf Sinn und Zusammenhang.
Damit sind die theatralischen Mittel aber auch schon
erschöpft. Es muss überraschen, dass Hirsch, einem
Komponisten mit erheblicher Theatererfahrung auch als
Schauspieler, ausgerechnet die dramaturgische und szenische Ebene
so gründlich misslingt. Der bald durchschauten Verzahnung von
wirren Sprach- und stringenten Gesangspartien setzt er nichts mehr
hinzu(...)Spät, eigentlich erst in der gespannten Leere und
versiegenden Langsamkeit des letzten Bildes, wenn Herbeck wieder
im "Stillen Zimmer" unter der Rampe sitzt, bekommt Hirsch seinen
Helden zu fassen: als einen Einsamen, dem die Welt zerbrochen ist.
Raoul Mörchen ,"MusikTexte"84
(...) Im Theater gab es die erfolgreiche Uraufführunf der
Oper "Das stille Zimmer" von Michael Hirsch(...).Eine
Handlung im Sinne der modernen Oper gibt es hier allerdings nicht.
Trotzdem stellt sich in der fast zweistündigen, sehr
schönen Aufführung in der Inszenierung durch den
Komponisten, in Sandra Meurers Bühnenbild und unter der
musikalischen Leitung von Geoffrey Moull latente Spannung ein, die
sich bis zum Schluß noch steigert. Es gibt erstaunlich viel
Aktion in den großen Szenen, angedeutete, letztlich
verweigerte Beziehungen zwischen den Geschlechtern. Diese
Verweigerung macht den Reiz des stückes aus.
(...)Die Texte bilden zusammen mit Geräuschbändern,
Livemusik aus dem Orchestergraben (Bielefelder Philharmoniker,
gelegentlich "aleatorisch"), je fünf männlichen
Schauspielern und weiblichen singenden Darstellerinnen die Basis
einer sehr poetischen, sensibel-intelligenten, in
Assoziationsketten angelegten, rundum gelungenen Form heutigen
Musiktheaters.
Jürgen Schmidt, Westfalen-Blatt, 8. Mai 2000
(...)Aus Herbecks Versen entwickelte der in Berlin lebende
Komponist, Jahrgang 1958, eine Art Textbuch: Verse voller
Naivität, voller Trauer, humorvolle und ironische Zeilen.
Hermetisch und schlichtweg nicht kommunikabel wie die
Silbenkollonnen und Sprachteppiche im zweiten Bild; dann wieder
mit drastisch klarem Blick(...).
Die Persönlichkeitsspaltung wird auf der Bielefelder
Bühne greifbar: Dort läuft ein Blindgänger mit
Koffer und Vogelbauer herum, ein Pfadfinder und ein Zwerg (mit
Lupe und Streichholzschachtel), außerdem "der mit der Wunde"
und ein Naivling namens "Partzifall".
All diese von Michael Hirsch gemachten Figuren (...) geben von
Herbecks ureigensten Erfahrungen Kunde. Die sind so privat indes
nicht, spiegeln vielmehr einen längst allgemein gewordenen
Zustand der Gesellschaft, den ein hochsensibler Kranker in
"paranoid-halluzinatorischem Zustand" auf einen lyrisch-poetischen
Punkt bringt.(...)
Christoph Schulte im Walde , Westfälische Nachrichten,
9.Mai 2000
(...)Eine Oper? "Das stille Zimmer", das das Bielefelder
Theater jetzt mit großem Erfolg zur Uraufführung
brachte, ist eher ein bizarres Liederspiel mit szenischen
Andeutungen. (...) Die Aura der Verlorenheit des Schriftstellers
trifft Hirsch mit seiner von totaler Stille bis zu vertrackt
komplexen Ensembles und Solo-Arien reichenden Tonsprache durchaus.
dabei klingt jedoch ein Trauerflor mit, der nicht immer zur
Gefühlswelt Herbecks passen will.(...)
Pedro Obiera, Neue Ruhr Zeitung, 9.Mai 2000
Soeben erlebte das Auftragswerk "Das stille Zimmer" von
Michael Hirsch seine Uraufführung. Die Premiere entfachte
gespannte Aufmerksamkeit.
Was macht den "Erfolg" einer Uraufführung aus, woran misst
sich die Qualität eines Stücks? An der Begeisterung
(oder nicht) der Hörer? An der Zahl der Nachinszenierungen?
In diesem speziellen Fall könnte das Nachschwingen des
Erlebnisses ein Gradmesser sein. Denn wenn das Stück von
Michael Hirsch nach Texten des jahrzehntelang in einer Heilanstalt
nach seiner Identität ringenden und dort zum Dichter seines
Innenlebens gewordenen Ernst Herbeck auch mit spektakulärem
Äußeren spart, es überzeugt durch suggestive
Wirkung.
Es ist ein Stück, über das Nachdenken und
emotionale Auseinandersetzung bleibt. Vielleicht, weil Michael
Hirsch so kühn (oder ungeniert) das tradierte Opern-Schema
verläßt.(...)
Eckhart Britsch, Neue Westfälische, 8.Mai 2000
(vollständige
Kritik)
Kritik "Tagesspiegel" Zurück zum "Stillen Zimmer" Zurück zur Homepage Neue Stücke ab 2003
Der Tagesspiegel vom 11. Mai 2000 verschiedene Pressestimmen zur Oper Kritik "Neue Westfälische" Zurück zum "Stillen Zimmer"
Aus der Innenwelt eines Schizophrenen: Michael
Hirschs Oper am Theater Bielefeld uraufgeführt
Ulrich Amling
"Das Theater ist in Wien / Zum Theater gehen heisst schauspielen / Die Schauspieler spielen in der Oper. / Die Oper ist ein singendes Theater." Diese Zeilen schrieb Ernst Herbeck, der schizophrene Dichter, in der österreichischen Nervenheilanstalt Gugging. Seine Gedichte, die er nur verfasste, wenn sein Arzt Leo Navratil ihm Papier und Stift reichte, machten ihn berühmt. Herbeck beeinflusste Schriftsteller, Maler und Komponisten - er, der nur selten sprach, lieferte Kreativitätstheoretikern und Psychiatern Stoff für Diskussionen um das Verhältnis zwischen persönlicher Innen- und sozialer Außenwelt. Ist nicht die Welt des Schizophrenen die Realität, und wir seelisch ausgeglichene Menschen verdämmern sie schlicht, fragte Navratil.
Der Komponist Michael Hirsch, 42, hat für das Theater Bielefeld eine Oper - seine erste - auf Texte von Ernst Herbeck geschrieben. "Das stille Zimmer" ist keine Legende vom schizophrenen Dichter, wohl aber der Versuch, die Innenwelt eines Menschen in ein "singendes Theater" zu verwandeln. Herbecks Texte werden als betretbare Sprachräume inszeniert. Hörspielhafte Szenen wechseln mit komponierter Sprache, die bis an die Grenzen ihrer semantischen Belastbarkeit zerlegt wird. Das Bühnengeschehen ist reduziert auf Tableaus mit symbolträchtigen Accessoires, wie Hirsch es nicht zuletzt im Ensemble von Achim Freyer kennengelernt hat. Und doch setzen sich diese Zutaten im Bielefelder Stadttheater auf ganz neue Weise zusammen, denn den Auftrag, eine Oper zu schreiben, hat der Komponist auf heitere Art ernst genommen.
Die traditionelle Oper übe seit seiner Kindheit große Faszination auf ihn auf, gesteht Hirsch, der nie Opernhäuser in die Luft sprengen würde. Schließlich kennt er als Komponist eines Stückes mit dem Titel "Die Sehnsucht des Klaviers, ein Orchester zu werden" den Traum von der großen Form nur zu gut. In "Das Stille Zimmer" wird er subtil erfüllt und gleichzeitig in weite Ferne gerückt. Hirsch hat seine Oper aufgespalten auf fünf Sängerinnen und fünf Schauspieler. Die Damen, ganz in weiß gehüllt, dürfen bald nach Liederart bald nach Opernmanier die Stimmbänder benutzen. Die Bielefelder Philharmoniker unter Geoffrey Moull erzeugen dazu virile Tutti wie bei einem überdehnten Einstimmen vor einer Aufführung, dazu gesellen sich bruchstückhafte Ausbrüche von Dramatik und Anflüge eines Klavierkonzertes. Hirsch setzt die Theatermaschinerie in Gang, lässt die Bühne rotieren und die Streicher spielen. Doch Nichts gewinnt in dieser hintersinnigen Ansammlung die Überhand, alles bleibt in der Schwebe.
