Ausführliche Informationen zur Oper: "La Didone abbandonata"
Informationen zum Opernprojekt: "La Celestina"
Informationen zum "Stationendrama"
Neu:Informationen zu dem Chor- und Orchesterwerk "Worte Steine"
(letzte Aktualisierung 15. 12.2008)
Foto: R. Podlesny
Geboren 1958 in München.
Lebt seit 1981 in Berlin.
Seit 1976 kontinuierliche kompositorische Arbeit, die
gelegentlich von Theaterarbeit unterbrochen wird:
z.B. Regie-Assistenz bei Achim Freyer am Burgtheater
in Wien. Gelegentliche Regietätigkeit. Mitglied des "Freyer-Ensembles"
und der "Maulwerker".
Zusammenarbeit mit Dieter Schnebel, Josef Anton Riedl,
Helmut Lachenmann u.a.
Die Kompositionen wurden unter anderem bei verschiedenen
internationalen Festivals aufgeführt:
z.B. Donaueschinger Musiktage ,Wittener Tage für
neue Kammermusik, "Klangaktionen", "Musica Viva"(München), "Berlin
in Moskau", "XIII Cigle de musica del segle XX, Barcelona", Dresdner
Tage für zeitgenössische Musik, MaerzMusik (Berliner Festspiele),
Musik-Biennale Berlin u.v.a.
Der wichtigste Arbeitsschwerpunkt der letzten Jahre war
die Komposition für Oper und Musiktheater:
Abendfüllende Oper "Das
stille Zimmer" für die Oper Bielefeld (Uraufführung
5. Mai 2000).
2003/2004 entstand die Kurzoper "La
Didone abbandonata" für die "Dresdner Tage für
zeitgenössische Musik".
Im Jahr 2005 wurde das Musiktheaterwerk "Schatten"
im Auftrag der "Musica Viva" München, die Kammeroper "Eines schönen
Tages" im Auftrag der Staatsoper Hannover, sowie die Kammeroper "Die
Klage des Pleberio" in Berlin uraufgeführt.
2006 enstand eine weitere Kurzoper für die "Dresdner
Tage für zeitgenössische Musik": "Celestina
im Gespräch mit sich selbst".
2007 folgte die Oper "Stationendrama"
für die Stuttgarter Staatsoper.
Kompositionsstipendium der Stadt München 1986.
Elisabeth-Schneider-Preis für Komposition 2001,
Busoni-Kompositionspreis 2005.
2008 Aufenthaltsstipendium in der Villa Serpentara in
Olevano Romano / Italien.
Das Gesamtwerk ist exklusiv verlegt bei
edition
juliane klein
Chodowieckistr.15/1 in 10405 berlin
http://www.editionjulianeklein.de
Werkverzeichnis Neue
Stücke ab 2003 Kommentare
zu älteren Stücken
Kommentare zu neueren Stücken
(ab 2003)
Perioden für ein beliebiges Melodieinstrument (1976)
Und das Summen der Käfer wie gesprungene Glocken
Büchner-Studie für 2 Vokalisten,Flöte,Klavier
und Schlagzeug (1979)
Libro de las preguntas Neruda-Studie für
variable Besetzung (1979)
Uraufführung (Solo-Version mit Live-Elektronik):Bayreuth 1979
(Michael Hirsch, Stimme und Live-Elektronik)
Bühnenmusiken zu Ibsens Gespenster
und Büchners Woyzeck (1978/80)
Neue Stücke ab 2003
Aufführungen 1979-81
Die Sehnsucht des Klaviers ein Orchester zu werden
11 Szenen für Klavier (1982) (zurückgezogen)
(Ist auch Bestandteil von „Il Viaggio“. Zum Teil eingearbeitet in „Memoiren,
2.Buch“)
Tristan-Momente (Bearbeitungen) für Streichquartett
(1983)
Uraufführung: Bayreuth 1983
(Florin Voicu,Violine 1,
Dana Voicu, Violine 2,
Jean Christophe Michallek,Viola,Guillaume
Boulay,Violoncello)
Il Viaggio Musikdramatisches Projekt
für Schauspieler,Sänger,
Musiker und Installationen (1982-83) (zurückgezogen)
Auftragswerk der Stadt Bonn. Uraufführung: Bonn 1983
(Darsteller:Sabine Dornbluth,Thomas Hailer,Angelika Rebhan,
Gudrun Schlager, ein Kammerorchester der Folkwangschule
Essen. Musikalische Leitung:Michael Alexander Richter,
Regie:Michael Hirsch)
...Fenster... Isorhythmische Motette in 72 Atemzügen (1983)
Berühren Atmen Berühren Suchen Berühren für Streichduo (1984)
Das Fünfte Kapitel Szenisches Hörspiel
(1984) (zurückgezogen)
Uraufführung: München 1984
Memoiren,1. Buch , ein Streichquartett (1983-85)
-Atmen
-Lied/Erinnern
(1984)
-Berühren
-Und Fuge
(1985)
-Suchen
Memoiren, 2.Buch , eine Klaviersonate(1983-86)
Uraufführung
zweier Sätze als Bühnenmusiken:
-2.Satz: Köln
1986 (simultan mit "Prometheus 21")(Thomas Kleine, Klavier)
-4.Satz:Bonn 1986
(Thomas Kleine,Klavier)
Prometheus 21 Klanginstallation mit Schauspielern
(1985/86)(zurückgezogen)
Uraufführung: Köln 1986 (Studiobühne)
In den Städten gibt es keine Dunkelheit Installation
(1987/88)(zurückgezogen)
Uraufführung: Berlin 1988 ("Telefunken-Haus")
In Form von Formen für Orchester (1988)(zurückgezogen)
Memoiren 3.Buch , Ein Konzert für 6
Instrumente (1986-91)
-Gespräche
für Flöte und Es-Klarinette (1986)
-Varianten
für Klavier(1989)
-Holzstück
I für einen Schlagzeuger(1990)
Uraufführung:
München 27.11.1997, Gasteig
Festival "Klangaktionen"
(Christian Dierstein,
Schlagzeug)
-Metallteile
für Celesta und Schlagzeug (1991)
Beschreibung
eines Kampfes Musikdramatisches Projekt
nach Franz Kafka (1986-92)
Uraufführungen
einzelner Teile:
-Raum für
ungezähmte Träume
(München 1988,
Gasteig)
(Michael Hirsch,Sprecher,
Zuspielband produziert im
Elektronischen Studio
der TU Berlin, Ltg.:Folkmar Hein
-Zeichenlandschaft/Inventar
(München 1990,
Gasteig)
(Stefan Gabanyi,Cornelius
Hirsch,Michael Hirsch , Objekte)
-Ansprache/Versuch
(Berlin 1990 Akademie der
Künste -Ost)
(Michael Hirsch, Leser,Objekte)
-Reaktion /Kommentar
(München 1992,Gasteig)
(Michael Hirsch,Performance)
-Basler Version "Bruchstücke
aus 'Beschreibung eines Kampfes' "
(Basel 1995, Kunsthalle)(Aniara
Amos,Michael Hirsch, Robert
Podlesny, Sprache
und Objekte)
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Der Schlaf. Eine nächtliche Szene (Hörspiel,
WDR 1993) Neue
Stücke ab 2003
Produziert im "Studio Akustische Kunst"(Ltg. Klaus Schöning)
"Acustica International" 1993
Improvisation für Celesta (1993)
Uraufführung: Glasgow 1996 (Version für Klavier)
(Ariane Jeßulat, Klavier)
26 Listen. Ein Vorrat für Musiktheater (1993)
Tagesreste. Ein Stummes Spiel (1994)
Uraufführung: München 1994 (Gasteig)
Simultan mit Live-Zuspielung des Hörspiels "Der Schlaf"
(Michael Hirsch,Performance)
DisTanzen Komposition für 7 Stimmen (1994)
Uraufführung: Bonn 1994 (Oper der Stadt Bonn,Bundeskunsthalle)
( "Freyer-Ensemble", Regie: Achim Freyer)
Zu 14 Händen für 7 Pianisten an einem
Klavier (1995)
Uraufführung: Berlin 1995 ("Die Maulwerker", Klavier)
Zwei Liederzyklen für einen Sprecher (1992-95)
-Lieder nach
Texten aus dem täglichen Leben für 1 Sprecher(1992-93/95)
Uraufführung
1.Fassung :Berlin 1994
Uraufführung
2.Fassung: Donaueschingen 1995
(Michael Hirsch,Sprecher)
-Reiterin-Variationen
für 1 Sprecher (1995)
Uraufführung:
Rümlingen 1995 ("Neue Musik in Rümlingen")
(Michael Hirsch,Sprecher)
Mouvement à 5(pour A.G.) für
Klavier,Harfe oder Gitarre,
Glockenspiel, Sprache und Geräusche (1995)
Uraufführung: Rümlingen 1995("Neue Musik in Rümlingen")
(Aniara Amos,Klavier, Christian Kesten, Gitarre,Michael Hirsch,
Glockenspiel, Robert Podlesny, Geräuschemacher)
Hirngespinste. Eine
nächtliche Szene für 2 Spieler mit Akkordeon
(1996)
Uraufführung:München 1996 ("Musica Viva")
(Teodoro Anzellotti, Akkordeon, Robert Podlesny,Akkordeon
und Sprache)
Kopfecke, Wunderhöhle. Musik für
3 Sprecher,3 Kassettenrecorder,
1 Geräuschemacher,Klavier und Holztrommeln (1996)
UA: 5.4.2002, Berlin
Odradek. Ein Roman für Ensemble (1994-97)
(Flöte ( auch Piccolo ),Klarinette,Alt-Saxophon,Konrafagott,Trompete,
Posaune,Tuba.
Schlagzeug,Klavier,Violine 1,Violine 2, Viola, Violoncello,Kontrabaß
.)
Auftragskomposition für die "Musikfabrik NRW"
(1998 revidiert )
Dialog für
2 Sprecher,Klänge und Gegenstände (1997)
Auftragskomposition des WDR
Uraufführung : Wittener Tage für neue Kammermusik 1997
(Robert Podlesny, Michael Hirsch, Sprache und Objekte)
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Das graue Buch Radiophone Komposition (SR 1997)
Produziert beim Saarländischen Rundfunk (Redaktion:Wolfgang Korb)
mit Robert Podlesny und Michael Hirsch.
Septembersommer für mittlere Singstimme und
Klavier nach F.C.Delius (1997)
Auftragskomposition für Deutschlandradio
Uraufführung: Ludwigslust 1997 ("Stimmen im Sommer")
(Markus Köhler,Bariton, Vladimir Stoupel,Klavier)
Holzstück II
musique concrète (1997)
Produziert im Elektronischen Studio der TU Berlin
(Ltg. Folkmar Hein)
Uraufführung(Version für 2 x 5 Lautsprecher): Berlin 1997
Passagen/Szenen für
Flöte, Klarinette, Klavier, Violine, Viola und Violoncello (1997)
Auftragskomposition für das Ensemble Musica Temporale
Uraufführung: Dresden 6.10.1998 "Dresdner Tage für zeitgenössische
Musik" (Ensemble Musica Temporale)
Tischszene für 2 Spieler an einem Holztisch
(1997-98)
Uraufführung: Berlin 25.4. 1998
(Robert Podlesny und Michael Hirsch)
Le carnet d'esquissefür
Kammerensemble(1997-98)
(Baßflöte/Piccoloflöte, Klarinette, Klavier,
Schlagzeug, Viola und Violoncello)
komponiert für das Ensemble "TrioLOG"
-Quartettversion
für Klarinette, Violoncello,Klavier und Schlagzeug
Uraufführung:Barcelona
("XIII Cigle de m·sica del segle XX" ) 15.6.1998
(Jörg Widmann,
Klarinette, Yves Savary, Violoncello,
Jan Philip Schulze,
Klavier , Stefan Blum, Schlagzeug)
-Sextettversion
für Flöte, Klarinette, Violine, Violoncello, Klavier und Schlagzeug
Uraufführung:
München 25.11.1998
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Bastard für Klavier
(1997-98)
Uraufführung: Bielefeld 20.November 1999
(Renata Helmich, Klavier)
Die Worte, die Mauern(1998)
produziert im elektronischen Studio der TU Berlin (Ltg.Folkmar Hein)
Uraufführung: Berlin 11.September 1998
Starren Träumen Wittern Zögern
Musikalische Szene mit Texten von Ernst Herbeck (für
Ensemble) (1998)
für das Ensemble "Zwischentöne" (Ltg. Peter Ablinger)
Uraufführung: Berlin 8.November 1998
Duette aus "Le carnet d'esquisse" (1998)
-Folge 1 für Klarinette
und Violoncello
-Folge 2 für Piccolo-Flöte
und Violine
(beide Folgen auch simultan aufführbar)
Holzstück III für 2 Spieler (1999)
Holzstück IV musique
concrète (1999)
Uraufführung (Holzstück III und IV): Bad Wildbad 11.7.19999
("Ars nova"- Konzert des Südwestrundfunks im Rahmen des
Festivals "Rossini in Wildbad",
mit Robert Podlesny und Michael Hirsch)
...Kleinigkeit etwas mehr Meer...
für 2 Sprecher, 2 Schlagzeuger, Posaune, Tuba, Akkordeon
und Tonband.(1998/99)
Kompositionsauftrag des Südwestrundfunk
Uraufführung : 15.10.1999 Donaueschinger Musiktage
(Anna Clementi, RobertPodlesny, Teodoro Anzellotti, Christian Dierstein,
Werner Hofmeister, Stefan Froleyks, Werner Puntigam)
Winterkampagne nach einem Text von Ursula
Krechel
für Tenor, Klavier und 3 Kassettenrecorder (1999)
Auftragskomposition für Deutschlandradio
Uraufführung: Ludwigslust 1999 ("Stimmen im Winter")
(Seongju Oh,Tenor und Moritz Eggert, Klavier )
Das stille Zimmer
Oper nach Texten von Ernst Herbeck (1998/99)
Kompositionsauftrag des Theater Bielefeld
Uraufführung :5.5.2000 Theater Bielefeld, Grosses Haus
(mit Deborah Lynn Cole, Cornelie Isenbürger, Annina Papazian,
Mojca Vedernjak , Vera Ilieva (Sängerinnen),
Robert Podlesny, Rainer Homann, Michael Günther, Helmut Westhausser,
Johannes R. Voelkel (Schauspieler),
die Bielefelder Philharmoniker , musikalische Leitung: Geoffrey Moull,
Regie: Michael Hirsch.)