Der opernhafte Gesang gehört der Frau als fernem Wesen in Herbecks Welt, der sich als junger Mann von einem Mädchen ferngesteuert fühlte. Die Schauspieler sprechen seine Texte, lauschen dem Knistern der Kofferradios, preisen Wolken und erwägen ein Lied an den Mond: "Ist meistens stummer Minnesang. Von den Mondfahrern gesungen." Doch sie gehen nirgends hin. Und so münden alle Szenen im stillen Zimmer, einem kleinen Ort unter der Treppe, in dem sich an einem Tisch zwei Menschen gegenüber sitzen. Wo eine Trennlinie zwischen ihnen verlaufen könnte - Patient/Arzt oder Ich/Du - ist unklar. Tonbandeinspielungen mischen sich in die Stimmen, die sich sprunghaft erregen und schweigen: Es tropft, Silben tropfen, und die Stille perlt. Die Welt - ein stiller Ozean. "Die öde Einsamkeit", so wollte Ernst Herbeck einst ein Kriminalstück überschreiben. Michael Hirsch ist der Spur seiner Verse gefolgt. Seine Recherche, erinnert daran, wie reich das Musiktheater eigentlich ist. Eine Liebeserklärung, keine Frage.
verschiedene
Pressestimmen zur Oper
Zurück
zum "Stillen Zimmer" Zurück
zur
Homepage Neue
Stücke ab 2003
Im offenen Käfig
Bielefeld: "Das stille Zimmer" von Michael
Hirsch uraufgeführt
VON ECKHARD BRITSCH
-Bielefeld. Was treibt das Genre Oper heute um? Welche Positionen vertreten die aktuellen Komponisten und welche Sujets könnten das Publikum anrühren? Eine Antwort auf diese Frage versucht derzeit das Stadttheater Bielefeld zu geben: Soeben erlebte das Auftragswerk "Das stille Zimmer" von Michael Hirsch seine Uraufführung. Die Premiere entfachte gespannte Aufmerksamkeit.
Was macht den "Erfolg" einer Uraufführung aus, woran
misst sich die Qualität eines Stücks? An der
Begeisterung (oder nicht) der Hörer? An der Zahl der
Nachinszenierungen? In diesem speziellen Fall könnte das
Nachschwingen des Erlebnisses ein Gradmesser sein. Denn wenn das
Stück von Michael Hirsch nach Texten des jahrzehntelang in
einer Heilanstalt nach seiner Identität ringenden und dort
zum Dichter seines Innenlebens gewordenen Ernst Herbeck auch mit
spektakulärem Äußeren spart, es überzeugt
durch suggestive Wirkung.
Es ist ein Stück, über das Nachdenken und
emotionale Auseinandersetzung bleibt. Vielleicht, weil Michael
Hirsch so kühn (oder ungeniert) das tradierte Opern-Schema
verläßt. Hirsch, der auch Regie führte und die
szenische Erarbeitung selbst als vollendenden Part seines Werkes
empfindet, erzählt nicht von irgendeinem bewegenden, an der
Liebe und am Leben scheiternden Einzelschicksal, wie wir es aus
der tradierten oper kennen.
Michael Hirsch schickt menschen gruppen, die sie in
autistischen Bahnen bewegen und zielgerichtet-ziellos auf der
Bühne umherirren, auf die Suche nach ihrer Identität und
auf die Suche nach Kommunikation. Das "stille Zimmer" ist der
Käfig ihrer abgekapselten Welt, in der Gefühle erstarrt
sind und Leben sich in der skurrilen Textcollage der
Herbeck-Gedichte abspielt. Automaten gleich suchen sie durchs
Aufsagen von Lyrik wie "Die Maus ist ei Qualtier./Die Maus ist
unangenehm./Man soll die Maus meiden./Die Maus ist höflich."
den Weg zum versperrten Innern.
Die Optik - fünf Männer in Schwarz, fünf
Frauen in Weiß - verweist in ihrer
Gegensätzlichkeit zudem darauf, wie schwer das
Zueinanderfinden der Geschlechter ist und wie sehr die Menschen
auf oder in ihren eigenen Bahnen kreisen. Bühnenbildnerin
Sandra Meurer, deren Handschrift jetzt in Bielefeld schon
während ihrer zweiten Saison signifikante Signale setzt, hat
dafür mit Keilen auf der Drehbühne einen
allseitig offenen Käfig geschaffen, in dem die Probanten
geschäftig hin und her eilen.
Für diese existentielle Verstörung - der 1991 gestorbene
Ernst Herbeck wurde in Gugging vom Psychiater Leo Navratil auf den
Weg der poetischen Innensicht geführt - hat Michael Hirsch
angemessene und hinreichende musikalische Ausdrucksformen
gefunden. Das Grundmotiv "Verstörung" findet sich in einer
Musik wieder, die sich aus Tupfern, kleineren Klangschraffuren,
Klangtropfen aus dem Hintergrund, auch aus diskret gesetzten
Exaltationen schlüssig zusammensetzt.
Die Dramaturgie des Stückes - Verdichtung der
Textfetzen, vielleicht auch die vorsichtige Annährerung der
Geschlechter, die mit der Annäherung der Protagonisten an die
eigene Seele einhergeht - bekommt sogar so etwas wie Handlung,
wenn die Wanderer ihre Innenwelten auf Tafeln kritzeln um gegen
Ende wieder im Verstummen zu versinken.
Die Geschichte einer kollektiven Verstörung - wer will,
kann in dieser Metapher die moderne Gesellschaft in ihren
Kommunikationsproblemen wiederfinden - wurde musikalisch und
darstellerisch mustergültig realisiert. Geoffrey Moull
dirigierte die Bielefelder Philharmoniker umsichtig, präzise
und klanganalytisch; die Darsteller und Sängerinnen Robert
Podlesny, Rainer Homann, Michael Günther, Helmut Westhausser,
Johannes R. Voelkel, Deborah Lynn Cole, Cornelie Isenbürger,
Annina Papazian, Mojca Vedernjak und Vera Ilieva zeigten
eindrucksvoll, wie Kunst Gefühle
sezieren kann.
Das Publikum blieb in positiv gestimmter Nachdenklichkeit.
La Didone
abbandonata
Dramma per musica nach einem Libretto von
Pietro Metastasio (2003/2004)
Kompositionsauftrag des Dresdner Zentrums für
zeitgenössische Musik
Besetzung: Didone (Mezzosopran), Enea(Bariton)
Kammerensemble: Piccolo-Flöte, Klarinette (auch
Bass-Kl.), Posaune, Akkordeon,
2 Schlagzeuger, 2 Violinen, Viola, Violoncello, 2 CD-Player.
Uraufführung: Dresden (Festspielhaus Hellerau) 1.10.2004
Didone: Claudia Neubert, Sopran,
Enea: Daniel Ochoa, Bariton
Ensemble Courage
Regie: Rainer Holzapfel
Musikalische Leitung: Titus Engel
Nach der Anfrage des „Dresdner Zentrums für
zeitgenössische Musik“, eine Oper zu schreiben, die maximal
12 Minuten dauern soll, stand für mich von Anfang an fest,
daß die Aufgabe nicht darin bestehen konnte, eine kleine
musiktheatrale Szene zu schreiben, die von vorneherein nicht mehr
Zeit benötigt als eben jene 12 Minuten.Vielmehr war es mir
wichtig, eine „komplette“ Oper zu schreiben, die mit der Vorgabe
dieser extremen zeitlichen Reduktion offensiv umgeht.
Die erste zentrale Frage ist naturgemäß die
Entscheidung für ein Libretto. Ich entschied mich
dafür, einen Text zu wählen, der schon vom Autor
explizit für Gesang konzipiert ist. Da es aber
heutzutage keine lebendige Tradition der Librettistik mehr gibt,
griff ich auf die schon länger gehegte Überlegung
zurück, einen alten Operntext wiederzuverwenden,
nämlich einen Opera-Seria-Text aus dem 18. Jahrhundert.
Ich entschied mich für „La Didone abbandonata“ von Pietro
Metastasio aus dem Jahr 1724, seinem ersten Operntext. Neben den
oben genannten Überlegungen stand für mich bei dieser
Wahl die Tatsache im Mittelpunkt, daß ich mir durch die
historische und ästhetische Entfernung dieses Textes, wie
auch durch die mir zwar halbwegs vertraute, aber doch fremde
italienische Spache eine mir für dieses Unternehmen
wohltuende Distanz verschaffte.
Mit dieser Wahl standen für mich allerdings sofort zwei Dinge
fest: Erstens, daß ich die Tendenz zur Ironisierung
unbedingt vermeiden wollte, die im Umgang mit historischer
Operntradition heute allzu beliebt ist. Und zweitens,
daß es mir auch nicht darum gehen konnte, irgendwelches
ästhetisches Kolorit der Oper des 18. Jahrhundert in meiner
Musik anklingen zu lassen. Ich versuchte, den Text quasi
jungfräulich und unbelastet von gattungsimmanenten Klischees
zu lesen.
Eine besondere Herausforderung lag für mich darin, die
äußerst komplizierte Erzählstruktur des in den
Orginalvertonungen 3-4 stündigen Stückes in eine Form zu
überführen, die in einer maximal 12 minütigen Oper
erzälbar ist.
Zu diesem Zweck habe ich die sechs handelnden Personen auf nur
noch zwei, nämlich das Protagonistenpaar Dido und Äneas,
reduziert, und auch deren Texte auf jeweils ein Monolog-Destillat
verknappt, das - teilweise zu neuen Dialogen zusammengesetzt - den
Kern dieses Beziehungsdramas in konzentriertester Form erlebbar
machen soll.
Ich sah darin nebenbei auch eine Chance, meinem lang gehegten
Wunsch näher zu kommen, neue Formen von narrativer Handlung
zu entwickeln, denen sich avanciertere Opernformen (wie auch meine
eigene Oper "Das stille Zimmer") häufig weitgehend verweigern
, ohne dabei in den obsoleten Pseudo-Naturalismus vieler
Opern des 20. Jahrhunderts zurückzufallen.
So kam natürlich ein vollkommen neues Libretto heraus. Es war
nicht mehr der barocke Opera-Seria-Text von Metastasio. Es
entstand - unter Einbeziehung von Formen und Techniken der Moderne
wie Fragmentierung und Collage - ein Stück, das sich
zwar ausschließlich aus den Handlungselementen und dem
Textmaterial des Metastasio-Textes zusammensetzt, das aber
mit Ästhetik und Form der Opera-Seria nur noch wenig zu tun
hat. Das barocke Opern-Italienisch des Metastasio gerinnt hier
gewissermassen zur Chiffre für die Gattungstradition der Oper
überhaupt, und verschafft mir als Komponisten durch Distanz
und Überhöhung den ästhetischen Freiraum für
Gesang.
Der verbleibende Rest der Handlung der drei Akte, von denen jeder
etwa 3-4 Minuten lang dauert, lässt sich in etwa
so skizzieren:
Erster Akt: „Äneas muß gehen“ :
Getrieben von der ihm von seinem Vater und den Göttern
auferlegten Mission, in Italien ein neues Weltreich zu errichten,
entschließt sich Äneas , seine Liebesbeziehung mit Dido
zu beenden, und Karthago zu verlassen. Dido reagiert
geschockt: Die Trennung kommt für sie aus heiterem Himmel.
Sie hatte ihre ganze Lebensplanung und auch ihr politisches
Schicksal auf diese Beziehung gesetzt.
Der erste Akt besteht aus drei "Doppel-Arien"; das sind jeweils
zwei simultan ablaufende und kontrapunktisch ineinander verzahnte
Arien der beiden Protagonisten, die somit gewissermaßen
"windschiefe" Duette ergeben: Ein ständiges aneinander vorbei
Monologisieren.
Zweiter Akt: „Chronik eines scheiternden Gesprächs“ :
Der zweite Akt ist eine Sequenz von extrem knappen Fragmenten
eines Dialogs zwischen Dido und Äneas: Wenige Sekunden lange
Ausschnitte, in denen schlaglichtartig diverse Stadien eines
(imaginär) mehrstündigen Gesprächs aufblitzen. Der
zermürbende und letztlich an den gegensätzlichen
Lebenskonzepten scheiternde Versuch der beiden Partner, ein
letztes klärendes Gespräch zu führen.
Dritter Akt: „Die verlassene Dido“ :
Der dritte Akt ist eine Solo-Kantate der Dido. Dido ist allein.
Schwankend zwischen Trauer, Hass und Selbstmitleid, versucht sie
ihre Gefühle zu ordnen.
Die Oper verlangt neben des beiden Sängern für Dido und
Aeneas ein Kammerensemble von 10 Instrumentalisten. Dazu gibt es
eine simultane musique concrète -Ebene:
Zum einen gibt es eine Art Klanginstallation, die am Beginn des
Stückes gestartet und am Ende ausgeblendet wird und
unabhängig von der Ensemblekomposition ständig
läuft.
Eine andere Zuspielung besteht aus 3 Episoden, die kurze
fest umrissene Kompositionen sind, die als Ereignisse
in die Oper hereinbrechen und für eine kurze Zeit mit
dem Instrumentalensemble gleichberechtigt „konzertieren“.
„La Didone abbandonata“ bekennt sich zu dem emotionalen
Potential von „großer Oper“ , und versucht dieses quasi
seismographisch in der äußersten Reduktion durch die
Mittel und Erfahrungen jüngerer theater- und
musikästhetischer Entwicklungen neu und
zeitgemäß zu formulieren.
Seit einiger Zeit beschäftige ich mich mit Fernando de Rojas
Lesedrama "La tragicomedia de Calisto y Melibea", das 1499 in
einer ersten Fassung publiziert wurde.
Dieses Schlüsselwerk der spanischen Literatur ist in Form und
Inhalt einzigartig und gattungsmässig kaum einzuordnen:
Obwohl in seiner dialogischen Form als Drama ausgearbeitet, ist es
in seiner Originalgestalt nicht auf der Bühne realisierbar,
sondern ausschließlich als Tragikomödie zum Lesen
konzipiert. Im Mittelpunkt des Dramas stehen nicht so sehr die
beiden Titelfiguren, sondern die Kupplerin Celestina, die zu den
prominentesten Figuren der spanischen Literaturgeschichte
zählt. Einzigartig ist insbesondere die für jene Epoche
zwischen Spätmittelalter und Renaissance ungewöhnliche
psychologische Differenzierung der Charaktere, sowie die Mischung
aus realistischen und komödiantischen Elementen und
großem "Welttheater", die viele Exegeten den Vergleich mit
Shakespeare bemühen ließ.
Im vorigen Jahr schrieb ich bereits eine kurze Oper, die auf
diesem Stoff beruht: "Die Klage des Pleberio", die
ausschließlich den letzten der 21(!) Akte des spanischen
Stückes thematisiert. Dieser Akt ist ein ausgedehnter
Monolog, in dem Melibeas Vater Pleberio unter dem Eindruck des
Selbstmordes seiner Tochter eine großangelegte Anklage gegen
die Welt formuliert: Eine fast "existenzialistische" Totenklage,
die sich jeglichen Tröstungen religiöser Art verweigert.
Die Konzentration auf den Schlussakt eröffnete mir die
Perspektive, darüber nachzudenken, an Fernando de Rojas
Stück weiterzuarbeiten, und die ursprünglich geplante
umfassendere Umsetzung der Vorlage in einer "großen",
abendfüllenden Oper anzugehen.
Dabei entstand bald der Plan, nach der "Klage des Pleberio" erst
einmal verschiedene kleinere Projekte zu diesem Text zu
realisieren, die den Stoff zunächst von verschiedenen Seiten
einkreisen sollen, bevor eine endgültige Dramaturgie für
eine große "Celestina"-Oper festgelegt wird.
Im Auftrag, für die "Dresdner Tage für
zeitgenössische Musik" 2006 entstand eine weitere
Kurzoper "Celestina
im
Gespräch mit sich selbst" , die eine zweite
Vorstudie zu einer großen "Celestina"-Oper sein kann. Für die NeuenVokalsolisten
Stuttgart entstand schließlich als a capella Musiktheater eine Art "Madrigaloper das a capella Musiktheater "Tragicomedia".
Denkbar wäre als weitere Vorstudie ein Stück, das
experimentellere Formen des Musiktheaters verwendet unter Einbeziehung
von Elementen des Sprechtheaters, von Performance-Elementen und von
musique concrète. Inhaltlich würde dieses Stück die
Diener-Ebene des Celestina-Stoffes in den Mittelpunkt stellen.