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Zwei Stücke
für Dieter Schnebel
-Trio 1 (1999)
für Klarinette,
Violine und Violoncello
Uraufführung : 8.4.2000
Berlin, Akademie der Künste
(ensemble recherche)
-Duo für
2 Spieler und Tonband (2000)
Uraufführung : 11.3.2000
Berlin, Podewil
Robert Podlesny und Michael
Hirsch
anlaufen aufschwingen abstürzen
Monolog für 5 E-Gitarren (2000)
(Komponiert für das Ensemble Go Guitars)
Uraufführung : 29.10.2001 München, Gasteig
Monolog für Piccolo-Flöte
(Komponiert für Carin Levine)
Uraufführung : 29.10.2001 München, Gasteig
Carin Levine, Piccolo-Flöte
Monolog für Klavier
Uraufführung : 18.9.2007, Berlin, BKA,
Andreas Staffel, Klavier
Chronik in Augenblicken
Ein Konzert für Ensemble(2000/2001)
(Flöte, Klarinette,Fagott, Posaune, Harfe, Klavier, Schlagzeug,
Viola, Violoncello und Kontrabaß)
Uraufführung 30.Juni 2001, Freiburg
(Ensemble Aventure)
Trio 2 (2001)für Flöte, Klavier und Schlagzeug
(komponiert für Carin Levine, Tomas Bächli und Claudia Sgarbi)
UA: 29.11.2001, Berlin
Das Konvolut, Vol.1(2001)(für
Sängerin, Piccolo-Flöte,Klarinette,Tuba,Streich-Trio und CD-Zuspielungen)
Kompositionsauftrag der Berliner Festspiele
für das Festival MaerzMusik 2002 in Berlin
UA: 9.3.2002 (Kammerensemble Neue Musik Berlin und Anna Clementi, Stimme)
daraus einzeln aufführbar:
-Opera für
eine Sängerin mit CD-Zuspielung
UA: 16.4.2002, Boras (Schweden)(Anna Clementi, Stimme)
-Improvisation
für große Trommel und CD-Zuspielung
UA: 3.10.2002, München (Stefan Blum, große Trommel)
Das Konvolut, Vol.2(2002)(für
7 Darsteller/Sprecher, Flöte, Violine, Klavier, 2 Schlagzeuger und
2 CD-Player)
daraus einzeln aufführbar:
-Studie 1
(für 5 Darsteller und CD-Zuspielung)
UA: 5.4.2002, Berlin("Die Maulwerker")
-Studie 2 (für
1 Sprecher, 1 Sprecherin, Flöte, Violine, Klavier 2 Schlagzeuger und
CD-Zuspielung)
UA: 15.6.2002, Berlin("Ensemble Zwischentöne")
-Studie 3
(für 5 Darsteller/Sprecher und CD-Zuspielung)
Drei Episoden aus "Das Konvolut, Vol.3 " (musique concrète)(2002)
Eine Handvoll Skizzen
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für 4 Klarinetten (2002)
Uraufführung: Berliner Klarinettenquartett,
„Randspiele“ Zepernik, 2002
Skizzen Monolog Begleitung (aus
Das Konvolut, Vol.4-6 )
für Sprecher, Schlagzeuger und CD (2003)
Uraufführung: Michael Hirsch, Stefan Blum, München 2003
50 Gestalten Episoden Figuren
für Ensemble, Sprecher und CD-Zuspielung (2003)
Uraufführung: Berlin 2005
La Didone abbandonata
Dramma per musica nach einem Libretto von Pietro Metastasio
(2003/2004)(auch konzertant aufführbar) zurück
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Kompositionsauftrag des Dresdner Zentrums für zeitgenössische
Musik
Besetzung: Didone (Mezzosopran), Enea (Bariton)
Kammerensemble: Piccolo-Flöte, Klarinette (auch Bass-Kl.), Posaune,
Akkordeon,
2 Schlagzeuger, 2 Violinen, Viola, Violoncello, 2 CD-Player.
Uraufführung: Dresden (Festspielhaus Hellerau) 1.10.2004
Didone: Claudia Neubert, Sopran,
Enea: Daniel Ochoa, Bariton
Ensemble Courage
Regie: Rainer Holzapfel
Musikalische Leitung: Titus Engel
Notizen am Rande
für Streichquartett und Saxophonquartett (2004)
Uraufführung: Berlin 23.10. 2004
Bastard 2 ("La Didone")
für Klavier (2004)
Rezitativ und Arie
für 2 Theremine, Violine,Violoncello, Klavier und
Schlagzeug (2004)
Uraufführung: Barbara Buchholz, Lydia Kavina, Kammerensemble
Neue Musik Berlin
Weimar 30.3.2005
Schatten
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Musiktheater für 5 Vokalisten und Kammerensemble
(2004/2005)
Kompositionsauftrag des Bayrischen Rundfunks
Uraufführung: Kammerensemble Neue Musik Berlin + Die Maulwerker
München 15.4.2005 („Musica Viva“)
Eines schönen Tages (2004/2005)
Oper für ein Hotel (nach einem Libretto von
Alexander Weil)
Auftrag der Staatsoper Hannover,
Uraufführung: Hannover 27.4.2005
Ulrike Spengler, Sopran, Christoph Rosenbaum, Tenor, Frank
Schneiders, Bariton
Orchester-Solisten der Staatsoper Hannover
Musikalische Leitung: Bernhard Epstein
Regie: Lars Franke
Dramaturgie: Xavier Zuber
Symposion
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für Baßklarinette, Akkordeon, Violine, Violoncello,
Klavier, Posaune, Tuba und CD (2004/2005)
(auch Version für Baßklarinette, Akkordeon, Violine, Violoncello,
Klavier und CD)
Uraufführung: Modern Art Sextett, Berlin (Akademie der Künste)
7.6. 2005
daraus: Quartett
für Baßklarinette, Akkordeon, Violine, Violoncello
(2004/2005)
Spuren einer Oper
für Klarinette, Akkordeon, Violoncello und
Celesta (2005)
Uraufführung: Modern Art Sextett, Berlin (Akademie der Künste)
7.6. 2005
Casino
für 3 Gruppen von Spielern (2005)
Uraufführung: München 17.11.2005
Arbeitsgemeinschaft Klangexperimente Gymnasium Brandis
Ltg.: Erwin Stache, Benjamin Stache
Die Klage
des Pleberio
Oper nach einem Text von Fernando de Rojas (2005)
(auch
konzertant aufführbar)
Besetzung: Pleberio:Bariton
Kammerensemble: Flöte, Klarinette, Trompete, Akkordeon,
Harfe, E-Gitarre, Klavier, Vibraphon,
2 Violinen, 2 Violoncelli, CD-Zuspielung.
Uraufführung: Berlin (Klangwerkstatt) 11.11.2005
Pleberio: Simon Berg, Bariton
Ensemble Experimente, Ltg.: Gerhard Scherer
Regie: Antje Kaiser
Dauer: 30 Minuten
Spiel
für 4 Spieler und CD-Zuspielung (2006)
UA: 1.5. 2006 München "Fussball Globus"
Die Maulwerker
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Dauer: 5 Minuten
Celestina
im Gespräch mit sich selbst (auch konzertant
aufführbar)
nach einem Text von Fernando de Rojas (2006)
Besetzung: Celestina (Tenor)
Kammerensemble: Flöte, Klarinette, Bassklarinette
Trompete, Horn, Posaune,
Akkordeon, Harfe, Schlagzeug,
2 Violinen, Viola, Violoncello, Kontrabass.
Uraufführung: Dresdner Tage für zeitgenössische Musik
3.10.2006
Celestina: Clemens C. Löschmann, Tenor
Leipzig Sinfonietta, Ltg.: Arturo Tamayo
Dauer: 17 Minuten
Prosa
für Akkordeon und Marimbaphon (2006)
Uraufführung: München 14.10.2006
Konstatin Ischenko, Akkordeon,
Wolfram Winkel, Marimbaphon
Dauer: 13 Minuten
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Stationendrama
Oper in einer U-Bahn (2007)
Text: Paul Brodowsky und Johanna Schweizer
nach der Erzählung "Rachel" von Paul Brodowsky
Kompositionsauftrag der Staatsoper Stuttgart.
Uraufführung: Stuttgart 15.3.2007
Sänger: Anna Escala, Barbara Friebel, Anna Escala, Heinz Göhrig
Kammerensemble: Milo Machover (Fl..), Nicole Krüger (Klar.),
Teddy Ezra (Bass-Kl.), Joe Steele (Pos.), Anne-Maria Hölscher
(Akk.)
Regie: Lars Franke, Ausstattung: Ima E. Thume,
Dramaturgie: Barbara Tacchini, Tonregie: Niko Lazarakopoulos
Dauer: 60 Minuten
"aufgestaut angespannt
abgebrüht"
für Piccolo-Flöte, Klavier und Marimbaphon (2007)
UA:27.09.07 Berlin, Festival "Interface" (Ballhaus Naunynstr.)
Trio Nexus: Erik Drescher, Tomas Bächli, Claudia Sgarbi
Dauer: 15 Minuten
"Würgeengel-Fragment"
für CD, Oboe, Viola und Horn (2007)
UA: 13.10.07 Berlin, "Pyramidale"
Simon Strasser (Ob.), Karen Lorenz (Va.), Noam Yogev (Hrn.)
Dauer: 6 Minuten
"mit einem gewissen Pathos"
für Akkordeon, Klavier und 2 Theremine (2007)
UA: 4.11.07 Berlin "Klangwerkstatt" (Ballhaus Naunynstr.)
Nancy Laufer, Heather O' Donell, Lydia Kavina, Barbara Buchholz
Dauer: 17 Minuten
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Worte
Steine (fragmentarische Fassung)
für Bariton-Solo, Chor und Orchester
Orchester-Besetzung:
3 Fl. (auch Picc.), 3 Kl. (auch Bass-kl.), 3 Fg. (auch Kontra-Fg.)
3 Trpt., 4 Hrn., 4 Pos.
2 Schlgzg., Hrf., Klavier, Celesta
Streicher
Voraufführungen der fragmentarischen Fassung:
04.06.08. / 05.06.08 Stralsund
12.06.08 Greifswald zur Eröffnung der Greifswalder Bachtage
Benno Remling, Bass-Bariton,
Opernchor des Theaters Vorpommern
Philharmonisches Orchester Vorpommern
Einstudierung des Chores: Thomas Riefle
Ltg.: Prof. Mathias Husmann
Dauer: ca. 30 Minuten
Celestina
im Gespräch mit sich selbst (2. Fassung für
kleineres Ensemble)
nach einem Text von Fernando de Rojas
Besetzung: Celestina (Tenor)
Kammerensemble: 1 Klarinette (auch Bassklarinette),
Posaune, Akkordeon, Schlagzeug,
2 Violinen, Viola, Violoncello.
Dauer: 17 Minuten
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Tragicomedia
nach Fernando de Rojas "Celestina"
für 6 Gesangs-Solisten
UA: 7.2. 2009 Stuttgart Festival "Eclat"
Neue Vocalsolisten Stuttgart
Regie Matthias Rebstock
Video Steffi Weismann
Raum und Kostüme Sabine Hilscher
Dauer: 30 Minuten
Streichquartett
Dauer: 30 Minuten
Worte Steine
für Bass-Bariton-Solo, Chor und Orchester
Orchester-Besetzung:
3 Fl. (auch Picc.), 3 Kl. (auch Bass-kl.), 3 Fg. (auch Kontra-Fg.)
3 Trpt., 4 Hrn., 4 Pos.
2 Schlgzg., Hrf., Klavier, Celesta
Streicher
UA der vollständigen Fassung: 9.6.2009 Greifswald (8. Philharmonisches
Komzert)
weitere Aufführungen 10.6. Greifswald, 17.6./18.6.2009 Stralsund
(8. Philharmonisches Komzert)
Benno Remling, Bass-Bariton,
Opernchor des Theaters Vorpommern
Philharmonisches Orchester Vorpommern
Einstudierung des Chores: Thomas Riefle
Ltg.: Prof. Mathias Husmann
Dauer: ca. 45 Minuten
La
Celestina
Oper nach Fernando de Rojas
Es handelt sich um ein formal offen angelegtes Musiktheater-Projektes,
das Kafkas Text "Beschreibung eines Kampfes" zur Grundlage hat. Dabei
handelt es sich freilich nicht um eine Dramatisierung der Erzählung,
sondern um eine freie musikdramatische Reaktion auf die Lektüre des
Textes - wie ein Spaziergang nach der Lektüre, bei dem das Klima des
Textes sowie einzelne Bilder und sprachliche Klänge im Kopf des Lesers
zu wuchern beginnen. Das Projekt als Ganzes besteht nicht aus einer
in sich geschlossenen Partitur, sondern aus einem Konvolut verschiedener
Aufzeichnungsformen. Die Form des Konvoluts ermöglicht die Koexistenz
in sich geschlossener und konventionell notierter Kompositionen mit Konzept-Stücken,
Verbalpartituren, Tonbandmusik, Sprachkomposition und theatralen Improvisationsansätzen.
Neben der Möglichkeit einer musiktheatralen Gesamtaufführung
kann man die verschiedensten Materialien auch in kleinerer Auswahl zu Aufführungsversionen
mit dem Titel "Bruchstücke aus 'Beschreibung eines Kampfes'
nach Franz Kafka" montieren. Außerdem enthält das
Konvolut in sich geschlossene Kompositionen, die auch einzeln aufführbar
sind, wie zum Beispiel Tonbandkompositionen, Solo-Stücke und
diverse Mischformen.
zurück zur Homepage WerkverzeichnisKontakadresse Neue Stücke ab 2003
Spieler A ist Akkordeonspieler, sein Part wurde für
Teodoro Anzellotti geschrieben, und Spieler B ist Schauspieler,
sein Part entstand für Robert Podlesny. Die beiden Parts sind
bis auf wenige Koordinationspunkte nicht miteinander synchronisiert.
In getrennten Stimmen entspricht die Notation der jeweiligen Profession
des Spielers: Der Musikerpart ist in traditioneller Notenschrift fixiert,
während der Part des Schauspielers aus einer kleinen Sammlung von
verbalen Regieanweisungen und Texten besteht.
Durch die Besetzung der beiden Spielerparts mit einem Musiker und einem
Schauspieler werden die Elemente von Theater und Musik voneinander getrennt
miteinander konfrontiert. Dementsprechend unterschiedlich ist die
Funktion des Akkordeons für die beiden Spieler. Der Musiker benützt
es ausschließlich als Musikinstrument, während der Schauspieler
durch die Übersetzung seiner eigenen Atemvorgänge mit dem Blasebalg
des Akkordeons das Instrument zur Verlängerung und Vergrößerung
des Körpers benützt. Im Zusammenspiel beider Ausführender
entsteht so eine musikalische Szene, die zwar kein ausgesprochenes Musiktheater
ist, da eine dezidiert optische Komponente fehlt, die aber über die
Ausdrucksbereiche reiner Instrumentalmusik hinausgeht. Auch die quasi szenische
Konstellation(die Spieler sitzen Rücken an Rücken) bewirkt, daß
die Parts gewissermaßen ihre Charaktere aufeinander abfärben.
"Hirngespinste" hat als poetischen Ausgangspunkt eine
Art Schlafsituation. Dies ist freilich nur ein vager Bezugspunkt, von dem
aus sich ein Gespinst von musikalischen Assoziationsketten entwickelt.
Dem Prinzip der Assoziationskette entsprechend verzichtet die Komposition
auf ein stringentes, logisch geschlossenes Material. Der Kornpositionsprozeß
ähnelte zeitweise dem auf dem Gebiet der Literatur von den Surrealisten
betriebenen "automatischen Schreiben". Darüberhinaus entstand
die Kompositon gewissermaßen in mehreren Anläufen, indem die
zuerst geschriebenen Fragmente fotokopiert, als Versatzstücke neu
zusammengesetzt und schließlich mit weiterem Material überschrieben
wurden.
Das sprachliche Material des Schauspielers entstand in einem ähnlichen
Prozeß einer Verdichtung in mehreren Anläufen.
So unterschiedlich, ja geradezu gegensätzlich die Parts der beiden
Spieler in Struktur und Material auch sind, könnten sie zu einer einzigen
szenischen Figur zusammenwachsen, die sie gewissermaßen in verschiedenen
Schichten darstellen.
"Hirngespinste" wurde von der internationalen Jury für
die Weltmusiktage in Manchester 1998 ausgewählt.
zurück zur Homepage WerkverzeichnisKontakadresseNeue Stücke ab 2003
In "Dialog für 2 Sprecher,Klänge und Gegenstände"
(1997)
mischen sich Elemente von Sprachkomposition, musique concrète, Klanginstallation
und Performance. Allerdings laufen diese Ebenen nicht unabhängig nebeneinanderher,
sondern sind in das Beziehungsgeflecht der übergeordneten musikalischen
Komposition eingebunden.
Die Parts der beiden Sprecher in "Dialog" etablieren keine
Sprache, die inhaltlich entschlüsselt werden will. Andererseits handelt
es sich aber auch genausowenig um eine von Semantik freie abstrakte Lautpoesie.Sie
ist eine Sprach-Klanglandschaft voller gleichsam frei schwebender semantischer
Felder in einem nicht semantischen phonetisch-musikalischen Zusammenhang.
Die Assoziationsräume, die auf der semantischen Ebene erschlossen
werden, werden nicht nur durch einige Wortsplitter, Worte und Satzteile
erzeugt, die man momentan versteht,oder auch nur zu verstehen glaubt, sondern
es entstehen punktuell auch Splitter konkreter Gesprächssituationen,
sowie Sprechweisen, die psychische Befindlichkeiten suggerieren und somit
eine semantische Ebene unterhalb der Wortbedeutungen etablieren.
Die im Untertitel - "für 2 Sprecher,Klänge und Gegenstände"
- lapidar mit "Klänge" bezeichnete Ebene besteht aus einer Installation
von drei kleinen Kassettenrecordern und einem Luftmikrophon. Für die
Klänge auf den Kassetten gilt im Grunde das Gleiche wie für die
Sprache: Sie schwanken zwischen konkreter Erkennbarkeit (und damit einer
latenten Semantik) und einer rein musikalisch-strukturellen Erscheinung.
Das Klanggeflecht der Kassettenrecorder bildet ein quasi "orchestrales"
Netz, in das sich die Solostimmen der Sprecher verweben.