"Die
Klage des
Pleberio" zurück
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Oper nach einem Text von Fernando de Rojas (1499)
Besetzung: Pleberio:Bariton
Kammerensemble: Flöte, Klarinette, Trompete,
Akkordeon,
Harfe, E-Gitarre, Klavier, Vibraphon,
2 Violinen, 2 Violoncelli, CD-Zuspielung.
Uraufführung: Berlin (Klangwerkstatt) 11.11.2005
Pleberio: Simon Berg, Bariton
Ensemble Experimente, Ltg.: Gerhard Scherer
Regie: Antje Kaiser
Dauer: 30 Minuten
"Die Klage des Pleberio" basiert auf dem letzten Akt des
mittelalterlichen Lesedramas "La tragicomedia de Calisto y
Melibea" von Fernando de Rojas, das dieser im Jahre 1499 in einer
ersten Fassung veröffentlichte. In diesem Stück stehen
nicht so sehr die beiden Titelfiguren im Mittelpunkt, sondern die
Kupplerin Celestina, die durch die Drastik und Realistik ihrer
Darstellung zu den prominentesten Figuren der spanischen
Literaturgeschichte zählt.
Die ungeheure Fülle und der teilweise pralle Realismus der 21
Akte dieses erstaunlichen Textes fehlt in der vorliegenden Oper
allerdings vollkommen, da sie ausschließlich auf dem
letzten Akt der "tragicomedia" basiert. Dieser Akt ist ein
ausgedehnter Monolog, in dem Melibeas Vater Pleberio unter
dem Eindruck des Selbstmordes seiner Tochter eine
großangelegte Anklage gegen die Welt formuliert: Eine fast
"existenzialistische" Totenklage, die sich jeglichen
Tröstungen religiöser Art verweigert.
So fehlt dieser Oper ein äußerer Handlungsverlauf. Sie
bietet vielmehr eine Innenschau, das Porträt eines Menschen
in einer konkreten Lebenssituation.
Dabei orientiert sich die Oper an der alten Gattung des Lamento,
und ist gewissermassen ein Zwitterding zwischen Kantate und
Monodram. Eine konzertante Aufführung ist dem Stück
ebenso adäquat, wie eine szenische Umsetzung.
Zur Enstehung:
Die Arbeit am Libretto war äußerst wechselhaft:
Ursprünglich hatte ich vor, das Stück von Fernando de
Rojas - ganz im Gegensatz zum vorliegenden Ergebnis - in seiner
Fülle und Drastik und auch mit den wichtigsten Hauptfiguren
in einer äußerst verknappten Form schlaglichtartig,
oder als eine Art Panoptikum auf die Bühne zu bringen. Doch
ich musste bald einsehen, daß ich angesichts der zur
Verfügung stehenden Zeit - sowohl der Entstehungszeit, als
auch der geplanten Aufführungsdauer von etwa einer halben
Stunde - auf diesem Wege unweigerlich scheitern musste. Auch hatte
ich bereits vor Kurzem mit meiner Oper "La Didone abbandonata" mit
der extremen Verknappung einer ausgedehnten Textvorlage
gearbeitet, und fürchtete daher, mich ästhetisch zu
wiederholen.
Und so entschied ich mich für das andere Extrem: Nicht die
Komprimierung einer komplexen Handlung, sondern die Konzentration
auf einen einzigen Moment des Dramas, der auch schon in der
mittelalterlichen Textvorlage zu einer fast autonomen
literarischen Form angewachsen ist. Und so wurde aus dem geplanten
schnellen, aktionsreichen und auch komödiantischen Stück
das krasse Gegenteil: eine statische und introvertierte
Zustandsbeschreibung.
Celestina im Gespräch mit sich selbst
nach einem Text von Fernando de Rojas (2006)
Besetzung: Celestina (Tenor)
Kammerensemble: Flöte, Klarinette, Bassklarinette
Trompete, Horn, Posaune,
Akkordeon, Harfe, Schlagzeug,
2 Violinen, Viola, Violoncello, Kontrabass.
Uraufführung: Dresdner Tage für zeitgenössische
Musik 3.10.2006
Celestina: Clemens C. Löschmann, Tenor
Leipzig Sinfonietta, Ltg.: Arturo Tamayo
Dauer: 17 Minuten
"Celestina im Gespräch mit sich selbst" ist die
zweite Vorstudie zu einer großen "Celestina"-Oper, begreift
sich aber dennoch als ein vollkommen eigenständiges
Stück: Es ist also keineswegs etwa eine Szene aus einer
zukünftigen großen Oper, sondern trotz der knappen
Dauer von nur 17 Minuten selbst eine autonome Oper.
Das Stück ist der Versuch, der Hauptfigur Celestina
näher zukommen, indem es eine Art dramatisches Porträt
dieser Figur entwirft. Ein Monodram also für Celestina
allein, ein Selbstgespräch, mit dem sich Celestina quasi
selbst porträtiert.
Das Libretto ist im Gegensatz zu dem der "Klage des Pleberio"
keine zusammenhängende Szene aus de Rojas Drama,
sondern eine fast collagenhafte Kompilation aus
Passagen des Textes, die verschiedene Facetten der Hauptfigur
beleuchten können.
Schwerwiegend und für die Ästhetik des Stückes
sicherlich folgenreich war der Entschluss, die alte Celestina mit
einem Tenor zu besetzen. Dabei geht es weder um eine
transvestitische Komponente noch um eine buffoneske Karikierung
wie etwa bei Humperdincks Knusperhexe. Im Gegenteil: Eine
besondere Bemerkung im Vorwort der Partitur weist
ausdrücklich darauf hin, daß bei der Darstellung der
Celestina jegliche Transvestiten-Klischees, oder auch derb
karikierende Effekte unter allen Umständen zu vermeiden sind.
Es geht vielmehr um einen Verfremdungseffekt, der den fast
mythologischen Charakter dieser Figur transportieren hilft.
Eine Orientierung findet man dafür im antiken griechischen
Theater, wie auch im alten japanischen und chinesischen Theater,
wo die Frauenrollen von Männern gespielt wurden. Es handelt
sich um ein Element der Künstlichkeit, eine Form der
Distanz-Herstellung, die durch die Besetzung mit einem Mann eher
zu erreichen ist, als wenn man etwa eine junge Sängerin "auf
alt" schminken würde.
Einen ähnlichen "Verfremdungs-Effekt" erhoffe ich mir auch
von der Verwendung von Christoph Wirsungs
frühneuhochdeutscher Übersetzung (1527). Es wird also
nicht auf spanisch gesungen (wie noch in dem früheren
Stück "Die Klage des Pleberio"), und auch keine moderne
Übersetzung vertont, obwohl eine solche dem spanischen
Original sicher noch näher kommen könnte als die
Wirsung-Version. Ich verwende diese auch aus musikalischen
Gründen, weil sie für uns heute wie eine Kunst-Sprache
wirkt, die mir dadurch mit dem Operngesang kompatibler zu sein
scheint als die moderne Alltagssprache.
Die Kompilation des Textes lässt Celestina zunächst aus
einer angenommenen konkreten Situation aussteigen und über
sich und ihre Situation räsonieren. Der so entstehende und
immer wieder sprunghaft wechselnde Gedankenfluss bestimmt auch die
Form der musikalischen Komposition. Diese entwickelt sich nicht
logisch aus einem Materialkern, sondern wuchert in immer wieder
neuen, sich teilweise überlagernden musikalischen Episoden.
Ein Gedankenstrom in Momentaufnahmen, oder - um den Titel eines
meiner Ensemblestücke zu zitieren - eine "Chronik in
Augenblicken".
Inwieweit "Celestina im Gespräch mit sich selbst"
tatsächlich Material für eine spätere große
Oper bereitstellt, oder ob sich diese wiederum in eine ganz andere
Richtung entwickeln wird, ist im Moment noch völlig offen.
Jedenfalls kann auf dem Weg zu einer solchen abendfüllenden
Oper noch etwas anderes entstehen: Nämlich ein sehr
heterogener Zyklus von mehreren, autonomen Stücken wie
"Celestina im Gespräch mit sich selbst", die jeweils
verschiedene Aspekte des großen "Celestina"- Stoffes mit
unterschiedlichen Mitteln zu fokussieren suchen.
Tragicomedia
nach Fernando de Rojas "Tragicomedia de Calisto y Melibea"
für 6 Gesangs-Solisten
(für die NeuenVokalsolisten Stuttgart)
UA: 7.2. 2009 Stuttgart Festival "Eclat"
Neue Vocalsolisten Stuttgart
Regie Matthias Rebstock
Video Steffi Weismann
Raum und Kostüme Sabine Hilscher
Dauer: 30 Minuten
Hier soll nun zum ersten Mal - nach den beiden "Celestina"
Monodramen - ein grösserer dramaturgischer Zusammenhang
und die Etablierung der wichtigsten Charaktere des Stoffes
entwickelt werden. Die sechs Sänger werden folgende
Charaktere darstellen, die den Sängern der Stuttgarter
Vokalsolisten "auf den Leib" geschrieben werden:
Das Liebespaar Calisto und Melibea wird vom Mezzosopran als
"Hosenrolle" und lyrischem Sopran (Truike van der Poel und Susanne
Leitz-Lorey) verkörpert. Die alte Celestina singt der Tenor
(Martin Nagy). Melibeas Vater Pleberio ist wie in der "Klage des
Pleberio" Bariton (Guillermo Anzorena). Der Bass (Andreas Fischer)
wird den Diener Sempronio spielen. Schließlich gibt es eine
Doppelrolle für den hohen Sopran (Sarah Sun): Der
pubertäre Diener Pármeno wird gleichzeitig die
Prostituierte Areúsa spielen (in die Pármeno
verliebt ist). Es bleibt dabei offen (bzw. Sache der Regie), in
wie weit es sich tatsächlich um eine Doppelrolle handelt,
oder ob Areuúsa nur eine Männerphantasie des
pubertären Jünglings ist.
Die musikalische Ausarbeitung der Vokalparts hat nun die Besonderheit, dass jede Stimme zwischen zwei Ebenen hin und her springen muss: Die eine Ebene, in der man in seiner Rolle agiert, und eine quasi instrumentale Ebene, in der die Sänger sich gegenseitig begleiten.
Das Libretto ist zweisprachig angelegt - spanisch und deutsch. Die deutsche Ebene enthält Elemente einer modernen Textfassung, aber auch Elemente einer frühneuhochdeutschen Übersetzung von 1527. Welche Sprachebene wie und wann eingesetzt wird, ist als "Balanceakt" ein wesentlicher Bestandteil der dramaturgischen Konzeption und der Sprachkomposition. Ziel ist es, dass sowohl ein spanisches wie auch ein deutschsprachiges Publikum dem Fortgang des Stückes folgen kann. Dabei werden beide aber sicherlich andere Schwerpunkte der Konzeption wahrnehmen.
Die Komposition schiebt Dialogfragmente der literarischen Vorlage so ineinander und teilweise übereinander, dass sie sich in einem ständigen Schwebezustand zwischen einem linear-narrativ nachvollziehbaren Handlungsverlauf und einer assoziativen Collage befindet.
Das Stück reflektiert nicht so sehr vordergründig historisierend das spätmittelalterlichen Milieu der Vorlage (auch wenn dies zitathaft und atmosphärisch eine Rolle spielen kann), sondern orientiert sich assoziativ unter anderem etwa an Filmen von Luis Bunuel (insbesondere "Der Würgeengel"). Prostitution wird hier in einem umfassenderen Sinne verstanden. Exhibitionismus, Voyeurismus und Käuflichkeit stehen im Mittelpunkt eines Gesellschaftsspiels, das im Verlauf des Stückes teilweise grotesk-clowneske, innerlich-melancholische, oder grausam-entlarvende Züge annehmen kann.
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Stationendrama
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Oper in einer U-Bahn (2007)
Text: Paul Brodowsky und Johanna Schweizer
nach der Erzählung "Rachel" von Paul Brodowsky
Besetzung: Max (Schauspieler), Waldau
(Tenor), Olga (Sopran), Charlotte (Sopran)
Kammerensemble: Flöte, Klarinette, Bassklarinette,
Posaune, Akkordeon
Soundinstallation für CD-Zuspielungen.
Kompositionsauftrag der Staatsoper Stuttgart.
Uraufführung: Stuttgart 15.3.2007
Max :Luis Madsen ,Waldau: Heinz Göhrig, Olga: Anna Escala,
Charlotte: Barbara Friebel
Statisterie der Stuttgarter Staatsoper
Kammerensemble: Milo Machover (Fl..), Nicole Krüger (Klar.),
Teddy Ezra (Bass-Kl.), Joe Steele (Pos.), Anne-Maria Hölscher
(Akk.)
Regie: Lars Franke, Ausstattung: Ima E. Thume,
Dramaturgie: Barbara Tacchini, Tonregie: Niko Lazarakopoulos
Dauer: 60 Minuten
I
Eine Oper für eine fahrende U-Bahn zu schreiben, stellt
für den Komponisten eine in verschiedener Hinsicht sehr
merkwürdige Herausforderung dar: Diese Situation bietet so
ziemlich Alles, was man sich als Komponist für die
Aufführung seiner Musik gerade nicht wünscht. Man
wünscht sich eine gute Akustik und konzentrierte Stille in
einem Aufführungsraum, in dem man möglichst von allen
Plätzen aus gleich gut sehen und hören kann. Hier
in der U-Bahn hat man es mit einem wackelnden, tosenden und
zischenden Aufführungsraum zu tun, in dem ein gespielter Ton
und ein gesprochenes Wort nur wenige Meter weit tragen. Es ist ein
schlauchartiges Gebilde, dessen Seh- und Hörperspektive
für den einzelnen Zuschauer/Hörer äußerst
begrenzt bleibt. Man ist verloren, wenn man hier nicht aus der Not
eine Tugend macht, indem man jede dieser Widrigkeiten und
musikfeindlichen Umstände zu konzeptionellen Notwendigkeiten
erklärt: Die massiven Fahrgeräusche werden als
vorgefundener Teil des Klangspektrums in die Komposition
integriert, die mangelnde akustische Durchlässigkeit des
Zuges wird zu einer musikalischen Situation umgeformt, in der
jeder Zuhörer etwas Anderes hört. Dadurch verändert
sich die Form des zu erarbeitenden Stückes radikal. Statt
einer Partitur mit einer Zentralperspektive gibt es ein Konvolut
autonomer, aber doch immer aufeinander bezogener Strukturen, die
quasi mobile-artig durch den Ablauf der Fahrt zusammengehalten
werden.
II
Das Alles integrierende Gerüst des Stückes bildet eine
CD-Zuspielung, auf der die Stimme des Ich-Erzählers in eine
geräuschhafte Klanglandschaft eingebettet ist. Diese CD-
Zuspielung ist das Einzige, was jeder Hörer auf jedem Platz
gleich hört. Klänge und Stichworte der CD sind auch die
Orientierungspunkte für die Sänger und den Schauspieler,
die vollkommen unabhängig von der Musik des
Instrumentalensembles agieren. Dieses ist wiederum auf die beiden
Zughälften in zwei Gruppen aufgeteilt, die sich zur
Rückfahrt noch einmal verändert formieren. Ihre Parts
bestehen aus 2 mal 14 Miniaturen, gleichsam kurzen
Charakterstücken, die in den Gesamtablauf eingeflochten sind.
Trotz der Unabhängigkeit einzelner Strukturen sollte
das Gesamtergebnis bei aller Komplexität eine durchaus
lineare narrative Dramaturgie verfolgen. Und trotz etlicher
Unwägbarkeiten im Zusammenspiel der Ebenen und der damit
verbundenen Freiräume, sind alle Elemente aufeinander bezogen
gedacht und in einer recht komplexen Gesamtarchitektur miteinander
verknüpft.
Um noch eine gewisse Transparenz zu erhalten, erfordert das auf
der anderen Seite teilweise den Einsatz etwas schlichterer
musikalischer Mittel (z.B. Liegeklänge und relativ einfache
harmonische Strukturen) sowie den Verzicht auf manche
Subtilitäten und Komplexitäten, die sonst zum Standart
des Komponisten Neuer Musik gehören, auch schon wegen der
massiven Konkurrenz der Fahrgeräusche, die klanglich
integriert werden müssen.
III
Die literarische Vorlage des “Stationendramas” - Paul Brodowskys
Erzählung “Rachel” - hat mich von Beginn an fasziniert und
angeregt. Dadurch dass Brodowsky offenbar ein Autor ist, dem
auch formale Kriterien und Konstruktionen wichtig sind, gibt es
bei ihm durchaus Parallelen zum Denken eines Komponisten. Seine
Verwendung von Spiegelungen aller Art, Leitmotiven und Variationen
wiederkehrender Elemente nimmt man als Komponist dankbar auf, da
es sich hier um genuin musikalische Mittel handelt.