"Passagen /Szenen" entstand 1997 im Auftrag des Ensembles Musica
Temporale und wurde bei den Dresdner Tagen für zeitgenössische
Musik 1998 uraufgeführt. Der kompositorische Prozeß glich in
etwa einer Assoziationskette. Es existierte zu Beginn der Komposition keinerlei
(etwa im Sinne serieller Prinzipien) präkomponiertes Material, das
dem ganzen Stück zugrunde liegen würde. Vielmehr entstand das
Material beim Komponieren fast wie bei einer Improvisation. Für kurze
Zeit wurden gewisse formale Richtlinien festgelegt, die dann aber wenige
Seiten später wieder aufgegeben und durch andere ersetzt wurden. So
spiegelt der Verlauf des Stückes den Kompositionsprozeß selbst
wieder . Innerhalb der traditionell notierten Partitur gibt es immer wieder
die mit Szene überschriebenen Blätter, welche die
tradtionell ausnotierten Passagen immer wieder unterbrechen. Die Szenen
enthalten kurze verbale Spielanweisungen, die musikalische Einheiten evozieren,
die in ihrer Bildhaftigkeit, oder in ihren psychologischen oder quasi naturalistischen
Assoziationsfeldern über die Möglichkeiten der traditionellen
Notation hinausgehen.
Es handelt sich dabei keineswegs um Improvisationen. Die knappen verbalen
Anweisungen sollen in möglichst präzise umrissene musikalische
Bilder übersetzt werden. So kann die paradoxe Wirkung entstehen,
daß die streng und traditionell notierten Passagen zuweilen einen
quasi improvisatorischen Eindruck vermitteln, während den nur verbal
definierten Szenen eine gewisse Strenge eignet.
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Der Titel "Le carnet d'esquisse" hat einen anekdotischen
und einen strukturellen Hintergrund. Er entstand, nachdem ich auf der Suche
nach einem Notizbuch für meine konzeptionellen Gedanken und Entwürfe
zu dem Stück auf eines gestoßen bin, das ich ein paar Jahre
zuvor gekauft hatte: Auf seinem Cover waren die Worte "Le
carnet d'esquisse" gedruckt. Interessant wurde für mich dies freilich
nur dadurch, daß ich mir bis dahin tatsächlich die Struktur
des Stückes als eine Art Skizzenbuch vorstellte. Diese Koinzidenz
ersparte mir diesmal die sonst manchmal etwas quälende Titelsuche
schon im Vorfeld der Komposition.
Es existiert keine den zeitlichen Verlauf des Stückes synchronisierende
Partitur, sondern eine Sammlung von Skizzen , das sind kurze Soli und Duos,
für jeden Instrumentalisten. Diese Skizzen laufen aber nicht gänzlich
isoliert nebeneinander her, sondern es gibt ein System von Verknüpfungspunkten,
nach welchem die Musiker sich durch das gegenseitige Geben von Einsätzen
den Ablauf regeln.
Zu Beginn jeder Skizze ist angegeben, von welchem Spieler der
Einsatz dafür kommt. Innerhalb der Skizzen sind die Stellen
markiert, an denen der Spieler einem anderen Spieler einen Einsatz geben
muß.
Für jedes Instrument gibt es ferner ein Blatt mit dem Titel "tabula
rasa", das kurze verbale Anweisungen enthält."Tabula rasa" bezeichnet
eine minimale musikalische Aktivität, die der Spieler immer dann ausführen
kann, wenn er gerade nicht mit dem Spielen seiner Skizzen beschäftigt
ist . Sie ist gewissermaßen der musikalische Ruhezustand des Spielers.
Ihre musikalische Funktion innerhalb des Stückes ist es, die unterschiedlichen
Skizzen in ein gemeinsames "Klima" einzubinden.
Die für das Ensemble "TrioLog" geschriebene Komposition entstand
in zwei Anläufen: Für die Uraufführung in Barcelona schrieb
ich eine Quartettversion für Klarinette, Cello, Klavier und
Schlagzeug. Die in München uraufgeführte Sextettversion enthält
ferner ein Duo für Piccoloflöte und Violine, das seinerseits
aus fünf Skizzen besteht.
Im Jahr 1996 wurde meine "Improvisation für Celesta"
in Glasgow in einer von mir damals autorisierten Version für Klavier
uraufgeführt. Außer einer grundsätzlichen Nivellierung
der dynamischen Werte und ihre Reduzierung auf den p-ppp- Bereich, um den
massiven Klavierklang dem Charakter der Celesta ein wenig anzugleichen,
blieb die Komposition in jener "Version für Klavier" unverändert.
Im Nachhinein erschien mir freilich die Autorisierung der Klavierversion
als leichtfertig, da die Klanglichkeit des Stückes ganz auf die der
Celesta bei der Komposition "ausgehört" war und somit die Wirkung
des Stückes unter einer Aufführung mit Klavier deutlichen Schaden
nimmt. Dennoch erschienen mir eine ganze Reihe von Passagen dieser Komposition
als durchaus "klaviertauglich", und so geisterten diese durch die Klavierparts
zweier Kammermusikstücke, dem im Auftrag des Deutschlandradios komponierten
Klavierlied "Septembersommer" und der Ensemblekomposition
"Passagen/Szenen".
Der Wunsch diese Bruchstücke aus dem Celestastück schließlich
einmal auch in einem veritablen Klavierstück zu verwenden, war
indes weiterhin immer wieder präsent. Gleichzeitig fiel mir auf, daß
es auch eine Reihe "klaviertauglicher" Stellen in meinem Akkordeonstück
"Hirngespinste" gibt, sowie Passagen in den Klavierparts größer
besetzter Kammermusikstücke, die ihrerseits auch solistisch gespielt
werden könnten. So komponierte ich aus Elementen aller dieser unterschiedlichen
Quellen schließlich das Klavierstück "Bastard" .
"Bastard" ist also - salopp formuliert - gewissermassen aus
meinen eigenen Stücken "zusammengeklaut". Dennoch ist keine
"Collage" aus verschiedenen Versatzstücken entstanden, sondern
eine vollkommen eigenständige Komposition , mit einer durch die Neu-Komposition
der diversen Elemente ganz autonomen musikalischen Dramaturgie, die den
kontrastierenden Kräften des Stückes eine Geschlossenheit verleiht.
Der Kompositionsprozeß an "Bastard" ist möglicherweise
nicht abgeschlossen. Er kann jederzeit weiterwuchern bis zu einem großformatigem
Klavierwerk. Auch in diesem Fall würde dann die vorliegende Fassung
nicht verworfen werden, sondern als ein erstes Stadium der Arbeit, gewissermaßen
als "Urfassung" weiterexistieren. Schließlich wuchert "Bastard"
auch noch in andere Arbeiten hinein. Durch die Neuverwertung und Transformation
von Elementen vorhandener Stücke in anderen Kompositionen hat sich
allmählich zwischen fast allen Instrumentalkompositionen der letzten
Jahre ein dichtes Netz von Beziehungen und Querverweisen entwickelt, das
über das Element des Selbstzitats hinausgeht. So finden sich vereinzelte
Materialien aus "Bastard" in transformierter und orchestrierter Form
auch in meiner Oper "Das stille Zimmer" wieder.
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Stücke ab 2003
Holzstück I (1990)
Holzstück II(1997)
Holzstück III und IV (1999)
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Trio 1
für Klarinette, Violine und Violoncello (1999)
Wichtiger Ausgangspunkt für das "Trio" war das Material
des Sextetts "Le carnet d'esquisse" , welches aus "Skizzen" besteht,
die von vorneherein so angelegt waren, daß sie Materialbasis für
weitere Kompositionen werden können. Auch die Oper "Das stille
Zimmer" bedient sich gelegentlich aus diesem Pool.
Das "Trio" selbst ist eine etwa 8 minütige
Komposition mit einer schlichten antiphonischen Struktur, die sich aus
der Konfrontation dreier kontrastierender Satztypen ergibt, denen jeweils
deutlich voneinander getrennte Ausdrucksbereiche und formale Funktionen
zugeordnet sind . Durch die Konfrontation der Elemente dieser
drei Ebenen entstehen verschiedene innere Entwicklungen, Konflikte und
Spannungsverläufe in einem offenen musikalischen Feld
- wie in einer Art "Gesprächssituation" zwischen drei musikalischen
Subjekten.
Duo
für 2 Spieler und Tonband (2000)
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Bei der Projektierung des Gesamtwerkes "Das Konvolut" habe
ich mir in keiner Weise vorgegeben, welche Form von Musiktheater dabei
letztendlich entstehen soll. So kann am Ende durchaus ein Stück stehen,
das in seinem Verlauf seine Gattungszugehörigkeit ständig wechselt:
Der Anteil des Theatralen kann dabei zeitweise vollkommen verschwinden
zugunsten rein konzertanter Phasen und umgekehrt: Es kann auch theatrale
Phasen geben, bei denen der Musikanteil gegen Null geht. Schließlich
kann das Ganze zeitweise auch zur veritablen Oper mutieren. Inwieweit sich
im Verlauf der Arbeit so etwas wie ein roter Faden als quasi narrative
Handlung entwickelt, welche thematische Schwerpunkte sich herausbilden
werden usw. ist im Moment, da ich noch am "Volumen 2" arbeite,
noch weitgehend offen. Es liegt natürlich nahe, daß die Frau
am Tisch im Foyer, die das Monodram im "Volumen 1" gespielt
hat, in späteren Volumina auf der Bühne wieder auftaucht. Ebenso
muß mit den 5 stummen Darstellern aus "Volumen 2" im
Anschluß irgendwas passieren. Dasselbe gilt für das subkutane
Beziehungsdrama der beiden Vokalisten aus der "2. Studie zu Volumen
2" . Ich habe mir also in den ersten Volumina bewußt Spuren
in die verschiedensten Richtungen gelegt, denen ich folgen kann, oder auch
nicht.
Die Dramaturgie des Stücks entsteht gewissermaßen wie ein
offener, vegetativer Prozeß, der durch neue Ideen in eine vollkommen
neue Richtung umgelenkt werden kann. Am Ende soll aber ein in sich geschlossenes
Werk stehen, dem man freilich die Offenheit des Entstehungsprozesses und
den Konvolut-Charakter ansehen und anhören wird.
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Eine Oper nach, über und für Ernst Herbeck
Es geht hier nicht um die Darstellung eines klinischen Befundes
("Schizophrenie") und schon gar nicht um die Darstellung der Psychiatrie
oder um Kritik an ihr. Der schizophrene Dichter soll hier stellvertretend
stehen für die menschliche Existenz in einer unbewältigten und
entfremdeten Welt. Die Welt wird in nicht mehr vereinbaren Trümmern
und Splittern wahrgenommen und dargestellt. So ist auch die "Handlung"
dieser Oper nicht diskursiv, sondern ein breites Assoziationsfeld,
das in seiner Bildhaftigkeit und Struktur der Logik des Traumes ähnelt.
Ein Ereignisfeld in Assoziationsketten mit dem Bilder- und Figureninventar
aus Herbecks Texten, welches häufig das Inventar der Märchen
und Kinderlieder ist, aber auch zeitgenössische Angst- und Sehnsuchtmetaphern
enthält. Die Oper als die Kunstform mit dem größten Reservoir
sinnlich-emotionaler Mittel vermag reicher und umfassender als andere Kunstformen
Innenwelten abzubilden und neu zu schaffen. So versucht sie hier das ungeheure
assoziative Potential der scheinbar kargen Lyrik eines Ernst Herbeck zu
einem gleichermaßen subjektiven wie allgemeinen Bild von der Welt
umformen.
Dieses assoziative Ereignisfeld wird kontrastiert durch ein immer wiederkehrendes
Bild -"Das stille Zimmer" : Ein einfacher Holztisch in der Mitte der ansonsten
verdunkelten Bühne. Zwei Männer sitzen sich gegenüber. Eine
Sprach/Klanglandschaft aus ihren Worten, sparsamen konkreten Klängen
vom Tonband . Es ist ein auf zwei Bühnenfiguren aufgespaltener innerer
Monolog , ein Bild des Dichtens als existentieller Vorgang.
Der Wechsel der beiden Ebenen ("Das stille Zimmer" einerseits und die
"opernhaft" großformatigen assoziativen Szenen andererseits) ist
ein Perspektivenwechsel: Einmal blicken wir auf einen Menschen im
Zustand eines speziellen gedanklichen Prozesses , das andere Mal sehen
wir in ihn herein, sehen seinen Blick auf die Welt mit unseren Augen.
Die Männer (Schauspieler):
Der Partzifall
Der Blindgänger
Der Pfadfinder
Der mit der Wunde
Der Zwergk
Die Frauen( Sängerinnen):
(in den Ensemble-Szenen nur mit
1 - 5 bezeichnet)
Das stille Kind - Hoher Sopran
Die Braut - Sopran
Die Sphinx - Sopran
Der Engel - Mezzosopran
Die Mutter - Alt
Das Orchester:
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Kommentar zur Oper
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Stücke ab 2003
Szenenfolge
Prolog: Das stille Zimmer - der Traum
.
(Sprecher 1 , Sprecher 2, Tonband )
1.Bild : Der Morgen - die wilden
Küsse der Bubenjugend.
(Die Männer, die Frauen, Orchester)
-Der Zaubergarten
-Der morgengraue Tag
-Das Leben ist schön
-In einer Stadt Trumau
-Der Tod in der Schule als Mädel
-Aufruhr
-Weltuntergang 1
2.Bild : Das stille Zimmer - die Worte,
die Mauern.
(Sprecher 1 , Sprecher 2, Tonband )
3.Bild : Der Mittag - der Vulkan,
das Leben der Berge.
(Die Männer, die Frauen, Orchester)
-Verlautbarungen und Pegelstände
-Dort in dem dunklen Wald
-Gespräch über Farben
-Fröhliche Wörter (Ein gedämpftes Saitenspiel)
-Der Einzellne ist auch ein Elefant.
-Die Männer weisen das Leben ab.
-Weltuntergang 2
4.Bild : Das stille Zimmer - der Abgrund.
(Sprecher 1 , Sprecher 2, Tonband )
5.Bild : Der Abend - die Welt geht unter,
der Arzt geht heim.
(Die Männer, die Frauen, Orchester)
-Lied an den Mond
-Ein Anflug von Traurigkeit
-Schwarz ist auch dunkel
-Eine Danksagung
-Weltuntergang 3
Epilog: Das stille Zimmer - die Nacht.
(Sprecher 1 , Sprecher 2, Tonband )
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Kommentar zur Oper
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Stücke ab 2003
Die Anfrage von Roland Quitt, ob ich für das Theater Bielefeld
eine Oper schreiben wolle, erreichte mich in einem dafür denkbar günstigen
Moment: Meine kompositorische Arbeit war seit jeher stark geprägt
von grenzüberschreitenden Elementen, die Sprache und Szene in die
kompositorische Arbeit zu integrieren suchten.Es war für mich daher
fast schon höchste Zeit, mich auch einmal dieser Großform zuzuwenden,
zumal auch die traditionelle Oper auf mich schon seit meiner Kindheit
eine außerordentliche Faszination ausgeübt hatte. Mir fehlte
bis dahin allerdings sowohl der Mut als auch der Anlaß , die Kluft
zwischen meiner privaten Opernbegeisterung und den avancierteren
Mitteln meiner kompositorischen Entwicklung zu überbrücken. Den
Auftrag aus Bielefeld deutete ich als Aufforderung, mich um diese Aufgabe
nicht mehr länger herumzudrücken. So stand für mich auch
von Anfang an fest, daß die formale und ästhetische Perspektive
für das neue Werk so ausgerichtet sein muß, das es sich nicht
mit der unverbindlicheren Begriff eines "experimentellen Musiktheaters"
definieren lässt, sondern den Gattungsbegriff "Oper" in durchaus emphatischen
Sinn annimmt.
Dabei war es für mich aber gleichzeitig selbstverständlich,
daß das explizite Bekenntnis zur Gattungstradition der Oper nicht
bedeuten konnte, sich nur der traditionellen Mittel der Oper zu bedienen,
sondern im Gegenteil: daß auch die Erfahrungen grenzüberschreitender
Musiktheaterformen, die meine bisherige Arbeiten mitgeprägt hatten,
gleichberechtigt neben traditionellen Elementen in die Oper integriert
werden. So sind Gattungselemente von Hörspiel, Schauspiel, musique
concrète, Sprachkomposition, Performance und Installation kontrapunktierend
zur Komposition für Singstimmen und Orchester in die Großform
der Oper "Das stille Zimmer" eingewoben.
Dieser formalen Konzeption entsprechend entschied ich mich, bei der
Wahl des Stoffes nicht von einer geschlossenen dramatischen Vorlage auszugehen,
sondern das Libretto als lockeres Gerüst anzulegen, das im Lauf der
Arbeit daran und mit seiner Konkretisierung durch Komposition und Inszenierung
zu einem immer dichteren Geflecht von Bezügen und Bedeutungszusammenhängen
zusammenwachsen sollte. So wählte ich Texte (vorwiegend Gedichte)
des "schizophrenen" österreichischen Dichters Ernst Herbeck als alleiniges
Material zur Kompilation des Librettos aus.
Der schizophrene Dichter soll hier stellvertretend stehen für die menschliche Existenz in einer unbewältigten und entfremdeten Welt. Die Welt wird in nicht mehr vereinbaren Trümmern und Splittern wahrgenommen und dargestellt. So ist auch die "Handlung" dieser Oper nicht diskursiv, sondern ein breites Assoziationsfeld, das in seiner Bildhaftigkeit und Struktur der Logik des Traumes ähnelt. Ein Ereignisfeld in Assoziationsketten mit dem Bilder- und Figureninventar aus Herbecks Texten, welches häufig das Inventar der Märchen und Kinderlieder ist, aber auch zeitgenössische Angst- und Sehnsuchtmetaphern enthält. Die Oper als die Kunstform mit dem größten Reservoir sinnlich-emotionaler Mittel vermag reicher und umfassender als andere Kunstformen Innenwelten abzubilden und neu zu schaffen. So versucht sie hier das ungeheure assoziative Potential der scheinbar kargen Lyrik eines Ernst Herbeck zu einem gleichermaßen subjektiven wie allgemeinen Bild von der Welt umformen.
Dieses assoziative Ereignisfeld wird kontrastiert durch ein immer wiederkehrendes
Bild -"Das stille Zimmer" : Ein einfacher Holztisch, zwei Männer sitzen
sich gegenüber. Eine Sprach/Klanglandschaft aus ihren Worten, sparsamen
konkreten Klängen vom Tonband . Eine Person spricht mit sich selbst:
es ist keine biographische Darstellung Ernst Herbecks als Bühnenfigur,
auch wenn die Assoziation dieser beiden Männer am Tisch mit Herbeck
und seinem Arzt Navratil nahezuliegen scheint. Es ist vielmehr ein auf
zwei Bühnenfiguren aufgespaltener innerer Monolog , ein Bild des Dichtens
als existentieller Vorgang.
Der Wechsel der beiden Ebenen ("Das stille Zimmer" einerseits und die
"opernhaft" großformatigen assoziativen Szenen andererseits) ist
ein Perspektivenwechsel: Einmal blicken wir auf einen Menschen im
Zustand eines speziellen gedanklichen Prozesses , das andere Mal sehen
wir in ihn herein, sehen seinen Blick auf die Welt mit unseren Augen.
Ich ordnete die Texte als Folgen von Assoziationsketten an, sodaß sich grobe thematische Felder ergaben, die den Nukleus für die später zu entwickelnde Bühnenhandlung bilden. Dann verteilte ich die Texte auf ein Ensemble von fünf Männern und fünf Frauen. Die Rollennamen der fünf Männer -Der Blindgänger , der Pfadfinder , der Partzifall , der mit der Wunde und der Zwergk - und der fünf Frauen - Das stille Kind , die Braut , der Engel , die Sphinx und die Mutter - entstammen ebenfalls dem Wortinventar von Herbecks Texten. Nach der Textmontage wurden die Texte auf die Rollen so verteilt, daß sich durch die Zuordnung schon gewisse charakteristische Züge für jede Rolle ergaben.
Die unterschiedliche Herkunft der ästhetischen Mittel zeitigte
eine etwas ungewöhnliche kompositorische Anlage, die durch die Koexistenz
von drei grundsätzlich verschiedenen und weitgehend voneinander unabhängigen
Ebenen der Notation gekennzeichnet ist:
Da gibt es zum Einen die in der Partitur traditionell notierte Ebene
der Komposition für die Singstimmen und das Orchester.
Dem steht zum Zweiten eine fast autonom existierende "Hörspiel-Ebene"
gegenüber, die in der Partitur nur in Form von Einsätzen einzelner
Takes erscheint, die als vorproduzierte Tonbandkomposition aber in akustischer
Form vollkommen determiniert ist.
Die dritte Ebene schließlich besteht aus den musikalisch-sprachlichen
und szenischen Aktivitäten der fünf Schauspieler, die in der
Partitur nur durch den Wortlaut ihrer Texte dokumentiert sind. Sie wird
im Rahmen der Uraufführungsinszenierung während der Proben in
Form diverser Musikalisierungen der Sprache, sowie zusätzlicher akustischer
Aktivitäten als Teil der Inszenierung weiterentwickelt.
Die Kunstform Oper wird hier also sowohl in ihrer eigenen Gattungstradition
begriffen, wie auch als ein offenes Feld behandelt, das Elemente aller
möglichen Gattungen und Formen in sich bergen kann. Sie ist darin
in gewisser Weise dem Roman verwandt, der seinerseits die verschiedensten
literarischen Formen (z.B. Gedichte, Briefe, Binnenerzählungen usw.)
in seine Großform integrieren kann.
Innerhalb der in der Partitur fixierten Ebene der Komposition für
Singstimmen und Orchester sind ebenfalls verschiedene Bezüge zu anderen
musikalischen Gattungen eingearbeitet. Die Tatsache, daß es sich
bei dem Libretto weitgehend um eine Montage von Gedichten handelt, führte
zu der naheliegenden Etablierung einer fragmentarischen, durchbrochenen
Schicht eines imaginären Liederzyklus. Die Bezüge zur Gattung
des Klavierliedes finden dabei in verschiedenen Graden der Verfremdung,
der Aufspaltung oder Wucherung statt. So gibt es etwa in der Mitte
der Oper, wenn Herbecks Paraphrase des "Heideröslein" zitiert wird
- sozusagen als Klavierlied in Reinkultur - eine Komposition für eine
Singstimme und Klavier. An anderer Stelle gibt es als einfachste Form der
"Wucherung" zwei Singstimmen mit vierhändig gespieltem Klavier. An
wieder anderen Stellen wird die Klangfarbe des Klaviers aufgespalten in
die klanglich verwandten Farben Harfe, Celesta und Klavier , oder auch
in alle Saiteninstrumente des Orchesters. Die Singstimme erfährt dabei
verschiedene Aufspaltungen bis zur Verfünffachung und
bis zur Kombination mit den Sprechstimmen.
Diese Schicht wiederum sorgt zwangsläufig für eine Sonderstellung
des Klaviers innerhalb des Orchestersatzes bis hin zu solistischer Dominanz.
Dadurch wird in einer Art kompositorischer Kettenreaktion die Assoziation
zu einer weiteren Gattungstradition hergestellt, - der des Instrumentalkonzerts:
So bricht an verschiedenen Stellen der Oper die gleichsam verschüttete
Schicht eines imaginären Klavierkonzertes durch, in das sich die Oper
für Momente zu verwandeln scheint.
Hieraus wird deutlich, daß die Orchesterbehandlung in der Oper
"Das stille Zimmer" keineswegs homogen ist. Das Orchester wird nicht so
sehr als massenhafter "Klangkörper" behandelt, sondern vielmehr als
ein Pool von Möglichkeiten für verschiedenste Besetzungskombinationen
, die einerseits eine Vielfalt von Bezügen zu verschiedenen Gattungen
und Formen (von der großen Oper bis zur solistischen Kammermusik)
herstellen, deren Disposition andererseits die formale Architektur transparent
zu machen hilft.
Diese Architektur wiederum hat die Aufgabe, die Disparatheit des zugrundeliegenden Textmaterials und das Chaos der verschiedenen Gattungselemente formal zu bändigen und inhaltlich zu ordnen. In der Großform der Oper waltet schlichte Symmetrie:
Auch die Besetzung der zehn Solisten ist durch ein besonders auffälliges
Mittel der Formalisierung gekennzeichnet: Alle Männerpartien
sind Sprechrollen , alle Frauenstimmen werden als Gesangspartien ausgeführt.
Auf der inhaltlichen Ebene manifestiert diese markante Trennung der
Besetzung das höchst ambivalente Verhältnis Ernst Herbecks
zu Frauen, das aus vielen seiner Texte spricht. Eine seiner zentrale Wahnvorstellung
war, daß ein Mädchen oder eine Frau, die in ihn verliebt sei,
ihn "fernlenkt" und durch ihre Stimme und andere Zeichen Befehle erteilt.
Die fünf Männer tragen den Großteil der Textebene .
Durch sie dringen sowohl Anteile des traditionellen Sprechtheaters, als
auch experimentelle Formen der Sprachkomposition in die Oper ein.
Die fünf Frauen sind merkwürdig distanzierte archetypische
Projektionen und damit typische Operngestalten, die mehr als alle
anderen Elemente dieses Stückes die Gattungstradition der Oper repräsentieren.
Es wird allenthalben - zum Teil mit Verwunderung - festgestellt, daß
bei der jüngeren Komponistengeneration "wieder" ein größeres
Interesse an der Oper besteht, da so viele neue Opern entstehen, wie schon
lange nicht mehr. Ich denke, daß die verstärkte Produktion neuer
Oper in erster Linie mit der wachsenden Bereitschaft der Opernhäuser
zu tun hat, Kompositionsaufträge zu erteilen, ohne die die Komponisten
sich an solche Großprojekte kaum heranwagen könnten. Das künstlerische
Interesse war sicherlich immer latent vorhanden, stellt die Oper doch nach
wie vor die größte Herausforderung für einen Komponisten
dar:
Die Oper ist die umfassenste Kunstform überhaupt. Sie hat die
Möglichkeit, sämtliche Künste in einem Projekt zu integrieren
und ist mit ihrem kaum auszuschöpfenden Potential sinnlich-ästhetischer
und formaler Mittel in kompositorischer Hinsicht die Großform schlechthin
. Daher wird sie sich den diversen kompositionsästhetischen Wandlungen
entsprechend in immer neuen Formen und Ausprägungen weiterentwickeln
und damit ihre künstlerische Legitimation bewahren.
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Zimmer"
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Stücke ab 2003
Foto: M.Stutte
Sprecher 1: Robert Podlesny
Sprecher 2: Rainer Homann
Der Partzifall : Robert Podlesny
Der Blindgänger: Michael Günther
Der Pfadfinder: Helmuth Westhausser
Der mit der Wunde: Johannes R. Voelkel
Der Zwergk: Rainer Homann
Das stille Kind: Deborah Lynn Cole
Die Braut: Cornelie Isenbürger
Die Sphinx: Annina Papazian
Der Engel: Moijca Vedernjak
Die Mutter: Vera Ilieva
Die Bielefelder Philharmoniker. Musikalische Leitung:
Geoffrey Moull
Inszenierung: Michael Hirsch
Dramaturgie: Roland Quitt
Bühne und Kostüme: Sandra Meurer
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Zimmer" Ausführlicher
Werkkommentar
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Neue
Stücke ab 2003
Michael Hirschs Oper "Das stille Zimmer", das als Auftragswerk
des Theaters Bielefeld seine überaus beeindruckende Uraufführung
in der Regie des Komponisten erlebte, vereinigte die Widersprüchlichkeiten
zwischen Herbecks zarter Lyrik (...) und der Brutalität seines Scheiterns
im normalen Leben in geradezu genialer Weise.(...) Der bedrückend
skurillen Sprachlosigkeit steht eine reiche Phantasiewelt des Kranken gegenüber.
Sie entfaltet sich - von fünf Schauspielern in schwarz und fünf
Sängerinnen in weiß in Szene gesetzt - auf einer Drehbühne
mit fünf Schrägen, die durch vier schmale Gassen voneinander
getrennt sind. Alle und alles scheinen ständig in Bewegung in diesen
Erinnerungen an Kinderspiele des "Pfadfinders", "Blindgängers", "Zwergks"
und des "Partzifalls" mit seinem Spielzeugschwan - dem reinen Toren, der
sich als Fremdkörper empfindet in der schrillen Realität von
Mutter, Schwester, Braut.
Hirsch ist mit seinen hochsensiblen Kompositionen auf den wichtigen
Festivals Neuer Musik zwischen Donaueschingen und Witten bekannt geworden
(...). Die Dialogszenen untermalt er mit Geräuschen und Klängen
vom Tonband, stattet die Phantasieszenen mit ausdrucksstarker, dissonanter
Orchestermusik aus, in der er Lyrismen von Harfe, Flöten und Streichern
mit einem großen Schlagwerkapparat konterkariert.(...)
Marieluise Jeischko, "Klassik keute"
,Juli 2000
Wo der Alltag sich dem Abgrund nähert.
Fünf sprechende Männer in schwarz, fünf singende Frauen
in Weiß, ein imposantes Bühnenbild, eine Ansammlung hübscher
Requisiten - und eine "Musik" aus dem Grenzbereich von Sprache, Geräuschen
und instrumentellen Tönen.
Das alles kann eine spannungsreiche moderne Oper ergeben, wie "Das
stille Zimmer" von Michael Hirsch zeigt. Die Uraufführung des
Auftragswerks in der inszenierung des Komponisten fand jetzt im Bielefelder
Theater gebannte Aufmerksamkeit und viel freundlichen Beifall.
Ein geglücktes Experiment, denn der Münchener Komponist,
Regisseur, Darsteller und Interpret experimenteller Musik hat als Sujet
seiner ersten Oper eine schwierige Herausforderung gewählt.(...)Er
stellte die meist kurzen Texte zu Assoziationsketten allgemeingültiger
innerer Befindlichkeiten zusammen und gliederte sie zum Spannungsbogen
eines Tages- und Lebenslaufs.(...)
Die Klangvariation von der Bühne, aus den Lautsprechern und aus
dem Orchestergraben (Geoffrey Moull leitete das Philharmonische Orchester)
fügen sich tatsächlich zu einem akustisch-musikalischen
Ganzen zusammen, das angenehm zu hören ist und - in Verbindung mit
dem Bühnengeschehen - den eigenen Assoziationen freien Lauf lässt.(...)Das
homogene Ensemble und die einfallsreiche Regie sorgten für eine faszinierende
Produktion.
Heidi Wiese ,Westfälische Rundschau, 15.Mai 2000
Wo kein Dichter-Ich sein eigenes Inneres äußert, muss die
Musik nicht die Worte im anderen Medium "interpretieren". Und das versucht
Hirsch auch gar nicht, sondern er führt Zuschauer und Zuhörer
durch das stille Zimmer in die fantastische Innenwelt einer gespaltenen
Persönlichkeit, die sich selbst fremd ist. Und dieser zweite Eingang
in das Stück ist auch musikalisch gezeichnet: Nachdem die erste Szene
schon angelaufen ist, tönt vom Band ein sich einspielendes Orchester.
Und der Einsatz des wirklichen Orchesters danach ist wie ein neuer Anfang.
Eine richtige "Oper" ist "Das stille Zimmer" nicht, und das
nicht nur, weil die Textvorlage anti-dramatisch ist. Die fünf Frauen
singen über weite Strecken im Chor; expressive Soli sind selten. (...)
Die Stärke von Michael Hirsch liegt im klangspielerischen Detail,
in der feinen Kommentierung von gesprochenen Worten durch Geräusche,
und vor allem: in der szenischen Aktion. Schon seit langem arbeitet der
40-Jährige als Schauspieler und Sprecher im experimentellen Musiktheater.
Außerdem hat er kompositorische Erfahrung mit Kammermusiken, experimentellen
Sprachwerken und Tonbandkompositionen. (...) Gerne möchte Hirsch
nach dem gelungenen Erstling eine weitere Oper schreiben, dann aber "mit
mehr vorgegebener Handlung arbeiten, mit mehr dramatischem Stoff".
Friedemann Kawohl , "Neue Musikzeitung" 6/2000
(...)Herbecks Texte werden als betretbare Sprachräume inszeniert.
Hörspielhafte Szenen wechseln mit komponierter Sprache, die bis an
die Grenzen ihrer semantischen Belastbarkeit zerlegt wird. Das Bühnengeschehen
ist reduziert auf Tableaus mit symbolträchtigen Accessoires, wie Hirsch
es nicht zuletzt im Ensemble von Achim Freyer kennengelernt hat. Und doch
setzen sich diese Zutaten im Bielefelder Stadttheater auf ganz neue Weise
zusammen, denn den Auftrag, eine Oper zu schreiben, hat der Komponist auf
heitere Art ernst genommen.(...)Der opernhafte Gesang gehört der Frau
als fernem Wesen in Herbecks Welt, der sich als junger Mann von einem Mädchen
ferngesteuert fühlte. Die Schauspieler sprechen seine Texte, lauschen
dem Knistern der Kofferradios, preisen Wolken und erwägen ein Lied
an den Mond.(...)Tonbandeinspielungen mischen sich in die Stimmen, die
sich sprunghaft erregen und schweigen: Es tropft, Silben tropfen, und die
Stille perlt. Die Welt - ein stiller Ozean. 'Die öde Einsamkeit',
so wollte Ernst Herbeck einst ein Kriminalstück überschreiben.