Dennoch bietet die Erzählung dem Komponisten einer Oper
ebensoviele Widerstände wie Anregungen. Insbesondere scheint
sie sich als reine Prosa der Vertonung zunächst zu
verweigern. Die zentrale Frage ist: Was soll da eigentlich
gesungen werden?
Die nun vorliegende Oper begegnet dieser Problematik mit der
Aufspaltung des Textes in verschiedene Ebenen. So fungiert die
Sprechstimme der CD als innere Stimme von Max und Waldau (des
für die Oper neu erfundenen Alter Ego von Max). Der Gesang
tut das, was er am besten kann: er repräsentiert und
überhöht die irrationalen Momente der inneren Handlung.
Sein Textmaterial sind nur noch Reste und Fetzen aus dem
Prosatext, die wie die Tagesreste in einem Traum auf eine tiefere
emotionale und irrationale Schicht verweisen. Neben dem singenden
Waldau eröffnen die beiden Frauenfiguren Olga und Charlotte
Phantasie- und Erinnerungsräume des monologisierenden Max.
Ihr Gesang beginnt da, wo die Sprache endet. Zwischen der von der
CD zugespielten Sprechstimme und den live singenden Stimmen
vermittelt die live sprechende Schauspieler-Stimme des Max.
IV
Die Kunstform Oper wird hier durch die Etablierung
verschiedener Medien automatisch zu einem polyphonen Geflecht
mehrerer koexistierender Kunstformen: Schon die traditionellen
Mittel der Oper - Gesang und Instrumentalmusik - qsind in eine
Gesangsebene und eine autonome Kammermusik-Ebene aufgespalten. Die
CD-Zuspielungen enthalten Momente von Literatur, Hörspiel und
musique concrète. Und der Schauspieler des Max steuert
Elemente des Sprechtheaters bei. Dies Alles wird integriert durch
ein szenisches und musikalisches “objet trouvé” als
Aufführungsraum: Die fahrende U-Bahn, die die ganze Oper
schließlich auch zwangsläufig zu einer Art
Klanginstallation werden lässt.
Die U-Bahn hat übrigens nicht allein durch ihre
Geräusche einen Anteil an der Musik, sondern sie ist auch
durch die Abfolge der Stationen mitverantwortlich für die
Gesamtarchitektur und die (für eine Oper recht kurze) Dauer
des Stückes.
Wir erzählen allerdings kein Stück über das
U-Bahn-Fahren, sondern die U-Bahn ist der Ort eines inneren
Monologes: Die Erinnerung an den Moment der Begegnung von Max mit
einer Frau namens Rachel in der U-Bahn ist die Initialzündung
für die ganze Oper. Von diesem Moment aus wuchert ein
Erinnerungsstrom, ein “stream of consciousness”, der die
eigentliche Handlung des Stückes darstellt. So ist die U-Bahn
realer Ort des Geschehens wie auch ein symbolischer Ort. Die
U-Bahn-Fahrt wird zu einer Fahrt ins Innere des
Ich-Erzählers.
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Stücke ab 2003
Im Sommer 2007 entstanden drei Kammermusik-Stücke so gut wie gleichzeitig:
"aufgestaut angespannt abgebrüht"
für Piccolo-Flöte, Klavier und Marimbaphon
"mit einem gewissen Pathos"
für Akkordeon, Klavier und 2 Theremine
und
"Würgeengel-Fragment"
für CD, Oboe, Viola und Horn
Der Titel "aufgestaut angespannt abgebrüht"
steht nicht etwa für ein geheimes literarisch-psychologisches
Programm des Stückes. Es handelt sich vielmehr um absolute
Musik ohne programmatischen Hintergrund. Dabei soll der Titel -
ähnlich wie in meinem fast gleichzeitig entstandenen Quartett
mit dem Titel "mit einem gewissen Pathos" (für
Akkordeon, Klavier und 2 Theremine) - als Ausdrucksanweisung oder
freie Anregung für die Musiker dienen. Auf Grund der
praktisch simultanen Entstehungszeit dieser beiden Stücke
gibt es zahlreiche Verwandschaften zwischen dem Quartett und dem
hier vorgestellten Trio. Insbesondere die
Tonhöhen-Disposition, die von einem vorher erarbeiteten
Reservoir an Skalen und Akkord-Feldern ausgeht, verbindet beide
Stücke. Mit diesem präkompositorischen Material weisen
beide Stücke außerdem auf das zur Zeit entstehende,
groß dimensionierte Stück “Die Worte, die Steine”
für Bariton, Chor und grosses Orchester voraus.
In Charakter und Ausdruck unterscheidet sich "aufgestaut
angespannt abgebrüht" von dem parallel
entstandenen Quartett allerdings stark. Die Form des Stückes
ist mehr oder weniger rhapsodisch. Ein sehr genauer Plan, der im
Vorfeld der Komposition die Disposition des Materials Takt
für Takt festlegen sollte, ist im Laufe der Arbeit immer
wieder verändert, überschritten und schließlich
weitgehend außer Kraft gesetzt worden. Dieser Ablaufplan ist
im Stück gewissermassen nur noch als Ruine einer
ursprünglich geplanten Form enthalten, die vielfach
zerschnitten, auseinandergefallen und neu überwuchert
erscheint.
Im Falle von "mit einem gewissen Pathos" strebt die
klangliche Konzeption vor Allem eine Verschmelzung der im Grunde
sehr unterschiedlichen instrumentalen Charaktere an. Akkordeon,
Klavier und die beiden Theremine sollen fast so etwas wie ein
einziges großes Instrument ergeben, in dem die individuellen
Möglichkeiten der einzelnen Instrumente sich gegenseitig
ergänzen. Das Stück ist also in gewisser Weise ein
Monolog für vier Instrumente.
Der Verweis auf ein "gewisses Pathos" ist dabei weder
romantisierend noch (zeitgeist-gemäß) ironisch gemeint,
sondern soll die Spieler ermutigen, in besonders emphatischer
Weise zu spielen, insbesondere die dynamischen Extreme und die
crescendo/decrescendo- Vorgänge expressiv auszukosten.
Es ist kein Zufall, dass die Instrumenten-Angabe von "Würgeengel-Fragment"
mit
der CD beginnt. Hier wird die häufigere Rangordnung bei
Kammermusik mit CD-Zuspielung umgedreht: Es handelt sich
gewissermassen um eine Komposition für CD mit
fragmentarischer "Kammermusik-Zuspielung".
Diese kleine Studie entstand im Umfeld eines Opern-Projektes nach
Fernando de Rojas "Celestina" -Text. Ein atmosphärischer
Bezugspunkt für dieses Projekt ist unter anderem der Film
"Würgeengel" von Luis Bunuel, auf den sich nun auch der Titel
dieser Studie bezieht.
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Orchester-Besetzung:
3 Fl. (auch Picc.), 3 Kl. (auch Bass-kl.), 3 Fg. (auch
Kontra-Fg.)
3 Trpt., 4 Hrn., 4 Pos.
2 Schlgzg., Hrf., Klavier, Celesta
Streicher
Voraufführungen einer fragmentarischen Fassung:
04.06.08. / 05.06.08 Stralsund
12.06.08 Greifswald zur Eröffnung der Greifswalder Bachtage
UA der vollständigen Fassung: Juni 2009
Stralsund/Greifswald (8. Philharmonisches Konzert)
Benno Remling, Bass-Bariton,
Opernchor des Theaters Vorpommern
Philharmonisches Orchester Vorpommern
Ltg.: Prof. Mathias Husmann
Dauer: ca. 45 Minuten
Ausgangspunkt für “Worte Steine” war der Auftrag des
Landesmusikrats Mecklenburg-Vorpommern, einen musikalischen Bezug
zur Architektur der norddeutschen Backsteingotik herzustellen.
Dies geschieht hier freilich nicht in einer vordergründig
illustrierenden Umsetzung eines bestimmten Architekturmodells.
Für eine musikalische Konzeption erschien es sinnvoller,
verschiedene Elemente, Aspekte und Assoziationen des ganzen
thematischen Umfelds in sehr viel freierer Weise zu einem
musikalischen “Gebäude” zusammenzufügen.