Michael Hirsch ist der Spur seiner Verse gefolgt. Seine Recherche erinnert
daran, wie reich das Musiktheater eigentlich ist. Eine Liebeserklärung,
keine Frage.
Ulrich Amling Der Tagesspiegel
vom 11. Mai 2000 (vollständige
Kritik)
(...)Punktuelle Klänge, kurze, abgerissene Linien und Schlagzeugimpulse
werden neben die gebrochene Sprache gestellt. Zu einer Integration kommt
es nicht. Sie gelingt, unter Anstrengungen, allein den fünf Frauen
in Weiß. Als Alter Ego des Dichters durchbrechen sie die Sprach-
und Geräuschschicht und stellen ihr dichte, konsistente und durchaus
emphatische Ensemble- und Solo-Lieder gegenüber - Sinnbild der psychotischen
Ambivalenz, Erinnerung daran, dass keine Psychose total ist, und schließlich
wohl auch eine Metapher für die Hoffnung auf Sinn und Zusammenhang.
Damit sind die theatralischen Mittel aber auch schon erschöpft.
Es muss überraschen, dass Hirsch, einem Komponisten mit erheblicher
Theatererfahrung auch als Schauspieler, ausgerechnet die dramaturgische
und szenische Ebene so gründlich misslingt. Der bald durchschauten
Verzahnung von wirren Sprach- und stringenten Gesangspartien setzt er nichts
mehr hinzu(...)Spät, eigentlich erst in der gespannten Leere und versiegenden
Langsamkeit des letzten Bildes, wenn Herbeck wieder im "Stillen Zimmer"
unter der Rampe sitzt, bekommt Hirsch seinen Helden zu fassen: als einen
Einsamen, dem die Welt zerbrochen ist.
Raoul Mörchen ,"MusikTexte"84
(...) Im Theater gab es die erfolgreiche Uraufführunf der Oper
"Das
stille Zimmer" von Michael Hirsch(...).Eine Handlung im Sinne der modernen
Oper gibt es hier allerdings nicht. Trotzdem stellt sich in der fast zweistündigen,
sehr schönen Aufführung in der Inszenierung durch den Komponisten,
in Sandra Meurers Bühnenbild und unter der musikalischen Leitung von
Geoffrey Moull latente Spannung ein, die sich bis zum Schluß noch
steigert. Es gibt erstaunlich viel Aktion in den großen Szenen, angedeutete,
letztlich verweigerte Beziehungen zwischen den Geschlechtern. Diese Verweigerung
macht den Reiz des stückes aus.
(...)Die Texte bilden zusammen mit Geräuschbändern, Livemusik
aus dem Orchestergraben (Bielefelder Philharmoniker, gelegentlich "aleatorisch"),
je fünf männlichen Schauspielern und weiblichen singenden Darstellerinnen
die Basis einer sehr poetischen, sensibel-intelligenten, in Assoziationsketten
angelegten, rundum gelungenen Form heutigen Musiktheaters.
Jürgen Schmidt, Westfalen-Blatt, 8. Mai 2000
(...)Aus Herbecks Versen entwickelte der in Berlin lebende Komponist,
Jahrgang 1958, eine Art Textbuch: Verse voller Naivität, voller
Trauer, humorvolle und ironische Zeilen. Hermetisch und schlichtweg nicht
kommunikabel wie die Silbenkollonnen und Sprachteppiche im zweiten Bild;
dann wieder mit drastisch klarem Blick(...).
Die Persönlichkeitsspaltung wird auf der Bielefelder Bühne
greifbar: Dort läuft ein Blindgänger mit Koffer und Vogelbauer
herum, ein Pfadfinder und ein Zwerg (mit Lupe und Streichholzschachtel),
außerdem "der mit der Wunde" und ein Naivling namens "Partzifall".
All diese von Michael Hirsch gemachten Figuren (...) geben von Herbecks
ureigensten Erfahrungen Kunde. Die sind so privat indes nicht, spiegeln
vielmehr einen längst allgemein gewordenen Zustand der Gesellschaft,
den ein hochsensibler Kranker in "paranoid-halluzinatorischem Zustand"
auf einen lyrisch-poetischen Punkt bringt.(...)
Christoph Schulte im Walde , Westfälische Nachrichten, 9.Mai
2000
(...)Eine Oper? "Das stille Zimmer", das das Bielefelder Theater
jetzt mit großem Erfolg zur Uraufführung brachte, ist eher ein
bizarres Liederspiel mit szenischen Andeutungen. (...) Die Aura der Verlorenheit
des Schriftstellers trifft Hirsch mit seiner von totaler Stille bis zu
vertrackt komplexen Ensembles und Solo-Arien reichenden Tonsprache durchaus.
dabei klingt jedoch ein Trauerflor mit, der nicht immer zur Gefühlswelt
Herbecks passen will.(...)
Pedro Obiera, Neue Ruhr Zeitung, 9.Mai 2000
Soeben erlebte das Auftragswerk "Das stille Zimmer" von Michael
Hirsch seine Uraufführung. Die Premiere entfachte gespannte Aufmerksamkeit.
Was macht den "Erfolg" einer Uraufführung aus, woran misst sich
die Qualität eines Stücks? An der Begeisterung (oder nicht) der
Hörer? An der Zahl der Nachinszenierungen? In diesem speziellen Fall
könnte das Nachschwingen des Erlebnisses ein Gradmesser sein. Denn
wenn das Stück von Michael Hirsch nach Texten des jahrzehntelang in
einer Heilanstalt nach seiner Identität ringenden und dort zum Dichter
seines Innenlebens gewordenen Ernst Herbeck auch mit spektakulärem
Äußeren spart, es überzeugt durch suggestive Wirkung.
Es ist ein Stück, über das Nachdenken und emotionale
Auseinandersetzung bleibt. Vielleicht, weil Michael Hirsch so kühn
(oder ungeniert) das tradierte Opern-Schema verläßt.(...)
Eckhart Britsch, Neue Westfälische, 8.Mai 2000
(vollständige
Kritik)
Kritik "Tagesspiegel" Zurück zum "Stillen Zimmer" Zurück zur Homepage Neue Stücke ab 2003
Der Tagesspiegel vom 11. Mai 2000 verschiedene Pressestimmen zur Oper Kritik "Neue Westfälische" Zurück zum "Stillen Zimmer"
Aus der Innenwelt eines Schizophrenen: Michael Hirschs
Oper am Theater Bielefeld uraufgeführt
Ulrich Amling
"Das Theater ist in Wien / Zum Theater gehen heisst schauspielen / Die Schauspieler spielen in der Oper. / Die Oper ist ein singendes Theater." Diese Zeilen schrieb Ernst Herbeck, der schizophrene Dichter, in der österreichischen Nervenheilanstalt Gugging. Seine Gedichte, die er nur verfasste, wenn sein Arzt Leo Navratil ihm Papier und Stift reichte, machten ihn berühmt. Herbeck beeinflusste Schriftsteller, Maler und Komponisten - er, der nur selten sprach, lieferte Kreativitätstheoretikern und Psychiatern Stoff für Diskussionen um das Verhältnis zwischen persönlicher Innen- und sozialer Außenwelt. Ist nicht die Welt des Schizophrenen die Realität, und wir seelisch ausgeglichene Menschen verdämmern sie schlicht, fragte Navratil.
Der Komponist Michael Hirsch, 42, hat für das Theater Bielefeld eine Oper - seine erste - auf Texte von Ernst Herbeck geschrieben. "Das stille Zimmer" ist keine Legende vom schizophrenen Dichter, wohl aber der Versuch, die Innenwelt eines Menschen in ein "singendes Theater" zu verwandeln. Herbecks Texte werden als betretbare Sprachräume inszeniert. Hörspielhafte Szenen wechseln mit komponierter Sprache, die bis an die Grenzen ihrer semantischen Belastbarkeit zerlegt wird. Das Bühnengeschehen ist reduziert auf Tableaus mit symbolträchtigen Accessoires, wie Hirsch es nicht zuletzt im Ensemble von Achim Freyer kennengelernt hat. Und doch setzen sich diese Zutaten im Bielefelder Stadttheater auf ganz neue Weise zusammen, denn den Auftrag, eine Oper zu schreiben, hat der Komponist auf heitere Art ernst genommen.
Die traditionelle Oper übe seit seiner Kindheit große Faszination auf ihn auf, gesteht Hirsch, der nie Opernhäuser in die Luft sprengen würde. Schließlich kennt er als Komponist eines Stückes mit dem Titel "Die Sehnsucht des Klaviers, ein Orchester zu werden" den Traum von der großen Form nur zu gut. In "Das Stille Zimmer" wird er subtil erfüllt und gleichzeitig in weite Ferne gerückt. Hirsch hat seine Oper aufgespalten auf fünf Sängerinnen und fünf Schauspieler. Die Damen, ganz in weiß gehüllt, dürfen bald nach Liederart bald nach Opernmanier die Stimmbänder benutzen. Die Bielefelder Philharmoniker unter Geoffrey Moull erzeugen dazu virile Tutti wie bei einem überdehnten Einstimmen vor einer Aufführung, dazu gesellen sich bruchstückhafte Ausbrüche von Dramatik und Anflüge eines Klavierkonzertes. Hirsch setzt die Theatermaschinerie in Gang, lässt die Bühne rotieren und die Streicher spielen. Doch Nichts gewinnt in dieser hintersinnigen Ansammlung die Überhand, alles bleibt in der Schwebe.
Der opernhafte Gesang gehört der Frau als fernem Wesen in Herbecks Welt, der sich als junger Mann von einem Mädchen ferngesteuert fühlte. Die Schauspieler sprechen seine Texte, lauschen dem Knistern der Kofferradios, preisen Wolken und erwägen ein Lied an den Mond: "Ist meistens stummer Minnesang. Von den Mondfahrern gesungen." Doch sie gehen nirgends hin. Und so münden alle Szenen im stillen Zimmer, einem kleinen Ort unter der Treppe, in dem sich an einem Tisch zwei Menschen gegenüber sitzen. Wo eine Trennlinie zwischen ihnen verlaufen könnte - Patient/Arzt oder Ich/Du - ist unklar. Tonbandeinspielungen mischen sich in die Stimmen, die sich sprunghaft erregen und schweigen: Es tropft, Silben tropfen, und die Stille perlt. Die Welt - ein stiller Ozean. "Die öde Einsamkeit", so wollte Ernst Herbeck einst ein Kriminalstück überschreiben. Michael Hirsch ist der Spur seiner Verse gefolgt. Seine Recherche, erinnert daran, wie reich das Musiktheater eigentlich ist. Eine Liebeserklärung, keine Frage.
verschiedene Pressestimmen zur Oper
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Stücke ab 2003
Im offenen Käfig
Bielefeld: "Das stille Zimmer" von Michael Hirsch
uraufgeführt
VON ECKHARD BRITSCH
-Bielefeld. Was treibt das Genre Oper heute um? Welche Positionen vertreten die aktuellen Komponisten und welche Sujets könnten das Publikum anrühren? Eine Antwort auf diese Frage versucht derzeit das Stadttheater Bielefeld zu geben: Soeben erlebte das Auftragswerk "Das stille Zimmer" von Michael Hirsch seine Uraufführung. Die Premiere entfachte gespannte Aufmerksamkeit.
Was macht den "Erfolg" einer Uraufführung aus, woran misst
sich die Qualität eines Stücks? An der Begeisterung (oder nicht)
der Hörer? An der Zahl der Nachinszenierungen? In diesem speziellen
Fall könnte das Nachschwingen des Erlebnisses ein Gradmesser sein.
Denn wenn das Stück von Michael Hirsch nach Texten des jahrzehntelang
in einer Heilanstalt nach seiner Identität ringenden und dort zum
Dichter seines Innenlebens gewordenen Ernst Herbeck auch mit spektakulärem
Äußeren spart, es überzeugt durch suggestive Wirkung.
Es ist ein Stück, über das Nachdenken und emotionale
Auseinandersetzung bleibt. Vielleicht, weil Michael Hirsch so kühn
(oder ungeniert) das tradierte Opern-Schema verläßt. Hirsch,
der auch Regie führte und die szenische Erarbeitung selbst als vollendenden
Part seines Werkes empfindet, erzählt nicht von irgendeinem bewegenden,
an der Liebe und am Leben scheiternden Einzelschicksal, wie wir es aus
der tradierten oper kennen.
Michael Hirsch schickt menschen gruppen, die sie in autistischen
Bahnen bewegen und zielgerichtet-ziellos auf der Bühne umherirren,
auf die Suche nach ihrer Identität und auf die Suche nach Kommunikation.
Das "stille Zimmer" ist der Käfig ihrer abgekapselten Welt, in der
Gefühle erstarrt sind und Leben sich in der skurrilen Textcollage
der Herbeck-Gedichte abspielt. Automaten gleich suchen sie durchs Aufsagen
von Lyrik wie "Die Maus ist ei Qualtier./Die Maus ist unangenehm./Man soll
die Maus meiden./Die Maus ist höflich." den Weg zum versperrten Innern.
Die Optik - fünf Männer in Schwarz, fünf Frauen
in Weiß - verweist in ihrer Gegensätzlichkeit zudem darauf,
wie schwer das Zueinanderfinden der Geschlechter ist und wie sehr die Menschen
auf oder in ihren eigenen Bahnen kreisen. Bühnenbildnerin Sandra Meurer,
deren Handschrift jetzt in Bielefeld schon während ihrer zweiten Saison
signifikante Signale setzt, hat dafür mit Keilen auf der
Drehbühne einen allseitig offenen Käfig geschaffen, in dem die
Probanten geschäftig hin und her eilen.
Für diese existentielle Verstörung - der 1991 gestorbene
Ernst Herbeck wurde in Gugging vom Psychiater Leo Navratil auf den Weg
der poetischen Innensicht geführt - hat Michael Hirsch angemessene
und hinreichende musikalische Ausdrucksformen gefunden. Das Grundmotiv
"Verstörung" findet sich in einer Musik wieder, die sich aus Tupfern,
kleineren Klangschraffuren, Klangtropfen aus dem Hintergrund, auch aus
diskret gesetzten Exaltationen schlüssig zusammensetzt.
Die Dramaturgie des Stückes - Verdichtung der Textfetzen,
vielleicht auch die vorsichtige Annährerung der Geschlechter, die
mit der Annäherung der Protagonisten an die eigene Seele einhergeht
- bekommt sogar so etwas wie Handlung, wenn die Wanderer ihre Innenwelten
auf Tafeln kritzeln um gegen Ende wieder im Verstummen zu versinken.
Die Geschichte einer kollektiven Verstörung - wer will,
kann in dieser Metapher die moderne Gesellschaft in ihren Kommunikationsproblemen
wiederfinden - wurde musikalisch und darstellerisch mustergültig realisiert.
Geoffrey Moull dirigierte die Bielefelder Philharmoniker umsichtig, präzise
und klanganalytisch; die Darsteller und Sängerinnen Robert Podlesny,
Rainer Homann, Michael Günther, Helmut Westhausser, Johannes R. Voelkel,
Deborah Lynn Cole, Cornelie Isenbürger, Annina Papazian, Mojca Vedernjak
und Vera Ilieva zeigten eindrucksvoll, wie Kunst Gefühle
sezieren kann.
Das Publikum blieb in positiv gestimmter Nachdenklichkeit.
La Didone abbandonata
Dramma per musica nach einem Libretto von Pietro
Metastasio (2003/2004)
Kompositionsauftrag des Dresdner Zentrums für zeitgenössische
Musik
Besetzung: Didone (Mezzosopran), Enea(Bariton)
Kammerensemble: Piccolo-Flöte, Klarinette (auch
Bass-Kl.), Posaune, Akkordeon,
2 Schlagzeuger, 2 Violinen, Viola, Violoncello, 2 CD-Player.
Uraufführung: Dresden (Festspielhaus Hellerau) 1.10.2004
Didone: Claudia Neubert, Sopran,
Enea: Daniel Ochoa, Bariton
Ensemble Courage
Regie: Rainer Holzapfel
Musikalische Leitung: Titus Engel
Nach der Anfrage des „Dresdner Zentrums für zeitgenössische
Musik“, eine Oper zu schreiben, die maximal 12 Minuten dauern soll, stand
für mich von Anfang an fest, daß die Aufgabe nicht darin bestehen
konnte, eine kleine musiktheatrale Szene zu schreiben, die von vorneherein
nicht mehr Zeit benötigt als eben jene 12 Minuten.Vielmehr war es
mir wichtig, eine „komplette“ Oper zu schreiben, die mit der Vorgabe dieser
extremen zeitlichen Reduktion offensiv umgeht.
Die erste zentrale Frage ist naturgemäß die Entscheidung
für ein Libretto. Ich entschied mich dafür, einen
Text zu wählen, der schon vom Autor explizit für Gesang
konzipiert ist. Da es aber heutzutage keine lebendige Tradition der Librettistik
mehr gibt, griff ich auf die schon länger gehegte Überlegung
zurück, einen alten Operntext wiederzuverwenden, nämlich
einen Opera-Seria-Text aus dem 18. Jahrhundert.
Ich entschied mich für „La Didone abbandonata“ von Pietro Metastasio
aus dem Jahr 1724, seinem ersten Operntext. Neben den oben genannten Überlegungen
stand für mich bei dieser Wahl die Tatsache im Mittelpunkt, daß
ich mir durch die historische und ästhetische Entfernung dieses Textes,
wie auch durch die mir zwar halbwegs vertraute, aber doch fremde
italienische Spache eine mir für dieses Unternehmen wohltuende Distanz
verschaffte.
Mit dieser Wahl standen für mich allerdings sofort zwei Dinge
fest: Erstens, daß ich die Tendenz zur Ironisierung unbedingt vermeiden
wollte, die im Umgang mit historischer Operntradition heute allzu beliebt
ist. Und zweitens, daß es mir auch nicht darum gehen konnte, irgendwelches
ästhetisches Kolorit der Oper des 18. Jahrhundert in meiner Musik
anklingen zu lassen. Ich versuchte, den Text quasi jungfräulich und
unbelastet von gattungsimmanenten Klischees zu lesen.
Eine besondere Herausforderung lag für mich darin, die äußerst
komplizierte Erzählstruktur des in den Orginalvertonungen 3-4 stündigen
Stückes in eine Form zu überführen, die in einer maximal
12 minütigen Oper erzälbar ist.
Zu diesem Zweck habe ich die sechs handelnden Personen auf nur noch
zwei, nämlich das Protagonistenpaar Dido und Äneas, reduziert,
und auch deren Texte auf jeweils ein Monolog-Destillat verknappt, das -
teilweise zu neuen Dialogen zusammengesetzt - den Kern dieses Beziehungsdramas
in konzentriertester Form erlebbar machen soll.
Ich sah darin nebenbei auch eine Chance, meinem lang gehegten Wunsch
näher zu kommen, neue Formen von narrativer Handlung zu entwickeln,
denen sich avanciertere Opernformen (wie auch meine eigene Oper "Das stille
Zimmer") häufig weitgehend verweigern , ohne dabei in den obsoleten
Pseudo-Naturalismus vieler Opern des 20. Jahrhunderts zurückzufallen.
So kam natürlich ein vollkommen neues Libretto heraus. Es war
nicht mehr der barocke Opera-Seria-Text von Metastasio. Es entstand
- unter Einbeziehung von Formen und Techniken der Moderne wie Fragmentierung
und Collage - ein Stück, das sich zwar ausschließlich
aus den Handlungselementen und dem Textmaterial des Metastasio-Textes
zusammensetzt, das aber mit Ästhetik und Form der Opera-Seria nur
noch wenig zu tun hat. Das barocke Opern-Italienisch des Metastasio gerinnt
hier gewissermassen zur Chiffre für die Gattungstradition der Oper
überhaupt, und verschafft mir als Komponisten durch Distanz und Überhöhung
den ästhetischen Freiraum für Gesang.
Der verbleibende Rest der Handlung der drei Akte, von denen jeder etwa
3-4 Minuten lang dauert, lässt sich in etwa so skizzieren:
Erster Akt: „Äneas muß gehen“ :
Getrieben von der ihm von seinem Vater und den Göttern auferlegten
Mission, in Italien ein neues Weltreich zu errichten, entschließt
sich Äneas , seine Liebesbeziehung mit Dido zu beenden, und Karthago
zu verlassen. Dido reagiert geschockt: Die Trennung kommt für
sie aus heiterem Himmel. Sie hatte ihre ganze Lebensplanung und auch
ihr politisches Schicksal auf diese Beziehung gesetzt.
Der erste Akt besteht aus drei "Doppel-Arien"; das sind jeweils zwei
simultan ablaufende und kontrapunktisch ineinander verzahnte Arien der
beiden Protagonisten, die somit gewissermaßen "windschiefe" Duette
ergeben: Ein ständiges aneinander vorbei Monologisieren.
Zweiter Akt: „Chronik eines scheiternden Gesprächs“ :
Der zweite Akt ist eine Sequenz von extrem knappen Fragmenten eines
Dialogs zwischen Dido und Äneas: Wenige Sekunden lange Ausschnitte,
in denen schlaglichtartig diverse Stadien eines (imaginär) mehrstündigen
Gesprächs aufblitzen. Der zermürbende und letztlich an den gegensätzlichen
Lebenskonzepten scheiternde Versuch der beiden Partner, ein letztes klärendes
Gespräch zu führen.
Dritter Akt: „Die verlassene Dido“ :
Der dritte Akt ist eine Solo-Kantate der Dido. Dido ist allein. Schwankend
zwischen Trauer, Hass und Selbstmitleid, versucht sie ihre Gefühle
zu ordnen.
Die Oper verlangt neben des beiden Sängern für Dido und Aeneas
ein Kammerensemble von 10 Instrumentalisten. Dazu gibt es eine simultane
musique concrète -Ebene:
Zum einen gibt es eine Art Klanginstallation, die am Beginn des Stückes
gestartet und am Ende ausgeblendet wird und unabhängig von der Ensemblekomposition
ständig läuft.
Eine andere Zuspielung besteht aus 3 Episoden, die kurze fest
umrissene Kompositionen sind, die als Ereignisse in die Oper
hereinbrechen und für eine kurze Zeit mit dem Instrumentalensemble
gleichberechtigt „konzertieren“.
„La Didone abbandonata“ bekennt sich zu dem emotionalen Potential von „großer Oper“ , und versucht dieses quasi seismographisch in der äußersten Reduktion durch die Mittel und Erfahrungen jüngerer theater- und musikästhetischer Entwicklungen neu und zeitgemäß zu formulieren.
zurück zur Homepage Werkverzeichnis KontakadresseNeue Stücke ab 2003
Seit einiger Zeit beschäftige ich mich mit Fernando de Rojas Lesedrama
"La tragicomedia de Calisto y Melibea", das 1499 in einer ersten Fassung
publiziert wurde.
Dieses Schlüsselwerk der spanischen Literatur ist in Form und
Inhalt einzigartig und gattungsmässig kaum einzuordnen: Obwohl in
seiner dialogischen Form als Drama ausgearbeitet, ist es in seiner Originalgestalt
nicht auf der Bühne realisierbar, sondern ausschließlich als
Tragikomödie zum Lesen konzipiert. Im Mittelpunkt des Dramas stehen
nicht so sehr die beiden Titelfiguren, sondern die Kupplerin Celestina,
die zu den prominentesten Figuren der spanischen Literaturgeschichte zählt.
Einzigartig ist insbesondere die für jene Epoche zwischen Spätmittelalter
und Renaissance ungewöhnliche psychologische Differenzierung der Charaktere,
sowie die Mischung aus realistischen und komödiantischen Elementen
und großem "Welttheater", die viele Exegeten den Vergleich mit Shakespeare
bemühen ließ.
Im vorigen Jahr schrieb ich bereits eine kurze Oper, die auf diesem
Stoff beruht: "Die Klage des Pleberio", die ausschließlich
den letzten der 21(!) Akte des spanischen Stückes thematisiert. Dieser
Akt ist ein ausgedehnter Monolog, in dem Melibeas Vater Pleberio unter
dem Eindruck des Selbstmordes seiner Tochter eine großangelegte Anklage
gegen die Welt formuliert: Eine fast "existenzialistische" Totenklage,
die sich jeglichen Tröstungen religiöser Art verweigert.
Die Konzentration auf den Schlussakt eröffnete mir die Perspektive,
darüber nachzudenken, an Fernando de Rojas Stück weiterzuarbeiten,
und die ursprünglich geplante umfassendere Umsetzung der Vorlage in
einer "großen", abendfüllenden Oper anzugehen.
Dabei entstand bald der Plan, nach der "Klage des Pleberio" erst einmal
verschiedene kleinere Projekte zu diesem Text zu realisieren, die den Stoff
zunächst von verschiedenen Seiten einkreisen sollen, bevor eine endgültige
Dramaturgie für eine große "Celestina"-Oper festgelegt
wird.
Im Auftrag, für die "Dresdner Tage für zeitgenössische
Musik" 2006 entstand eine weitere Kurzoper "Celestina
im Gespräch mit sich selbst" , die eine zweite Vorstudie zu
einer großen "Celestina"-Oper sein kann.
Als weiterer Schritt soll eine"Madrigal-Oper"(Arbeitstitel) entstehen, die ich für die NeuenVokalsolisten Stuttgart als a capella Musiktheater plane.
"Die
Klage des Pleberio"
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Oper nach einem Text von Fernando de Rojas (1499)
Besetzung: Pleberio:Bariton
Kammerensemble: Flöte, Klarinette, Trompete, Akkordeon,
Harfe, E-Gitarre, Klavier, Vibraphon,
2 Violinen, 2 Violoncelli, CD-Zuspielung.
Uraufführung: Berlin (Klangwerkstatt) 11.11.2005
Pleberio: Simon Berg, Bariton
Ensemble Experimente, Ltg.: Gerhard Scherer
Regie: Antje Kaiser
Dauer: 30 Minuten
"Die Klage des Pleberio" basiert auf dem letzten Akt des mittelalterlichen
Lesedramas "La tragicomedia de Calisto y Melibea" von Fernando de Rojas,
das dieser im Jahre 1499 in einer ersten Fassung veröffentlichte.
In diesem Stück stehen nicht so sehr die beiden Titelfiguren im Mittelpunkt,
sondern die Kupplerin Celestina, die durch die Drastik und Realistik ihrer
Darstellung zu den prominentesten Figuren der spanischen Literaturgeschichte
zählt.
Die ungeheure Fülle und der teilweise pralle Realismus der 21
Akte dieses erstaunlichen Textes fehlt in der vorliegenden Oper allerdings
vollkommen, da sie ausschließlich auf dem letzten Akt der "tragicomedia"
basiert. Dieser Akt ist ein ausgedehnter Monolog, in dem Melibeas Vater
Pleberio unter dem Eindruck des Selbstmordes seiner Tochter eine
großangelegte Anklage gegen die Welt formuliert: Eine fast "existenzialistische"
Totenklage, die sich jeglichen Tröstungen religiöser Art verweigert.
So fehlt dieser Oper ein äußerer Handlungsverlauf. Sie bietet
vielmehr eine Innenschau, das Porträt eines Menschen in einer konkreten
Lebenssituation.
Dabei orientiert sich die Oper an der alten Gattung des Lamento, und
ist gewissermassen ein Zwitterding zwischen Kantate und Monodram. Eine
konzertante Aufführung ist dem Stück ebenso adäquat, wie
eine szenische Umsetzung.
Zur Enstehung:
Die Arbeit am Libretto war äußerst wechselhaft: Ursprünglich
hatte ich vor, das Stück von Fernando de Rojas - ganz im Gegensatz
zum vorliegenden Ergebnis - in seiner Fülle und Drastik und auch mit
den wichtigsten Hauptfiguren in einer äußerst verknappten Form
schlaglichtartig, oder als eine Art Panoptikum auf die Bühne zu bringen.
Doch ich musste bald einsehen, daß ich angesichts der zur Verfügung
stehenden Zeit - sowohl der Entstehungszeit, als auch der geplanten Aufführungsdauer
von etwa einer halben Stunde - auf diesem Wege unweigerlich scheitern musste.
Auch hatte ich bereits vor Kurzem mit meiner Oper "La Didone abbandonata"
mit der extremen Verknappung einer ausgedehnten Textvorlage gearbeitet,
und fürchtete daher, mich ästhetisch zu wiederholen.
Und so entschied ich mich für das andere Extrem: Nicht die Komprimierung
einer komplexen Handlung, sondern die Konzentration auf einen einzigen
Moment des Dramas, der auch schon in der mittelalterlichen Textvorlage
zu einer fast autonomen literarischen Form angewachsen ist. Und so wurde
aus dem geplanten schnellen, aktionsreichen und auch komödiantischen
Stück das krasse Gegenteil: eine statische und introvertierte Zustandsbeschreibung.
Celestina
im Gespräch mit sich selbst
nach einem Text von Fernando de Rojas (2006)
Besetzung: Celestina (Tenor)
Kammerensemble: Flöte, Klarinette, Bassklarinette
Trompete, Horn, Posaune,
Akkordeon, Harfe, Schlagzeug,
2 Violinen, Viola, Violoncello, Kontrabass.
Uraufführung: Dresdner Tage für zeitgenössische Musik
3.10.2006
Celestina: Clemens C. Löschmann, Tenor
Leipzig Sinfonietta, Ltg.: Arturo Tamayo
Dauer: 17 Minuten
"Celestina im Gespräch mit sich selbst" ist die zweite Vorstudie
zu einer großen "Celestina"-Oper, begreift sich aber dennoch als
ein vollkommen eigenständiges Stück: Es ist also keineswegs etwa
eine Szene aus einer zukünftigen großen Oper, sondern trotz
der knappen Dauer von nur 17 Minuten selbst eine autonome Oper.
Das Stück ist der Versuch, der Hauptfigur Celestina näher
zukommen, indem es eine Art dramatisches Porträt dieser Figur entwirft.
Ein Monodram also für Celestina allein, ein Selbstgespräch, mit
dem sich Celestina quasi selbst porträtiert.
Das Libretto ist im Gegensatz zu dem der "Klage des Pleberio"
keine zusammenhängende Szene aus de Rojas Drama, sondern eine
fast collagenhafte Kompilation aus Passagen des Textes, die verschiedene
Facetten der Hauptfigur beleuchten können.
Schwerwiegend und für die Ästhetik des Stückes sicherlich
folgenreich war der Entschluss, die alte Celestina mit einem Tenor zu besetzen.
Dabei geht es weder um eine transvestitische Komponente noch um eine buffoneske
Karikierung wie etwa bei Humperdincks Knusperhexe. Im Gegenteil: Eine besondere
Bemerkung im Vorwort der Partitur weist ausdrücklich darauf hin, daß
bei der Darstellung der Celestina jegliche Transvestiten-Klischees, oder
auch derb karikierende Effekte unter allen Umständen zu vermeiden
sind. Es geht vielmehr um einen Verfremdungseffekt, der den fast mythologischen
Charakter dieser Figur transportieren hilft. Eine Orientierung findet
man dafür im antiken griechischen Theater, wie auch im alten japanischen
und chinesischen Theater, wo die Frauenrollen von Männern gespielt
wurden. Es handelt sich um ein Element der Künstlichkeit, eine Form
der Distanz-Herstellung, die durch die Besetzung mit einem Mann eher zu
erreichen ist, als wenn man etwa eine junge Sängerin "auf alt" schminken
würde.
Einen ähnlichen "Verfremdungs-Effekt" erhoffe ich mir auch von
der Verwendung von Christoph Wirsungs frühneuhochdeutscher Übersetzung
(1527). Es wird also nicht auf spanisch gesungen (wie noch in dem früheren
Stück "Die Klage des Pleberio"), und auch keine moderne Übersetzung
vertont, obwohl eine solche dem spanischen Original sicher noch näher
kommen könnte als die Wirsung-Version. Ich verwende diese auch aus
musikalischen Gründen, weil sie für uns heute wie eine Kunst-Sprache
wirkt, die mir dadurch mit dem Operngesang kompatibler zu sein scheint
als die moderne Alltagssprache.
Die Kompilation des Textes lässt Celestina zunächst aus einer
angenommenen konkreten Situation aussteigen und über sich und ihre
Situation räsonieren. Der so entstehende und immer wieder sprunghaft
wechselnde Gedankenfluss bestimmt auch die Form der musikalischen Komposition.
Diese entwickelt sich nicht logisch aus einem Materialkern, sondern wuchert
in immer wieder neuen, sich teilweise überlagernden musikalischen
Episoden. Ein Gedankenstrom in Momentaufnahmen, oder - um den Titel eines
meiner Ensemblestücke zu zitieren - eine "Chronik in Augenblicken".
Inwieweit "Celestina im Gespräch mit sich selbst" tatsächlich
Material für eine spätere große Oper bereitstellt, oder
ob sich diese wiederum in eine ganz andere Richtung entwickeln wird, ist
im Moment noch völlig offen. Jedenfalls kann auf dem Weg zu einer
solchen abendfüllenden Oper noch etwas anderes entstehen: Nämlich
ein sehr heterogener Zyklus von mehreren, autonomen Stücken wie "Celestina
im Gespräch mit sich selbst", die jeweils verschiedene Aspekte des
großen "Celestina"- Stoffes mit unterschiedlichen Mitteln zu fokussieren
suchen.