Den ersten Ansatz dazu bietet die Wahl des zentralen Textes: Es
handelt sich um die berühmte alttestamentarische Schilderung
des Turmbaus zu Babel (“Genesis” 11,1-9). Dieser Text liefert in
knappster Form einen historisch durchaus treffenden Bericht
über die Erfindung der Backsteintechnik durch die Babylonier.
Darüberhinaus verknüpft er diesen Bericht mit einer
mythologischen Fiktion über die Enstehung der
Sprachenvielfalt der Menschen.
Der “historische” Teil dieses Textes erscheint in “Worte
Steine” vollständig und wird durch andere historische
Quellen ergänzt: Inschriften des babylonischen Königs
Nebukadnezar II. , welche die Baugeschichte des tatsächlichen
Turmes von Babylon “Etemenanki” betreffen und deutliche Parallelen
zur Bibelstelle aufweisen.
Den mythologischen Teil der Turmbaugeschichte, also das Eingreifen
Jahwes, zitiert das Libretto nur andeutungsweise.
Freilich wird - obwohl alle Texte in deutscher Sprache vertont
sind - eine Art “Sprachverwirrung” auf ganz konkreter Ebene
hergestellt: Die Bibelzitate sind nämlich in
verschiedenen deutschen Übersetzungen gleichzeitig
dargestellt. Dies geschieht zumeist in mosaikartigen
Sprachkompositionen, in denen die Worte selbst Bausteine sind, die
sich zu neuen Sprachgebäuden zusammensetzen. Nur die Partie
des Solo-Baritons bringt eine menschlich-individuelle Farbe ins
Spiel. Die Textbehandlung der Chorpassagen geht nicht von einem
“sprechenden” Ausdruck des Gesanges aus. Vielmehr werden
Wort-Bausteine zusammengefügt, ausgestellt wie in Stein
gemeisselte Inschriften.
Ähnliches gilt auch für die Orchesterbehandlung: Nur
äusserst selten hat die Musik einen gestischen oder
“sprechenden” Ausdruck - wie etwa in wenigen Solo-Passagen oder in
kurzen Fragmenten für Solo-Streichquartett. In der Regel
setzt sich die Musik zusammen aus elementaren Bausteinen wie
punktuellen Einzeltönen, Klangflächen, Akkorden oder
auch Skalen. Hier spielen insbesondere Halbton und Ganzton, und
daraus folgend die chromatische Tonleiter und die Ganztonleiter
eine fast “leitmotivische” Rolle.
Die Großform der Komposition ist symmetrisch angelegt:
einem einleitenden Eröffnungsteil entspricht der Schlussteil
als Epilog. Dazwischen stehen die umfangreicheren Teile II und IV,
wobei im Teil II der Großteil der Turmbauerzählung
enthalten ist. Ihr werden im Teil IV einige reflektierende Texte
aus sumerischen und altägyptischen Quellen
entgegengestellt. Der Mittelteil III soll als Achse zwischen der
Erzählebene und der reflektierenden Ebene vermitteln.
Die fünf Teile müssen freilich nicht vordergründig
wahrgenommen werden (wie etwa die Sätze einer Symphonie),
sondern sie gehen attacca ineinander über und sind vielleicht
eher unterschwellig spürbar. Unabhängig von der
fünfteiligen Großform setzt sich das Stück aus
einer Folge sehr kurzer "Episoden" zusammen, die aber auch
größtenteils ineinander übergehen. So kann die
Komposition formal mehrdeutig wahrgenommen werden: Als
Vokalsinfonie in fünf Sätzen, oder als eine Folge
von 49 miniaturhaften Episoden. Oder aber auch als ein frei
assoziierender Gedankenstrom ohne formale Grenzen, in dem ein
Element aus dem anderen hervorgeht.
Zunächst liegt eine fragmentarische Fassung vor, die bereits
im Juni 2008 zur Aufführung gelangt. Die vollständige
Komposition soll ein Jahr später uraufgeführt werden
(Daten s. oben)
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Neue
Stücke ab 2003
"Die fulminante Uraufführung von Michael Hirschs
nächtlicher Szene 'Hirngespinste' zeigt,
was Musik - neue und alte - jenseits aller Notationssysteme sein
kann, sein soll: klingender Atem, Sprache und Sprachverwirrung,
Vision und Traum, ‘höchste Lust’ - ganz bewußt."
Christine
Lemke-Matwey
"Süddeutsche Zeitung" 13.11.96
"Erfreuliche Ausnahme bildeten (...) einzig die 'Hirngespinste'
von Michael Hirsch, eine sensible Gestaltung von freien
Assoziationen und ruhelosen Gedankenbruchstücken in den
vegetativen Weiten des Gehirns beim nächtlichen Traum."
C.G.
"Die
Welt"22.3.99
"Michael Hirschs 'Hirngespinste' erzielen mit
wenigen Mitteln - langgezogenen Akkordeon-Klängen und einer
Sprachschicht, die immer knapp vor dem verständlichen Wort
bleibt - die suggestive Wirkung traumhaften Durcheinanders."
Peter
Uehling
"Berliner Zeitung"22.3.99
"In der Performance in Haus Witten wurde auch eine neue
Komposition von Michael Hirsch uraufgefführt:'Dialog'
für zwei Sprecher (Michael Hirsch und Robert Podlesny),
Klänge und Gegenstände.(...)In 'Dialog'
benutzt er als Textquellen Alltagssprache sowie eine Auswahl
von konkreten Worten aus der Prinzhorn-Sammlung (Werke
schizophrener Künstler). Als Klänge ordnet diesen Texten
über drei Kassettenrecorder konkret erkennbare Geräusche
und musikalisch strukturierte Passagen zu, die sich mit den Texten
zu einem dichten Geflecht verbinden. Was sich zunächst
theoretisch anhört und auch live eine gewisse
Sprödigkeit besitzt, gewinnt schließlich eine immer
zwingendere Suggestion, die sowohl aus der klang-sprachlichen
Verdichtung erwächst wie aus der auch beim Zuhörer, der
hier auch Zuschauer ist, eintretenden intellektuellen Teilnahme."
Gerhard
Rohde
"Neue Musikzeitung"Juni 97
"Nur selten war bei den 'Wittener Tagen' Kammermusik so intensiv
erlebbar wie in der Vokalperformance von Michael Hirsch."
"Deutsche Welle Köln"29.4.97
"Von Michael Hirsch gab es eine sehr schlüssig wirkende
Simultanaufführung von 'Holzstück I' (1990)
für einen Schlagzeuger und 'Holzstück II'
(1997) für Tonband, die eine subtile Vermittlung von
Instrumental- und Tonband'spiel' bewerkstelligt. Hirschs Anspruch,
daß in seinem Schaffen zwar Elemente von Instrumentalmusik,
Musique concrète, Sprachkomposition, Performance,
Installation und Musiktheater vorkämen, dabei der
multimediale Anspruch aber nicht im Vordergrund stünde, er
vielmehr ein Komponist sei, der ganz selbstverständlich auf
verschiedenen technischen Ebenen arbeite, wird in der sehr
kompakten und konzentrierten Wirkung seiner Stücke immer
eingelöst."
Michael Zwenzner "Neue
Musikzeitung"Februar 98
"Michael Hirschs 'Zeichenlandschaft(Inventar)' dann
als Uraufführung im Nachtkonzert beeindruckte durch die
eigenwillige Musiktheaterauffassung ebenso wie durch die
äußerst präzise Komposition eines elementaren
klingenden und szenischen Materials(...) und nicht zuletzt durch
die konzentrierte Interpretation von Stefan Gabanyi, Cornelius und
Michael Hirsch.Durch ihre autonomen, nur mittelbar aufeinander
bezogenen Vorführungen (an drei Tischen) entwickelten sie
keine Handlung, sondern schufen einen Assoziationsraum zwischen
naivem Selbstvergessen und Bedrohtsein."
Gisela
Nauck
"Positionen"1991 6/7
"In vier Uraufführungen erlebte man unterschiedlichste
Tendenzen zeitgenössischer Komponisten; spannend zu verfolgen
war die fünfte 'Schicht' von Michael Hirschs 'Beschreibung
eines Kampfes' (nach Kafka), (...)Hirsch mischt Konkretes,
Halbverständliches und Abstraktes, strukturiert Details und
täuscht Beliebigkeit vor. Elektronisch verstärke und
verfremdete Wortfetzen (...) eingebettet in den lebendigen
Dschungel einer Klanginstallation."