Tragicomedia
nach Fernando de Rojas "Tragicomedia de Calisto y Melibea"
für 6 Gesangs-Solisten
(für die NeuenVokalsolisten Stuttgart)
UA: 7.2. 2009 Stuttgart Festival "Eclat"
Neue Vocalsolisten Stuttgart
Regie Matthias Rebstock
Video Steffi Weismann
Raum und Kostüme Sabine Hilscher
Dauer: 30 Minuten
Hier soll nun zum ersten Mal - nach den beiden "Celestina" Monodramen
- ein grösserer dramaturgischer Zusammenhang und die Etablierung
der wichtigsten Charaktere des Stoffes entwickelt werden. Die sechs Sänger
werden folgende Charaktere darstellen, die den Sängern der Stuttgarter
Vokalsolisten "auf den Leib" geschrieben werden:
Das Liebespaar Calisto und Melibea wird vom Mezzosopran als "Hosenrolle"
und lyrischem Sopran (Truike van der Poel und Susanne Leitz-Lorey) verkörpert.
Die alte Celestina singt der Tenor (Martin Nagy). Melibeas Vater Pleberio
ist wie in der "Klage des Pleberio" Bariton (Guillermo Anzorena). Der Bass
(Andreas Fischer) wird den Diener Sempronio spielen. Schließlich
gibt es eine Doppelrolle für den hohen Sopran (Sarah Sun): Der pubertäre
Diener Pármeno wird gleichzeitig die Prostituierte Areúsa
spielen (in die Pármeno verliebt ist). Es bleibt dabei offen (bzw.
Sache der Regie), in wie weit es sich tatsächlich um eine Doppelrolle
handelt, oder ob Areuúsa nur eine Männerphantasie des pubertären
Jünglings ist.
Die musikalische Ausarbeitung der Vokalparts hat nun die Besonderheit, dass jede Stimme zwischen zwei Ebenen hin und her springen muss: Die eine Ebene, in der man in seiner Rolle agiert, und eine quasi instrumentale Ebene, in der die Sänger sich gegenseitig begleiten.
Das Libretto ist zweisprachig angelegt - spanisch und deutsch. Die deutsche Ebene enthält Elemente einer modernen Textfassung, aber auch Elemente einer frühneuhochdeutschen Übersetzung von 1527. Welche Sprachebene wie und wann eingesetzt wird, ist als "Balanceakt" ein wesentlicher Bestandteil der dramaturgischen Konzeption und der Sprachkomposition. Ziel ist es, dass sowohl ein spanisches wie auch ein deutschsprachiges Publikum dem Fortgang des Stückes folgen kann. Dabei werden beide aber sicherlich andere Schwerpunkte der Konzeption wahrnehmen.
Die Komposition schiebt Dialogfragmente der literarischen Vorlage so ineinander und teilweise übereinander, dass sie sich in einem ständigen Schwebezustand zwischen einem linear-narrativ nachvollziehbaren Handlungsverlauf und einer assoziativen Collage befindet.
Das Stück reflektiert nicht so sehr vordergründig historisierend das spätmittelalterlichen Milieu der Vorlage (auch wenn dies zitathaft und atmosphärisch eine Rolle spielen kann), sondern orientiert sich assoziativ unter anderem etwa an Filmen von Luis Bunuel (insbesondere "Der Würgeengel"). Prostitution wird hier in einem umfassenderen Sinne verstanden. Exhibitionismus, Voyeurismus und Käuflichkeit stehen im Mittelpunkt eines Gesellschaftsspiels, das im Verlauf des Stückes teilweise grotesk-clowneske, innerlich-melancholische, oder grausam-entlarvende Züge annehmen kann.
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Stationendrama
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Oper in einer U-Bahn (2007)
Text: Paul Brodowsky und Johanna Schweizer
nach der Erzählung "Rachel" von Paul Brodowsky
Besetzung: Max (Schauspieler), Waldau
(Tenor), Olga (Sopran), Charlotte (Sopran)
Kammerensemble: Flöte, Klarinette, Bassklarinette, Posaune,
Akkordeon
Soundinstallation für CD-Zuspielungen.
Kompositionsauftrag der Staatsoper Stuttgart.
Uraufführung: Stuttgart 15.3.2007
Max :Luis Madsen ,Waldau: Heinz Göhrig, Olga: Anna Escala, Charlotte:
Barbara Friebel
Statisterie der Stuttgarter Staatsoper
Kammerensemble: Milo Machover (Fl..), Nicole Krüger (Klar.),
Teddy Ezra (Bass-Kl.), Joe Steele (Pos.), Anne-Maria Hölscher
(Akk.)
Regie: Lars Franke, Ausstattung: Ima E. Thume,
Dramaturgie: Barbara Tacchini, Tonregie: Niko Lazarakopoulos
Dauer: 60 Minuten
I
Eine Oper für eine fahrende U-Bahn zu schreiben, stellt für
den Komponisten eine in verschiedener Hinsicht sehr merkwürdige Herausforderung
dar: Diese Situation bietet so ziemlich Alles, was man sich als Komponist
für die Aufführung seiner Musik gerade nicht wünscht. Man
wünscht sich eine gute Akustik und konzentrierte Stille in einem Aufführungsraum,
in dem man möglichst von allen Plätzen aus gleich gut sehen und
hören kann. Hier in der U-Bahn hat man es mit einem wackelnden,
tosenden und zischenden Aufführungsraum zu tun, in dem ein gespielter
Ton und ein gesprochenes Wort nur wenige Meter weit tragen. Es ist ein
schlauchartiges Gebilde, dessen Seh- und Hörperspektive für den
einzelnen Zuschauer/Hörer äußerst begrenzt bleibt. Man
ist verloren, wenn man hier nicht aus der Not eine Tugend macht, indem
man jede dieser Widrigkeiten und musikfeindlichen Umstände zu konzeptionellen
Notwendigkeiten erklärt: Die massiven Fahrgeräusche werden als
vorgefundener Teil des Klangspektrums in die Komposition integriert, die
mangelnde akustische Durchlässigkeit des Zuges wird zu einer musikalischen
Situation umgeformt, in der jeder Zuhörer etwas Anderes hört.
Dadurch verändert sich die Form des zu erarbeitenden Stückes
radikal. Statt einer Partitur mit einer Zentralperspektive gibt es ein
Konvolut autonomer, aber doch immer aufeinander bezogener Strukturen, die
quasi mobile-artig durch den Ablauf der Fahrt zusammengehalten werden.
II
Das Alles integrierende Gerüst des Stückes bildet eine CD-Zuspielung,
auf der die Stimme des Ich-Erzählers in eine geräuschhafte Klanglandschaft
eingebettet ist. Diese CD- Zuspielung ist das Einzige, was jeder Hörer
auf jedem Platz gleich hört. Klänge und Stichworte der CD sind
auch die Orientierungspunkte für die Sänger und den Schauspieler,
die vollkommen unabhängig von der Musik des Instrumentalensembles
agieren. Dieses ist wiederum auf die beiden Zughälften in zwei Gruppen
aufgeteilt, die sich zur Rückfahrt noch einmal verändert formieren.
Ihre Parts bestehen aus 2 mal 14 Miniaturen, gleichsam kurzen Charakterstücken,
die in den Gesamtablauf eingeflochten sind.
Trotz der Unabhängigkeit einzelner Strukturen sollte das
Gesamtergebnis bei aller Komplexität eine durchaus lineare narrative
Dramaturgie verfolgen. Und trotz etlicher Unwägbarkeiten im Zusammenspiel
der Ebenen und der damit verbundenen Freiräume, sind alle Elemente
aufeinander bezogen gedacht und in einer recht komplexen Gesamtarchitektur
miteinander verknüpft.
Um noch eine gewisse Transparenz zu erhalten, erfordert das auf der
anderen Seite teilweise den Einsatz etwas schlichterer musikalischer Mittel
(z.B. Liegeklänge und relativ einfache harmonische Strukturen) sowie
den Verzicht auf manche Subtilitäten und Komplexitäten, die sonst
zum Standart des Komponisten Neuer Musik gehören, auch schon wegen
der massiven Konkurrenz der Fahrgeräusche, die klanglich integriert
werden müssen.
III
Die literarische Vorlage des “Stationendramas” - Paul Brodowskys Erzählung
“Rachel” - hat mich von Beginn an fasziniert und angeregt. Dadurch
dass Brodowsky offenbar ein Autor ist, dem auch formale Kriterien und Konstruktionen
wichtig sind, gibt es bei ihm durchaus Parallelen zum Denken eines Komponisten.
Seine Verwendung von Spiegelungen aller Art, Leitmotiven und Variationen
wiederkehrender Elemente nimmt man als Komponist dankbar auf, da es sich
hier um genuin musikalische Mittel handelt.
Dennoch bietet die Erzählung dem Komponisten einer Oper ebensoviele
Widerstände wie Anregungen. Insbesondere scheint sie sich als reine
Prosa der Vertonung zunächst zu verweigern. Die zentrale Frage ist:
Was soll da eigentlich gesungen werden?
Die nun vorliegende Oper begegnet dieser Problematik mit der Aufspaltung
des Textes in verschiedene Ebenen. So fungiert die Sprechstimme der CD
als innere Stimme von Max und Waldau (des für die Oper neu erfundenen
Alter Ego von Max). Der Gesang tut das, was er am besten kann: er repräsentiert
und überhöht die irrationalen Momente der inneren Handlung. Sein
Textmaterial sind nur noch Reste und Fetzen aus dem Prosatext, die wie
die Tagesreste in einem Traum auf eine tiefere emotionale und irrationale
Schicht verweisen. Neben dem singenden Waldau eröffnen die beiden
Frauenfiguren Olga und Charlotte Phantasie- und Erinnerungsräume des
monologisierenden Max. Ihr Gesang beginnt da, wo die Sprache endet. Zwischen
der von der CD zugespielten Sprechstimme und den live singenden Stimmen
vermittelt die live sprechende Schauspieler-Stimme des Max.
IV
Die Kunstform Oper wird hier durch die Etablierung verschiedener
Medien automatisch zu einem polyphonen Geflecht mehrerer koexistierender
Kunstformen: Schon die traditionellen Mittel der Oper - Gesang und Instrumentalmusik
- qsind in eine Gesangsebene und eine autonome Kammermusik-Ebene aufgespalten.
Die CD-Zuspielungen enthalten Momente von Literatur, Hörspiel und
musique concrète. Und der Schauspieler des Max steuert Elemente
des Sprechtheaters bei. Dies Alles wird integriert durch ein szenisches
und musikalisches “objet trouvé” als Aufführungsraum: Die fahrende
U-Bahn, die die ganze Oper schließlich auch zwangsläufig zu
einer Art Klanginstallation werden lässt.
Die U-Bahn hat übrigens nicht allein durch ihre Geräusche
einen Anteil an der Musik, sondern sie ist auch durch die Abfolge der Stationen
mitverantwortlich für die Gesamtarchitektur und die (für eine
Oper recht kurze) Dauer des Stückes.
Wir erzählen allerdings kein Stück über das U-Bahn-Fahren,
sondern die U-Bahn ist der Ort eines inneren Monologes: Die Erinnerung
an den Moment der Begegnung von Max mit einer Frau namens Rachel in der
U-Bahn ist die Initialzündung für die ganze Oper. Von diesem
Moment aus wuchert ein Erinnerungsstrom, ein “stream of consciousness”,
der die eigentliche Handlung des Stückes darstellt. So ist die U-Bahn
realer Ort des Geschehens wie auch ein symbolischer Ort. Die U-Bahn-Fahrt
wird zu einer Fahrt ins Innere des Ich-Erzählers.
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KontakadresseNeue
Stücke ab 2003
Im Sommer 2007 entstanden drei Kammermusik-Stücke so gut wie gleichzeitig:
"aufgestaut angespannt abgebrüht"
für Piccolo-Flöte, Klavier und Marimbaphon
"mit einem gewissen Pathos"
für Akkordeon, Klavier und 2 Theremine
und
"Würgeengel-Fragment"
für CD, Oboe, Viola und Horn
Der Titel "aufgestaut angespannt abgebrüht" steht
nicht etwa für ein geheimes literarisch-psychologisches Programm des
Stückes. Es handelt sich vielmehr um absolute Musik ohne programmatischen
Hintergrund. Dabei soll der Titel - ähnlich wie in meinem fast gleichzeitig
entstandenen Quartett mit dem Titel "mit einem gewissen Pathos" (für
Akkordeon, Klavier und 2 Theremine) - als Ausdrucksanweisung oder freie
Anregung für die Musiker dienen. Auf Grund der praktisch simultanen
Entstehungszeit dieser beiden Stücke gibt es zahlreiche Verwandschaften
zwischen dem Quartett und dem hier vorgestellten Trio. Insbesondere die
Tonhöhen-Disposition, die von einem vorher erarbeiteten Reservoir
an Skalen und Akkord-Feldern ausgeht, verbindet beide Stücke. Mit
diesem präkompositorischen Material weisen beide Stücke außerdem
auf das zur Zeit entstehende, groß dimensionierte Stück “Die
Worte, die Steine” für Bariton, Chor und grosses Orchester voraus.
In Charakter und Ausdruck unterscheidet sich "aufgestaut angespannt
abgebrüht" von dem parallel entstandenen Quartett allerdings
stark. Die Form des Stückes ist mehr oder weniger rhapsodisch. Ein
sehr genauer Plan, der im Vorfeld der Komposition die Disposition des Materials
Takt für Takt festlegen sollte, ist im Laufe der Arbeit immer wieder
verändert, überschritten und schließlich weitgehend außer
Kraft gesetzt worden. Dieser Ablaufplan ist im Stück gewissermassen
nur noch als Ruine einer ursprünglich geplanten Form enthalten, die
vielfach zerschnitten, auseinandergefallen und neu überwuchert erscheint.
Im Falle von "mit einem gewissen Pathos" strebt die klangliche
Konzeption vor Allem eine Verschmelzung der im Grunde sehr unterschiedlichen
instrumentalen Charaktere an. Akkordeon, Klavier und die beiden Theremine
sollen fast so etwas wie ein einziges großes Instrument ergeben,
in dem die individuellen Möglichkeiten der einzelnen Instrumente sich
gegenseitig ergänzen. Das Stück ist also in gewisser Weise ein
Monolog für vier Instrumente.
Der Verweis auf ein "gewisses Pathos" ist dabei weder romantisierend
noch (zeitgeist-gemäß) ironisch gemeint, sondern soll die Spieler
ermutigen, in besonders emphatischer Weise zu spielen, insbesondere die
dynamischen Extreme und die crescendo/decrescendo- Vorgänge expressiv
auszukosten.
Es ist kein Zufall, dass die Instrumenten-Angabe von "Würgeengel-Fragment"
mit der CD beginnt. Hier wird die häufigere Rangordnung bei Kammermusik
mit CD-Zuspielung umgedreht: Es handelt sich gewissermassen um eine Komposition
für CD mit fragmentarischer "Kammermusik-Zuspielung".
Diese kleine Studie entstand im Umfeld eines Opern-Projektes nach Fernando
de Rojas "Celestina" -Text. Ein atmosphärischer Bezugspunkt für
dieses Projekt ist unter anderem der Film "Würgeengel" von Luis Bunuel,
auf den sich nun auch der Titel dieser Studie bezieht.
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Orchester-Besetzung:
3 Fl. (auch Picc.), 3 Kl. (auch Bass-kl.), 3 Fg. (auch Kontra-Fg.)
3 Trpt., 4 Hrn., 4 Pos.
2 Schlgzg., Hrf., Klavier, Celesta
Streicher
Voraufführungen einer fragmentarischen Fassung:
04.06.08. / 05.06.08 Stralsund
12.06.08 Greifswald zur Eröffnung der Greifswalder Bachtage
UA der vollständigen Fassung: Juni 2009 Stralsund/Greifswald (8.
Philharmonisches Konzert)
Benno Remling, Bass-Bariton,
Opernchor des Theaters Vorpommern
Philharmonisches Orchester Vorpommern
Ltg.: Prof. Mathias Husmann
Dauer: ca. 45 Minuten
Ausgangspunkt für “Worte Steine” war der Auftrag des Landesmusikrats
Mecklenburg-Vorpommern, einen musikalischen Bezug zur Architektur der norddeutschen
Backsteingotik herzustellen. Dies geschieht hier freilich nicht in einer
vordergründig illustrierenden Umsetzung eines bestimmten Architekturmodells.
Für eine musikalische Konzeption erschien es sinnvoller, verschiedene
Elemente, Aspekte und Assoziationen des ganzen thematischen Umfelds in
sehr viel freierer Weise zu einem musikalischen “Gebäude” zusammenzufügen.
Den ersten Ansatz dazu bietet die Wahl des zentralen Textes: Es handelt
sich um die berühmte alttestamentarische Schilderung des Turmbaus
zu Babel (“Genesis” 11,1-9). Dieser Text liefert in knappster Form einen
historisch durchaus treffenden Bericht über die Erfindung der Backsteintechnik
durch die Babylonier. Darüberhinaus verknüpft er diesen Bericht
mit einer mythologischen Fiktion über die Enstehung der Sprachenvielfalt
der Menschen.
Der “historische” Teil dieses Textes erscheint in “Worte Steine”
vollständig und wird durch andere historische Quellen ergänzt:
Inschriften des babylonischen Königs Nebukadnezar II. , welche die
Baugeschichte des tatsächlichen Turmes von Babylon “Etemenanki” betreffen
und deutliche Parallelen zur Bibelstelle aufweisen.
Den mythologischen Teil der Turmbaugeschichte, also das Eingreifen
Jahwes, zitiert das Libretto nur andeutungsweise.
Freilich wird - obwohl alle Texte in deutscher Sprache vertont sind
- eine Art “Sprachverwirrung” auf ganz konkreter Ebene hergestellt:
Die Bibelzitate sind nämlich in verschiedenen deutschen Übersetzungen
gleichzeitig dargestellt. Dies geschieht zumeist in mosaikartigen
Sprachkompositionen, in denen die Worte selbst Bausteine sind, die sich
zu neuen Sprachgebäuden zusammensetzen. Nur die Partie des Solo-Baritons
bringt eine menschlich-individuelle Farbe ins Spiel. Die Textbehandlung
der Chorpassagen geht nicht von einem “sprechenden” Ausdruck des Gesanges
aus. Vielmehr werden Wort-Bausteine zusammengefügt, ausgestellt wie
in Stein gemeisselte Inschriften.
Ähnliches gilt auch für die Orchesterbehandlung: Nur äusserst
selten hat die Musik einen gestischen oder “sprechenden” Ausdruck
- wie etwa in wenigen Solo-Passagen oder in kurzen Fragmenten für
Solo-Streichquartett. In der Regel setzt sich die Musik zusammen aus elementaren
Bausteinen wie punktuellen Einzeltönen, Klangflächen, Akkorden
oder auch Skalen. Hier spielen insbesondere Halbton und Ganzton, und daraus
folgend die chromatische Tonleiter und die Ganztonleiter eine fast “leitmotivische”
Rolle.
Die Großform der Komposition ist symmetrisch angelegt:
einem einleitenden Eröffnungsteil entspricht der Schlussteil als Epilog.
Dazwischen stehen die umfangreicheren Teile II und IV, wobei im Teil II
der Großteil der Turmbauerzählung enthalten ist. Ihr werden
im Teil IV einige reflektierende Texte aus sumerischen und altägyptischen
Quellen entgegengestellt. Der Mittelteil III soll als Achse zwischen der
Erzählebene und der reflektierenden Ebene vermitteln.
Die fünf Teile müssen freilich nicht vordergründig wahrgenommen
werden (wie etwa die Sätze einer Symphonie), sondern sie gehen attacca
ineinander über und sind vielleicht eher unterschwellig spürbar.
Unabhängig von der fünfteiligen Großform setzt sich das
Stück aus einer Folge sehr kurzer "Episoden" zusammen, die aber auch
größtenteils ineinander übergehen. So kann die Komposition
formal mehrdeutig wahrgenommen werden: Als Vokalsinfonie in fünf
Sätzen, oder als eine Folge von 49 miniaturhaften Episoden.
Oder aber auch als ein frei assoziierender Gedankenstrom ohne formale Grenzen,
in dem ein Element aus dem anderen hervorgeht.
Zunächst liegt eine fragmentarische Fassung vor, die bereits im
Juni 2008 zur Aufführung gelangt. Die vollständige Komposition
soll ein Jahr später uraufgeführt werden (Daten s. oben)
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Kontakadresse
Neue Stücke ab 2003
"Die fulminante Uraufführung von Michael Hirschs nächtlicher
Szene 'Hirngespinste' zeigt, was Musik - neue und alte
- jenseits aller Notationssysteme sein kann, sein soll: klingender Atem,
Sprache und Sprachverwirrung, Vision und Traum, ‘höchste Lust’ - ganz
bewußt."
Christine
Lemke-Matwey "Süddeutsche Zeitung" 13.11.96
"Erfreuliche Ausnahme bildeten (...) einzig die 'Hirngespinste'
von Michael Hirsch, eine sensible Gestaltung von freien Assoziationen und
ruhelosen Gedankenbruchstücken in den vegetativen Weiten des Gehirns
beim nächtlichen Traum."
C.G.
"Die Welt"22.3.99
"Michael Hirschs 'Hirngespinste' erzielen mit wenigen Mitteln
- langgezogenen Akkordeon-Klängen und einer Sprachschicht, die immer
knapp vor dem verständlichen Wort bleibt - die suggestive Wirkung
traumhaften Durcheinanders."
Peter
Uehling "Berliner Zeitung"22.3.99
"In der Performance in Haus Witten wurde auch eine neue Komposition
von Michael Hirsch uraufgefführt:'Dialog' für zwei
Sprecher (Michael Hirsch und Robert Podlesny), Klänge und Gegenstände.(...)In
'Dialog'
benutzt er als Textquellen Alltagssprache sowie eine Auswahl von
konkreten Worten aus der Prinzhorn-Sammlung (Werke schizophrener Künstler).
Als Klänge ordnet diesen Texten über drei Kassettenrecorder konkret
erkennbare Geräusche und musikalisch strukturierte Passagen zu, die
sich mit den Texten zu einem dichten Geflecht verbinden. Was sich zunächst
theoretisch anhört und auch live eine gewisse Sprödigkeit besitzt,
gewinnt schließlich eine immer zwingendere Suggestion, die sowohl
aus der klang-sprachlichen Verdichtung erwächst wie aus der auch beim
Zuhörer, der hier auch Zuschauer ist, eintretenden intellektuellen
Teilnahme."
Gerhard
Rohde "Neue Musikzeitung"Juni 97
"Nur selten war bei den 'Wittener Tagen' Kammermusik so intensiv erlebbar
wie in der Vokalperformance von Michael Hirsch."
"Deutsche Welle Köln"29.4.97
"Von Michael Hirsch gab es eine sehr schlüssig wirkende Simultanaufführung
von 'Holzstück I' (1990) für einen Schlagzeuger und 'Holzstück
II' (1997) für Tonband, die eine subtile Vermittlung von
Instrumental- und Tonband'spiel' bewerkstelligt. Hirschs Anspruch, daß
in seinem Schaffen zwar Elemente von Instrumentalmusik, Musique concrète,
Sprachkomposition, Performance, Installation und Musiktheater vorkämen,
dabei der multimediale Anspruch aber nicht im Vordergrund stünde,
er vielmehr ein Komponist sei, der ganz selbstverständlich auf verschiedenen
technischen Ebenen arbeite, wird in der sehr kompakten und konzentrierten
Wirkung seiner Stücke immer eingelöst."
Michael Zwenzner "Neue Musikzeitung"Februar
98
"Michael Hirschs 'Zeichenlandschaft(Inventar)' dann als
Uraufführung im Nachtkonzert beeindruckte durch die eigenwillige Musiktheaterauffassung
ebenso wie durch die äußerst präzise Komposition eines
elementaren klingenden und szenischen Materials(...) und nicht zuletzt
durch die konzentrierte Interpretation von Stefan Gabanyi, Cornelius und
Michael Hirsch.Durch ihre autonomen, nur mittelbar aufeinander bezogenen
Vorführungen (an drei Tischen) entwickelten sie keine Handlung, sondern
schufen einen Assoziationsraum zwischen naivem Selbstvergessen und Bedrohtsein."
Gisela
Nauck "Positionen"1991 6/7
"In vier Uraufführungen erlebte man unterschiedlichste Tendenzen
zeitgenössischer Komponisten; spannend zu verfolgen war die fünfte
'Schicht' von Michael Hirschs 'Beschreibung eines Kampfes' (nach
Kafka), (...)Hirsch mischt Konkretes, Halbverständliches und Abstraktes,
strukturiert Details und täuscht Beliebigkeit vor. Elektronisch verstärke
und verfremdete Wortfetzen (...) eingebettet in den lebendigen Dschungel
einer Klanginstallation."
Helmut
Mauró "Süddeutsche Zeitung"11.11.92
"Im zweiten Stück benutzt Freyer eine Sprachkomposition des Münchners
Michael Hirsch.(...) Eine erfundene, komplex geordnete Sprache und spärliche
Gesten, Kopfdrehungen, Zuckungen können auch ohne jede Semantik 'verstanden'
werden, machen absurd-phantastischen Erzählsinn. Eine schlüssige,
sogar unterhaltsame 'Zeitkomposition von Stille, Soli, Gruppen- und Massenstrukturen
' (Michael Hirsch) als Sprach- und Bühnenstück."
Wolfgang
Schreiber "Süddeutsche Zeitung" 5.4.94
"Im zweiten Stück, 'DisTanzen' betitelt, tritt Sprache
zu Geste, Körper, Bewegung.Klang, Musik entstehen aus dem Sprachklang
selbst, werden nicht der sprache unterlegt. Die Sprachkomposition, die
Michael Hirsch für 'DisTanzen' schuf, besteht aus einem
Quadrat von sieben mal sieben Silben, die senkrecht, waagrecht und diagonal
gelesen wrden können. Jeder der sieben Spieler erhält eine entsprechende
Sprachvariante, die wiederum in eine Zeitkomposition mit Stille, Soli und
Ensemble-Sequenzen eingefügt werden.(...) Demonstriert wird, wie sich
aus der Sprache, ihren klangfarblichen, rhythmischen Eigenheiten, zugleich,
sei es kontrapunktisch oder synchron, entsprechende Körpersprachen
entwickeln, die sich ohne großeSchwierigkeiten mitzuteilen vermögen.(...)
eine brillante Etude über die enge Verzahnung der Gestaltungselemente
des Theaters, deren didaktischer Wert nicht hoch genug eingeschätzt
werden kann. "
Gerhard
Rohde "Frankfurter Allgemeine Zeitung" 11.4. 94
"'Die Worte, die Mauern' heißt eine Tonband-Komposition,
die Michael Hirsch im elektronischen Studio der TU eigens für die
Kryptonale und für den kleinen Wasserspeicher geschaffen hat. Mit
wenigen Elementen - neben den Worten des schizophrenen Dichters Ernst Herbeck
sind es vor allem die knirschenden Geräusche von Schritten, wie sie
auch auf dem unebenen Boden des Wasserspeichers zu hören sind - ,
entsteht die extrem dichte Atmosphäre eines inneren Monologs. Der
innere Ort des Sprechenden mit seinen Assoziationen und Gedankenströmen
scheint sich dem äußeren Ort der Aufführung zu überlagern
und einzuschreiben, so, als würden sich auch die Zuhörer undZuhörerinnen,
die während der Aufführung umherspazieren konnten, nicht nur
in dem Stück, sondern sogar im Denken des monologisierenden Subjekts
bewegen ."
Sabine
Sanio "Positionen"Nr.37 Nov. 98
Positionen 51
S.59, Mai 2002
...Eindrucksvoll war in dieser Vielfalt (...) nicht zuletzt Michael
Hirschs "Das Konvolut, Vol. 1" zur Eröffnung, eine dramaturgisch
wie räumlich feinsinnig ausgehörte, nonverbale Geschichte aus
Vokal- Instrumentenklängen und drei CDs. ...Gisela Nauck
Der Tagesspiegel, 11.03.2002:
"...Mit einem zarten Einstieg in den Kosmos von komponierter Stille
und sich überlappenden Klangverläufen begann der Cage-Marathon
bereits am Nachmittag mit der Uraufführung von Michael Hirschs "Das
Konvolut, Vol. 1". Mitglieder und Gäste des Kammerensembles Neue
Musik (tragender Klangkörper der Veranstaltung) bevölkerten das
Foyer vor dem großen Sendesaal. Während der Tuba-Spieler lässig
auf einer Liege lagert, gerät die Sängerin beim Anblick ihrer
ausgeschütteten Handtasche in Panik, ein verwunschenes Streichtrio
kontrastiert mit dem aufgekratzten Dialog zwischen Piccolo-Flöte und
Klarinette, die Trommel probt Gewitter. Vorproduzierte musique concrète
aus Lautsprechern weitet den Klangraum ins Ungewisse. Musik als Raumspiel,
Spielraum, Traumspiel. ..." Ulrich Amling
„ […] Michael Hirsch hat sich in seinem neuesten Musiktheater
„Die
Klage des Pleberio“ für Bariton und Ensemble“, das am 11. November
in Berlin uraufgeführt wurde, einem historischen spanischen Sujet
angenommen: Fernando de Rojas Tragikomödie „La Celestina“ (1499) ?
genauer: Dem Schluss-Monolog des Vaters, der den Liebes-Selbstmord seiner
Tochter gefühls- und wortreich beklagt und in dieser Klage Gott und
die Welt in Frage stellt. Hirsch setzt diese Innenschau, den inneren Verarbeitungsprozess
des Vaters, überzeugend in eine im Detail differenzierte Klangsprache
um und erzeugt doch gleichzeitig eine starke innere Konsistenz durch statische
Klangbilder, Zentraltöne und wiederkehrende Bewegungsmuster, die sich
immer wieder aus dem Klangstrom ? fast Motivhaft ? herausschälen und
im Wiederkehren den Eindruck des Stroms eigentlich erst generieren. […]
Für die statischen Klangbilder, aber auch für die monologischen
Linien des Bariton fordert Hirsch konsequent rhythmische Feinheiten oder
setzt a-metrische Unregelmäßigkeiten und erhöht dadurch
die Wirkung der repetitiven dramatischen Elemente und zugleich den Ausdruck
des textes und der Gesangslinien. Im Einklang mit dieser Konzentration
auf kleine, wirkungsvolle Klangmittel war die Inszenierung von Antje Kaiser:
Als zentrales Element hatte sie an die fünfzig Orangen auf der Bühne
zu einem Feld verteilt: leuchtend und lebhaft farbig zerplatzten sie unter
den mutwilligen oder achtlosen Schritten des Protagonisten, wurden in ohnmächtiger
Trauer und Wut zerdrückt und plattgetreten, spiegelten den emotionalen
Zustand. […]
Julia Gerlach, Neue Zeitschrift für Musik 1/2006 S.69
Dietholf Zerweck, Eßlinger Zeitung vom 17.3.2007
Stuttgart - Man trifft sich am Tiefbahnsteig der Killesberg-Messe und
steigt in die Stadtbahn. "Stationendrama" nennt Michael Hirsch sein Musiktheater
nach einer Erzählung von Paul Brodowsky, das nun in der Zeitoper-Reihe
der Staatsoper als Koproduktion mit der Stuttgarter Straßenbahn uraufgeführt
wurde. "Die Zeitoper spielt dort, wo ein Thema, ein Ereignis oder ein Konflikt
seinen Ursprung hat. Dabei werden vorwiegend Orte im städtischen Raum
bespielt". So hat Xavier Zuber, der Chefdramaturg der Stuttgarter Oper,
dieses neue Projekt angekündigt. Hier ist es die stumme Begegnung
eines Mannes und einer Frau in der U-Bahn, welche im Protagonisten Max
einen Bewusstseinsstrom auslöst. […] In Michael Hirschs Musiktheater
und Lars Frankes Regie changieren die Textsplitter zwischen Erinnerung
und Traum, entsteht aus der Collage von Lautsprecher-Monolog, elektronisch
verstärkten U-Bahn-Geräuschen, instrumentalen Miniaturen, Schauspieler-
und Sängeraktionen ein Geschehen, das die Zuschauer zu einer kurzen
Reise ins Innere des Ich-Erzählers mitnimmt. […] Ohne den Aufführungsort
wäre der Plot recht banal. Doch so überlagert sich Öffentliches
und Intimes bei der Wahrnehmung einer ins Unbestimmte driftenden Innenwelt.
„Augen. Haare. Wangen“ singt Göhrig arios. Doch während die U-Bahn
Linie Rachel schlingernd und kreischend der Endstation entgegen fährt,
stammelt er nur noch verloren: "Wie heißt du?!"
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