Helmut
Mauró
"Süddeutsche Zeitung"11.11.92
"Im zweiten Stück benutzt Freyer eine Sprachkomposition des
Münchners Michael Hirsch.(...) Eine erfundene, komplex
geordnete Sprache und spärliche Gesten, Kopfdrehungen,
Zuckungen können auch ohne jede Semantik 'verstanden' werden,
machen absurd-phantastischen Erzählsinn. Eine
schlüssige, sogar unterhaltsame 'Zeitkomposition von Stille,
Soli, Gruppen- und Massenstrukturen ' (Michael Hirsch) als Sprach-
und Bühnenstück."
Wolfgang
Schreiber
"Süddeutsche Zeitung" 5.4.94
"Im zweiten Stück, 'DisTanzen' betitelt,
tritt Sprache zu Geste, Körper, Bewegung.Klang, Musik
entstehen aus dem Sprachklang selbst, werden nicht der sprache
unterlegt. Die Sprachkomposition, die Michael Hirsch für 'DisTanzen'
schuf, besteht aus einem Quadrat von sieben mal sieben Silben, die
senkrecht, waagrecht und diagonal gelesen wrden können. Jeder
der sieben Spieler erhält eine entsprechende Sprachvariante,
die wiederum in eine Zeitkomposition mit Stille, Soli und
Ensemble-Sequenzen eingefügt werden.(...) Demonstriert wird,
wie sich aus der Sprache, ihren klangfarblichen, rhythmischen
Eigenheiten, zugleich, sei es kontrapunktisch oder synchron,
entsprechende Körpersprachen entwickeln, die sich ohne
großeSchwierigkeiten mitzuteilen vermögen.(...) eine
brillante Etude über die enge Verzahnung der
Gestaltungselemente des Theaters, deren didaktischer Wert nicht
hoch genug eingeschätzt werden kann. "
Gerhard
Rohde
"Frankfurter Allgemeine Zeitung" 11.4. 94
"'Die Worte, die Mauern' heißt eine
Tonband-Komposition, die Michael Hirsch im elektronischen Studio
der TU eigens für die Kryptonale und für den kleinen
Wasserspeicher geschaffen hat. Mit wenigen Elementen - neben den
Worten des schizophrenen Dichters Ernst Herbeck sind es vor allem
die knirschenden Geräusche von Schritten, wie sie auch auf
dem unebenen Boden des Wasserspeichers zu hören sind - ,
entsteht die extrem dichte Atmosphäre eines inneren Monologs.
Der innere Ort des Sprechenden mit seinen Assoziationen und
Gedankenströmen scheint sich dem äußeren Ort der
Aufführung zu überlagern und einzuschreiben, so, als
würden sich auch die Zuhörer undZuhörerinnen, die
während der Aufführung umherspazieren konnten, nicht nur
in dem Stück, sondern sogar im Denken des monologisierenden
Subjekts bewegen ."
Sabine
Sanio
"Positionen"Nr.37 Nov. 98
Positionen 51
S.59, Mai 2002
...Eindrucksvoll war in dieser Vielfalt (...) nicht zuletzt
Michael Hirschs "Das Konvolut, Vol. 1" zur Eröffnung,
eine dramaturgisch wie räumlich feinsinnig ausgehörte,
nonverbale Geschichte aus Vokal- Instrumentenklängen und drei
CDs. ...Gisela Nauck
Der Tagesspiegel, 11.03.2002:
"...Mit einem zarten Einstieg in den Kosmos von komponierter
Stille und sich überlappenden Klangverläufen begann der
Cage-Marathon bereits am Nachmittag mit der Uraufführung von
Michael Hirschs "Das Konvolut, Vol. 1". Mitglieder und
Gäste des Kammerensembles Neue Musik (tragender
Klangkörper der Veranstaltung) bevölkerten das Foyer vor
dem großen Sendesaal. Während der Tuba-Spieler
lässig auf einer Liege lagert, gerät die Sängerin
beim Anblick ihrer ausgeschütteten Handtasche in Panik, ein
verwunschenes Streichtrio kontrastiert mit dem aufgekratzten
Dialog zwischen Piccolo-Flöte und Klarinette, die Trommel
probt Gewitter. Vorproduzierte musique concrète aus
Lautsprechern weitet den Klangraum ins Ungewisse. Musik als
Raumspiel, Spielraum, Traumspiel. ..." Ulrich Amling
„ […] Michael Hirsch hat sich in seinem neuesten
Musiktheater „Die Klage des Pleberio“ für Bariton und
Ensemble“, das am 11. November in Berlin uraufgeführt wurde,
einem historischen spanischen Sujet angenommen: Fernando de Rojas
Tragikomödie „La Celestina“ (1499) ? genauer: Dem
Schluss-Monolog des Vaters, der den Liebes-Selbstmord seiner
Tochter gefühls- und wortreich beklagt und in dieser Klage
Gott und die Welt in Frage stellt. Hirsch setzt diese Innenschau,
den inneren Verarbeitungsprozess des Vaters, überzeugend in
eine im Detail differenzierte Klangsprache um und erzeugt doch
gleichzeitig eine starke innere Konsistenz durch statische
Klangbilder, Zentraltöne und wiederkehrende Bewegungsmuster,
die sich immer wieder aus dem Klangstrom ? fast Motivhaft ?
herausschälen und im Wiederkehren den Eindruck des Stroms
eigentlich erst generieren. […] Für die statischen
Klangbilder, aber auch für die monologischen Linien des
Bariton fordert Hirsch konsequent rhythmische Feinheiten oder
setzt a-metrische Unregelmäßigkeiten und erhöht
dadurch die Wirkung der repetitiven dramatischen Elemente und
zugleich den Ausdruck des textes und der Gesangslinien. Im
Einklang mit dieser Konzentration auf kleine, wirkungsvolle
Klangmittel war die Inszenierung von Antje Kaiser: Als zentrales
Element hatte sie an die fünfzig Orangen auf der Bühne
zu einem Feld verteilt: leuchtend und lebhaft farbig zerplatzten
sie unter den mutwilligen oder achtlosen Schritten des
Protagonisten, wurden in ohnmächtiger Trauer und Wut
zerdrückt und plattgetreten, spiegelten den emotionalen
Zustand. […]
Julia Gerlach, Neue Zeitschrift für Musik 1/2006 S.69
Dietholf Zerweck, Eßlinger Zeitung vom 17.3.2007
Stuttgart - Man trifft sich am Tiefbahnsteig der Killesberg-Messe
und steigt in die Stadtbahn. "Stationendrama" nennt Michael Hirsch
sein Musiktheater nach einer Erzählung von Paul Brodowsky,
das nun in der Zeitoper-Reihe der Staatsoper als Koproduktion mit
der Stuttgarter Straßenbahn uraufgeführt wurde. "Die
Zeitoper spielt dort, wo ein Thema, ein Ereignis oder ein Konflikt
seinen Ursprung hat. Dabei werden vorwiegend Orte im
städtischen Raum bespielt". So hat Xavier Zuber, der
Chefdramaturg der Stuttgarter Oper, dieses neue Projekt
angekündigt. Hier ist es die stumme Begegnung eines Mannes
und einer Frau in der U-Bahn, welche im Protagonisten Max einen
Bewusstseinsstrom auslöst. […] In Michael Hirschs
Musiktheater und Lars Frankes Regie changieren die Textsplitter
zwischen Erinnerung und Traum, entsteht aus der Collage von
Lautsprecher-Monolog, elektronisch verstärkten
U-Bahn-Geräuschen, instrumentalen Miniaturen, Schauspieler-
und Sängeraktionen ein Geschehen, das die Zuschauer zu einer
kurzen Reise ins Innere des Ich-Erzählers mitnimmt. […] Ohne
den Aufführungsort wäre der Plot recht banal. Doch so
überlagert sich Öffentliches und Intimes bei der
Wahrnehmung einer ins Unbestimmte driftenden Innenwelt. „Augen.
Haare. Wangen“ singt Göhrig arios. Doch während die
U-Bahn Linie Rachel schlingernd und kreischend der Endstation
entgegen fährt, stammelt er nur noch verloren: "Wie
heißt du?!"
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Interpreten:
Neue Vokalsolisten,
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Kammerensemble Neue
Musik Berlin
modern art sextet
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Freyer-Ensemble
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Sabine
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Theo Nabicht
Barbara Buchholz
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